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Wohnen wird teurer : Neuer Mietspiegel für Mainz

  • -Aktualisiert am

Teurer geworden: Wohnen in Mainz Bild: Frank Röth

Die Stadt ist ein begehrter Wohnort, doch das hat seinen Preis: In den vergangenen vier Jahren stiegen die Mieten im Schnitt um zehn Prozent.

          Die rheinland-pfälzische Landeshauptstadt ist als Wohnort beliebt. Nicht zuletzt Studenten und junge Berufstätige zieht es nach Mainz, das in den vergangenen fünf Jahren um rund 10.000 Neubürger gewachsen ist. Das spüren auch die Mieter in der Kommune, die laut Stadtverwaltung zu den zehn teuersten Städten in Deutschland zählt. Um im Schnitt rund zehn Prozent ist der Mietzins in Mainz in den vergangenen vier Jahren gestiegen. Das zeigt der neue Mietspiegel, den Sozialdezernent Kurt Merkator (SPD) vorstellte.

          Das Zahlenwerk gibt eine Übersicht darüber, welche Miete die Bürger zum Stichtag am 1. Oktober 2014 für nicht preisgebundene Wohnungen zahlen mussten. Laut der Stadtverwaltung betrug die Durchschnittsmiete aller Wohnungen zum Stichtag 6,71 Euro pro Quadratmeter. Da im Mietspiegel aber nach Kriterien wie Größe, Ausstattung und Alter des Domizils differenziert wird, ergibt sich eine große Bandbreite.

          Mieten zum Teil um 14 Prozent teurer

          So liegt der Mittelwert für eine bis 1969 gebaute Wohnung mit mehr als 80 Quadratmetern und mittlerer Ausstattung, also Bad oder Zentralheizung, bei 4,70 Euro pro Quadratmeter. Dagegen sind für eine 40 bis 60 Quadratmeter große Wohnung, die zwischen 2003 und Mitte 2014 entstand und mit Bad und Zentralheizung eine gute Ausstattung aufweist, im Mittel 9,63 Euro pro Quadratmeter fällig.

          Die höchsten Mietsteigerungen gab es laut der Stadt bei Wohnungen bis Baujahr 1969 mit 60 bis 80 Quadratmetern: Für Objekte mit guter Ausstattung müssen Mieter im Schnitt 13,6 Prozent, mit mittlerer Ausstattung 13,1 Prozent mehr zahlen als vor vier Jahren. Deutlich höher als bei den normalen Wohnungen fiel die Erhöhung bei Apartments aus, also Wohnungen bis 40 Quadratmeter mit einem Zimmer, Bad oder Dusche und komplett möblierter Küche. Sie verteuerten sich im Schnitt um 14,3 Prozent auf eine Durchschnittsmiete von 10,41 Euro pro Quadratmeter. Laut Stadt könnte ein Grund die hohe Nachfrage nach Kleinwohnungen in der Studentenhochburg sein.

          Datenbasis bildeten 3265 Interviews

          Erstmals wurde für den Mietspiegel auch nach Wohnlagen unterschieden, wie Matthias Klupp von A & K erläuterte. Die Beratungsgesellschaft aus Hamburg hatte den Mietspiegel im Auftrag der Kommune erstellt. In den Tabellen dargestellt sind die mittleren Wohnlagen. Für gute Wohnlagen gibt es ein Aufschlag von 33Cent pro Quadratmeter, für einfache einen Abzug von 36 Cent.

          Die Datenbasis für den neuen Mietspiegel, der zuletzt 2011 neu erhoben und 2013 fortgeschrieben worden war, bilden 3265 Interviews mit Mietern und Vermietern. Er soll laut der Stadtverwaltung beiden Parteien „ein Instrument zur einvernehmlichen Regelung der Miete an die Hand geben“. Als rechtliches Instrument gilt er dabei laut Klupp nur in bestehenden Mietverhältnissen; er sei bei Mieterhöhungen mit heranzuziehen. Wenn die Mietpreisbremse in Kraft trete, werde der Mietspiegel aber auch bei Neuvermietungen Wirkung entfalten. Stimmt der Stadtrat im Juli zu, kann der Spiegel in Kraft treten. Er wird dann im Internet veröffentlicht und ist später für 3,50 Euro in gedruckter Form erhältlich.

          Das Wohnungsangebot auszuweiten, ist aus Sicht der SPD-Stadtratsfraktion die beste Antwort gegen steigende Mieten. Man habe sich dieser Aufgabe angenommen. Die SPD verwies auf das gemeinsam mit den Koalitionspartnern Grüne und FDP gesetzte Ziel, bis Ende 2020 den Bedarf an rund 6500 neuen Wohnungen zu decken, davon zwei Drittel als Geschosswohnungen und ein Drittel in Form von Ein- und Zweifamilienhäusern. Bezahlbares und gutes Wohnen sei inzwischen zur „sozialen Frage“ geworden.

          Die Grünen-Fraktion forderte von der Bundesregierung, Geld in die Hand zu nehmen und die Schaffung von sozialem Wohnraum in den Städten zu fördern. Zwar sei die Mietpreisbremse ein wichtiger Schritt gegen hohe Steigerungsraten, doch sei schon das gegenwärtige Mietniveau für viele Menschen kaum noch zu stemmen. Aus FDP-Sicht werde man mit den stadtnahen Gesellschaften die große Zahl an Wohnungen nicht allein bauen können; auch private Investitionen seien nötig. Bund und Land seien gefordert, Bauvorhaben zu entbürokratisieren.

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