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Militär : "Der Abzug der Amerikaner ist eine Zäsur"

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Die Ankündigung der amerikanischen Regierung, in den nächsten Jahren mehrere zehntausend Soldaten aus Deutschland abzuziehen, hat in den möglicherweise betroffenen hessischen Standorten unterschiedliche Reaktionen hervorgerufen.

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          Die Ankündigung der amerikanischen Regierung, in den nächsten Jahren mehrere zehntausend Soldaten aus Deutschland abzuziehen, hat in den möglicherweise betroffenen hessischen Standorten unterschiedliche Reaktionen hervorgerufen. Während in Friedberg, Butzbach und Bad Nauheim Befürchtungen laut wurden, der Abzug könne Umsatzeinbußen für Geschäfte und Dienstleister sowie Probleme auf dem Wohnungsmarkt mit sich bringen, zeigten sich die Kommunalpolitiker in in Wiesbaden und Hanau gelassen.

          Einzelheiten des von Präsident George Bush am Montag angekündigten Truppenabzugs aus Deutschland (F.A.Z. vom Dienstag) wurden allerdings auch am Dienstag nicht bekannt. Bis die Details der Planungen und insbesondere deren zeitlicher Rahmen an die Öffentlichkeit gegeben würden, könnten noch Monate vergehen, hieß es im Hauptquartier der amerikanischen Heeresstreitkräfte in Heidelberg. Es gilt allerdings als sicher, daß es sich bei den Einheiten, die aus Deutschland zurück in die Vereinigten Staaten verlegt werden sollen, in erster Linie um die 1.Panzerdivision, die ihr Hauptquartier in Wiesbaden hat, und die 1.Infanteriedivision, die in Würzburg und anderen bayerischen Orten beheimatet ist, handelt. Die rund 13000 Soldaten der "First Armored Division" sind derzeit außer in der hessischen Landeshauptstadt auch in Friedberg, Hanau und Gießen sowie in den rheinland-pfälzischen Kommunen Baumholder und Wackenheim stationiert. Sie sind in den vergangenen Wochen von einem mehr als einjährigen Einsatz im Irak an ihre Standorte zurückgekehrt.

          Der Abzug der amerikanischen Streitkräfte ist für Friedberg nach den Worten des Ersten Stadtrats Michael Keller (SPD) eine Zäsur. Etwa zweieinhalbtausend Soldaten waren in den Kasernen in der Wetterauer Kreisstadt zuletzt stationiert. Schon deren Einsatz im Irak habe Gastronomen, Geschäften und Taxiunternehmen beträchtliche Umsatzeinbußen gebracht. Mit der möglichen Räumung des Standorts ergibt sich nach Ansicht des Magistrats aber auch eine große Chance zur Weiterentwicklung der Stadt. Es geht um ein Gelände von rund 74 Hektar, also ein Gebiet fast so groß wie die Friedberger Innenstadt. Wegen der günstigen Lage am Stadtrand in der Nähe von Bundesstraßen und des Gleisanschlusses eignet sich das Areal nach Ansicht des Magistrats insbesondere zur Erweiterung des größten Friedberger Gewerbegebiets, das sich in Nachbarschaft zur Kaserne befindet. Aber auch neue Wohnsiedlungen könnten dort in attraktiver Lage entstehen, wie es heißt. Für den Wohnungsmarkt in Friedberg befürchtet der Magistrat wegen des Rückzugs indes keine gravierenden Auswirkungen, da es lediglich um etwa 90 Wohnungen geht. Für diese Häuser Käufer und neue Mieter zu finden, dürfte nach Einschätzung des Stadtrats kein Problem sein.

          In Butzbach stellt der Rückzug der Amerikaner die Stadt dagegen vor eine beträchtliche Herausforderung, wie Bürgermeister Oswin Veith (CDU) es formuliert. Es geht um die Zukunft eines Geländes von mehr als 20 Hektar Umfang, wo in mehreren Dutzend zum Teil größeren Wohnblocks rund 820 Wohnungen eingerichtet sind, die in den nächsten drei Jahren frei werden. Ein solches Angebot liegt nach Angaben des Rathauschefs bei weitem über dem Bedarf in Butzbach. Deshalb wollen sich die städtischen Gremien schon in den nächsten Monaten daran machen, Bauleitplanungen für die amerikanische Siedlung in die Wege zu leiten und dabei mit Hilfe einer Neugestaltung die Zahl der Wohnungen "deutlich reduzieren", wie Veith ankündigte. Auch gelte es zu verhindern, daß ein sozialer Brennpunkt entstehe. Bei der Veräußerung der Liegenschaften erwartet Veith deshalb auch Entgegenkommen vom Bund als Eigentümer.

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