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Milliardenprojekt in Darmstadt : Bau des Teilchen-Beschleunigers Fair besiegelt

  • -Aktualisiert am

3000 Wissenschaftler aus 40 Ländern waren an der Planung beteiligt des Fair beteiligt, das bis 2017 am GSI-Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung in Darmstadt entstehen soll Bild: dapd

Antimaterie, dunkle Materie - und das im friedlichen Südhessen. Bei Darmstadt entsteht der neue Teilchenbeschleuniger Fair. Forscher wollen damit herausfinden, was eine Tausendstelsekunde nach dem Urknall geschah.

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          Neun Staaten, darunter Deutschland, haben in Wiesbaden ein völkerrechtliches Abkommen über die Errichtung des Teilchenbeschleunigers Fair bei Darmstadt unterzeichnet. Bis 2017 soll am GSI-Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung eine der weltweit größten Anlagen für die physikalische Grundlagenforschung entstehen. Sie wird Ionen- und Antiprotonenstrahlen erzeugen, mit denen zum Beispiel die Vorgänge nach dem Urknall simuliert werden sollen. Außerdem erhoffen sich die Forscher Aufschluss über die Ursprünge von Antimaterie und „dunkler Materie“ im Weltall.

          Die sogenannte Absichtserklärung zum Bau von Fair hatten 2007 noch 15 Länder abgegeben. „Wir rechnen damit, dass die restlichen Staaten innerhalb von zwölf Monaten nachziehen“, sagte Ingo Peter, Sprecher der GSI.

          Vertrag über die Kostenteilung zwischen Bund und dem Land

          Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) und der Staatssekretär im Bundesforschungsministerium, Helge Braun (CDU) unterzeichneten außerdem einen Vertrag über die Kostenteilung zwischen Bund und dem Land Hessen. Beide zusammen werden drei Viertel der Gesamtkosten des 1,2 Milliarden Euro teuren Projektes tragen. Hessen steuert 94 Millionen Euro bei.

          Den größten Anteil des ausländischen Beitrags wird Russland erbringen. Dessen Vertreter Petr Shchedrovitskiy nannte den Vertrag das Resultat einer jahrelangen Vorbereitung. Russland ist seit Beginn in das Fair-Projekt einbezogen. Die internationalen Partner unterstützen das Vorhaben nicht nur finanziell. Die supraleitenden Magnete, die in der 1,1 Kilometer langen Beschleunigeranlage hundertfach eingebaut werden, sollen in russischen Labors entwickelt werden. Peter Ammon, Staatssekretär im Auswärtigen Amt, sagte: „Die herausragende Rolle Russlands ist ein Zeichen für die strategische Partnerschaft mit dem Land.“ Fair werde nicht nur die Attraktivität von Hessen stärken, sondern von Deutschland insgesamt.

          3000 Wissenschaftler aus 40 Ländern beteiligt

          Als Vertreter Asiens hob der Staatsminister im indischen Ministerium für Wissenschaft und Technik, Thirumalachari Ramasami, die Begeisterung für das Projekt hervor, an dessen Planung 3000 Wissenschaftler aus 40 Ländern beteiligt sind: „Es ist auch eine Plattform, auf der Wissen aufgebaut und ausgetauscht werden kann.“ Ein einzelner Staat könnte ein solches Projekt nie tragen, sagte er.

          Erste Erdarbeiten für die acht Kreis- und zwei Linearbeschleuniger sollen im Winter 2011/12 beginnen. Zur Koordination der Bauarbeiten und der internationalen Beiträge wurde gestern das Unternehmen Fair GmbH gegründet, an dessen Spitze Simone Richter und Boris Sharkov stehen. Die beiden Physiker hatten sich bisher an der GSI mit dem Beschleunigerprojekt beschäftigt.

          Die Gesellschaft für Schwerionenforschung Das Forschungsprogramm der Gesellschaft für Schwerionenforschung (GSI) in Darmstadt reicht von der Kern- und Atomphysik bis zur Plasma- und Materialforschung. Die wohl bekanntesten Resultate sind die Entwicklung einer neuartigen Tumortherapie mit Ionenstrahlen sowie die Entdeckung von sechs neuen chemischen Elementen mit den Ordnungszahlen 107 bis 112 - darunter das nach Hessen benannte Element 108, Hassium, und das Darmstadtium getaufte Element 110.
          An der GSI betreiben 1050 Mitarbeiter eine Beschleunigeranlage für Ionenstrahlen. Wissenschaftler erkunden damit die Struktur der Materie, um so beispielsweise die Entstehung der chemischen Elemente besser zu verstehen. Die GSI ermöglicht jährlich rund 1400 Wissenschaftlern aus aller Welt den Zugang zur ihren Anlagen. Die 1969 gegründete Gesellschaft hat zum Ziel, „ein immer umfassenderes Bild der uns umgebenden Natur zu entwerfen“. 2010 beträgt das Budget 108 Millionen Euro. Die GSI ist Mitglied der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren und gehört zu 90 Prozent dem Bund sowie zu 10 Prozent dem Land Hessen.
          Das internationale Beschleunigerzentrum Fair für die Forschung mit Ionen- und Antiprotonenstrahlen bei der GSI soll künftig rund 3000 Forscher beschäftigen, die an grundlegenden Fragen zum Aufbau der Materie und zur Entwicklung des Universums arbeiten.

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