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Einzelhandel : Mehrere Möbelhäuser auf Standortsuche

Auf Expansionskurs: Erst im Frühjahr 2007 wurde die Ikea-Filiale in Eschborn eröffnet Bild: AP

Das Möbelgeschäft boomt: Ikea will sein drittes Haus im Rhein-Main-Gebiet ausbauen. Die Möbelhäuser Höffner und Segmüller sind auf der Suche nach neuen Standorten.

          „Wir sind permanent auf der Suche nach einem Standort – auch im Rhein-Main-Gebiet.“ Diese Auskunft erteilt die Marketingabteilung des Möbelhauses Höffner, das in der Region bisher nur in Gründau-Lieblos vertreten ist. Einen speziellen Standort habe das Unternehmen derzeit aber nicht im Blick.

          Mechthild Harting

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Konkurrent Segmüller hatte sich im vergangenen Jahr ein Gelände im Frankfurter Norden ausgeguckt, unweit des im Frühjahr 2007 eröffneten Ikea-Möbelhauses in Frankfurt-Nieder-Eschbach. Nach Angaben des Frankfurter Planungsdezernats ist Segmüller in diesem Jahr noch nicht wieder auf die Stadt zugekommen. Die Signale von Planungsverband und Regierungspräsidium, dass eine Ansiedlung an dieser Stelle rechtlich sehr schwierig werden könnte, da die gesamte Region dem Vorhaben zustimmen müsse, hat dem Engagement offenbar einen Dämpfer versetzt. Unterdessen plant Ikea, seinen dritten Standort im Rhein-Main-Gebiet – die bisher relativ kleine Filiale in Hanau – so auszubauen, dass er mit dem Haus in Nieder-Eschbach zu vergleichen ist.

          Ackerflächen als potentieller Möbel-Standort

          Auf der Suche nach einem geeigneten, großen Grundstück ist auch der Immobilienentwickler Bouwfonds MAB, der nach eigenen Angaben im Ballungsraum eine „Furniture Mall“ eröffnen möchte: eine Art Einkaufszentrum, in dem Einzelhändler alles rund ums Wohnen anbieten. Das Gelände müsse eine gute Verkehrsanbindung aufweisen und die „Mall“ weithin gut sichtbar sein, teilt Geschäftsführer Michael Flesch mit.

          Eines brauchen alle, die sich mit Möbeln befassen: große Flächen. Bouwfonds MAB etwa wünscht sich eine Verkaufsfläche von etwa 35.000 bis 45.000 Quadratmetern. Inklusive Parkplätzen sei man auf diese Weise schnell bei einer Größenordnung von zehn Hektar, heißt es beim Planungsverband Ballungsraum Frankfurt/Rhein-Main. Ginge es nach den Investoren, lägen diese Grundstücke in unmittelbaren Nähe zu einem attraktiven Autobahnanschluss, so wie Segmüller in Weiterstadt, Höffner in Gründau und Ikea am Bad Homburger sowie am Wiesbadener Kreuz.

          So überrascht es auch nicht, dass immer wieder Ackerflächen in Hofheim-Diedenbergen, in Sichtweite zur Autobahn 66, als potentieller Möbel-Standort genannt werden, obwohl die Regionalplaner nicht müde werden, darauf hinzuweisen, dass der Standort regionalpolitisch kaum durchsetzbar sei. „Die grüne Wiese als Standort – das halte ich für ausgeschlossen“, sagt Matthias Marsch vom Planungsverband.

          Konzentration auf die „gewachsenen Zentren“

          Und es wird künftig noch striktere Vorgaben für den großflächigen Einzelhandel geben. Denn überraschenderweise haben sich dieser Tage die Fraktionen in der Regionalversammlung Südhessen und in der Verbandskammer des Planungsverbands darauf verständigt, dass es ein gemeinsames Einzelhandelskonzept für die 75 Städte und Gemeinden im Ballungsraum geben wird. Es soll am Freitag in der Regionalversammlung beschlossen und als städtebauliches Entwicklungskonzept verbindlicher Bestandteil des regionalen Flächennutzungsplans werden, der derzeit erarbeitet und von 2010 an gelten wird.

          „Wir wollen die Zentren der Städte und Gemeinden stärken“, heißt es dazu in einer Mitteilung von CDU und FDP. Einzelhandel solle sich in den „gewachsenen Zentren“ konzentrieren, nicht länger in Gewerbegebieten am Stadtrand und nicht auf der grünen Wiese. Der großflächige Einzelhandel, die Möbelmärkte und Einkaufszentren, sollen sogar auf genau festgelegte Entwicklungsgebiete konzentriert werden – um die Zentren der Städte nicht zu gefährden.

          Damit folgt die CDU/FDP-Mehrheit in der Regionalversammlung einem Vorschlag der bis vor wenigen Wochen noch amtierenden rot-grünen Verbandsspitze, die Ende August – damals gegen den lautstarken Protest der CDU – ein restriktives Konzept vorgelegt hatte. Wo künftig noch ein Gartencenter oder ein Möbelgeschäft entstehen darf, das wollen CDU und FDP gemeinsam mit den Städten ermitteln, allerdings unter der Vorgabe, dass große Märkte nur in Ober- und Mittelzentren zu akzeptieren seien. Ein Möbelgigant oder ein großer Elektronikmarkt würde in einem kleinen Ort wie Gründau-Lieblos künftig nicht mehr genehmigt.

          „Bürokratie abbauen“

          Auch für die Erweiterung bestehender Märkte und Zentren machen die Regionalpolitiker genaue Vorgaben. So ist bei Veränderungen künftig immer ein Planverfahren notwendig. Anlass für diese Regelung war der Streit zwischen Frankfurt und der Gemeinde Sulzbach über die Erweiterung des Main-Taunus-Zentrums, den erst kürzlich ein Gericht zugunsten Frankfurts und eines ordentlichen Planungsverfahrens entschieden hatte.

          „Wir wollen mit dem Einzelhandelskonzept Bürokratie abbauen“, teilen CDU und FDP mit. Vor allem hofft man, auf diese Weise eine „einheitliche Beurteilungs- und Regelungspraxis“ für die zahlreichen Standort-Nachfragen von Investoren gefunden zu haben. Ginge es nach der Politik, würde das Einzelhandelskonzept gleich für den gesamten Regierungsbezirk Südhessen gelten – damit kein Immobilienentwickler auf die Idee käme, in eine Kommune am Rand des Ballungsraums auszubüxen.

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