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Missbrauchsfall in Limburg : Starkes Zeichen aus dem Bistum

Der jetzt vorgelegte Abschlussbericht des Bistums Limburg zu einem besonders krassen Fall sexuellen Missbrauchs ist überaus bemerkenswert. Bild: dpa

Jahrelang ist Kai Moritz von einem Priester im Bistum Limburg missbraucht worden. Eine saubere Aufarbeitung solcher Taten bleibt auch nach ihrer strafrechtlicher Verjährung wichtig – denn nichts kann sie ungeschehen machen.

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          Wer nach hoffnungsvollen Zeichen aus der katholischen Kirchenführung sucht, ist seit Jahren auf Spurenelemente angewiesen. Deshalb ist der jetzt vorgelegte Abschlussbericht des Bistums Limburg zu einem besonders krassen Fall sexuellen Missbrauchs überaus bemerkenswert. In seltener, wenn nicht einmaliger Klarheit wird das Fehlverhalten einer ganzen Generation von örtlichen Führungskräften öffentlich benannt.

          Das fängt an mit der Überschrift „Sexueller Missbrauch wurde vertuscht“ und setzt sich fort in einem Schuldeingeständnis samt Bitte um Verzeihung durch den damals verantwortlichen Personaldezernenten Helmut Wanka. Mindestens er, vermutlich etliche weitere taten nichts, um den befreundeten Täter-Priester aus dem Verkehr zu ziehen. Stattdessen bearbeitete Wanka im Jahr 1997 das Opfer, den damals gerade erwachsenen Kai Moritz, der zuvor sieben Jahre lang von seinem Pflegevater missbraucht worden war, dieser möge doch von einer Strafanzeige absehen. Mit teils perfider Begründung. Ein Argument lautete sinngemäß allen Ernstes so: „Mensch, wir haben doch auch nicht so viele Priester, und den jetzt noch aus dem Verkehr zu ziehen... Es tut ihm ja auch leid.“

          Dass Moritz, der seinen Fall seit einem knappen Jahr öffentlich, klar und mutig erzählt, damals trotzdem auf eine Strafanzeige verzichtete, klingt wie eine Geschichte aus einer anderen Zeit. Kaum vorstellbar, dass solch ein Gespräch nach den verheerenden Zahlen der Missbrauchsstudie der deutschen Bischofskonferenz heutzutage so noch geführt würde.

          Der Bericht aus dem Bistum zeigt aber noch eins: Wenn es einen Bischof gibt wie den Limburger Georg Bätzing, dann sind solche Fälle auch gut 20 Jahre nach dem letzten Übergriff sauber aufzuarbeiten. Das führt zwar nicht mehr zu Haftstrafen für den Täter, weil die Taten strafrechtlich längst verjährt sind. Und das macht die Taten auch nicht ungeschehen. Für Menschen wie Kai Moritz sind solche Untersuchungen trotzdem immens wichtig. Denn auf einmal steht er nicht mehr allein da, auf einmal hat er schwarz auf weiß in einem offiziellen Dokument, was bisher nur in seinen Kopf und sein Herz gebrannt war. Das muss eine ungeheure Erleichterung sein.

          Tobias Rösmann

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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