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Mehr Parteimitglieder : Die Grünen legen deutlich zu

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Zusammen mit der CDU stellen die Grünen in Hessen seit 2018 die Landesregierung; seitdem verzeichnet die Öko-Partei eine steigende Anhängerschaft. Bild: dpa

Keine andere hessische Partei konnte im vergangenen Jahr einen solchen Mitgliederzuwachs verzeichnen wie die Grünen – plus 13 Prozent. Verluste mussten Sozialdemokraten, CDU und AfD hinnehmen.

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          Die Mitgliederzahlen der sechs im Hessischen Landtag vertretenen Parteien haben sich im vergangenen Jahr unterschiedlich entwickelt. Während CDU, SPD und AfD einen Rückgang verzeichnen mussten, melden Grüne, FDP und Linke Zuwächse. Vor allem die Grünen legen zu, um 13 Prozent von 7283 (Ende 2019) auf 8229 Mitglieder (Ende 2020). Im Großen und Ganzen bestätigt sich der Trend der vergangenen zehn Jahre: Die beiden sogenannten Volksparteien verlieren stetig Mitglieder, während die kleineren Parteien, abgesehen von der AfD, hinzugewinnen können. Insgesamt sank die Zahl der Mitglieder der sechs Landtagsparteien binnen Jahresfrist von 104.115 auf 103.122 (minus 0,9 Prozent).

          Nach Angaben des Sprechers der hessischen Christdemokraten, Bastian Zander, zählte die CDU auf Landesebene Ende 2019 genau 35.865 Mitglieder. Ende 2020 waren es dann nur noch 35.625 (minus 0,6 Prozent). Zum Austritt entschieden sich nach Parteiangaben 958 Menschen, weitere 591 Personen verstarben oder zogen um. Andererseits entschlossen sich 1339 Frauen und Männer zum Eintritt in die CDU. Daraus ergibt sich insgesamt ein leichter Mitgliederrückgang. Sorgen muss sich die CDU wegen des mit 60 Jahren vergleichsweise hohen Durchschnittsalters ihrer Mitglieder machen.

          Deutlicher Mitgliederrückgang bei Sozialdemokraten

          Sehr viel deutlicher ist der Mitgliederrückgang bei den Sozialdemokraten. Im vergangenen Jahr sank die Zahl laut dem Parteisprecher Christoph Gehring von 48.406 auf 46.917. Ausgetreten seien 2520 Menschen, 971 seien verstorben und weitere 234 umgezogen. Neueintritte gab es hingegen gerade einmal 1031, was unter dem Strich einen Rückgang von rund drei Prozent ergibt. Damit bestätigte sich der Abwärtstrend der Vorjahre. Ende 2018 hatte die SPD in Hessen noch 50.808 Mitglieder, 2017 sogar noch 52.442.

          Im Gegensatz dazu verzeichnen die Grünen einen starken Zuwachs von zirka 13 Prozent. Die Sprecherin der Grünen, Lisa Uphoff, berichtet, dass sich mit 1244 neuen Mitgliedern und gerade einmal 373 Austritten die Mitgliederanzahl von 7283 auf 8229 gesteigert habe. Zusammen mit der CDU stellen die Grünen in Hessen seit 2018 die Landesregierung; seitdem verzeichnet die Öko-Partei eine steigende Anhängerschaft. Ende 2018 lag die Mitgliederzahl noch bei 6048. Die hessische Landespartei war somit maßgeblich daran beteiligt, dass Die Grünen/Bündnis 90 im April 2020 bundesweit die 100.000-Mitglieder–Marke überschritten. Derzeit sind sie nach SPD, CDU und CSU die mitgliederstärkste Partei der Bundesrepublik.

          „Knapp 40 Prozent der Neuzugänge jünger als 30 Jahre“

          Auch die Linken in Hessen schafften es, ihre Gefolgschaft zu vergrößern. Laut ihrem Sprecher Michael Müller wurden Ende 2020 genau 3337 Mitglieder gezählt; ein Jahr zuvor waren es 3281 gewesen (plus zwei Prozent). Es gab 56 Neuanmeldungen mehr als Austritte. Besonders stolz ist die Partei auf die Tatsache, dass 49 Prozent ihrer hessischen Mitglieder jünger als 40 Jahre sind.

          Ähnlich wie die Linke verzeichne auch die FDP einen leichten Anstieg. Parteisprecherin Stefanie Heil berichtet von einem Zuwachs um 40 auf 6491; ein Anstieg um rund 0,6 Prozent. „Wir freuen uns nicht nur über ein Plus an Mitgliedern, sondern auch darüber, dass knapp 40 Prozent der Neuzugänge jünger als 30 Jahre sind“, sagt Moritz Promny, der Generalsekretär der hessischen Liberalen. „Dass sich junge Menschen bei uns engagieren, zeigt nach unserer Überzeugung, dass wir zukunftsorientiert sind und auf die richtigen Themen, zum Beispiel Digitalisierung, setzen.“

          Die AfD wiederum verlor laut dem Sprecher ihres Landesverbandes, Benjamin Günther, im vergangenen Jahr 475 ihrer zuvor 2829 Mitglieder und gewann lediglich 169 dazu, wodurch die Mitgliederzahl insgesamt auf 2523 zurückging. Der Landessprecher der AfD, Klaus Herrmann, führt den rund elfprozentigen Rückgang unter anderem auf eine Aktualisierung der Mitgliederkartei zurück. „Der Mitgliederrückgang ist neben regulären Austritten auch dem Umstand geschuldet, dass im letzten Jahr 125 Mitgliedern wegen fehlender Beitragszahlungen gekündigt wurde“, sagt er. „Die AfD Hessen schleppt keine Mitglieder durch, nur um die Statistik zu schönen.“

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