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Nach Einsatz von Pyrotechnik : Mehrere Festnahmen im Dannenröder Forst

  • Aktualisiert am

Aufnahme vom Dienstag: Auch am Donnerstag gab es Festnahmen nach Ausschreitungen. Mindestens eine Rakete sollen die Aktivisten gezielt in Richtung von Beamten gezündet haben. Bild: Lucas Bäuml

Im Dannenröder Forst ist es abermals zu Ausschreitungen gekommen. Nachdem Aktivisten die Beamten mit Pyrotechnik und Rauchbomben angegriffen haben, wurden mehrere Menschen festgenommen.

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          Nach dem Einsatz von Pyrotechnik und Rauchbomben im Dannenröder Forst hat die Polizei am Donnerstag mehrere Menschen festgenommen. In dem Waldstück bei Homberg/Ohm im Vogelsbergkreis protestieren Umwelt- und Klimaschützer gegen die Rodungen für den Weiterbau der Autobahn 49 in Mittelhessen. An einer Absperrung seien Beamte mit Pyrotechnik beschossen und Rauchbomben gezündet worden, sagte eine Polizeisprecherin der Deutschen Presse-Agentur. In dem Zusammenhang seien mehrere Personen festgenommen worden, gegen die wegen Landfriedensbruchs ermittelt werden soll.

          „Nach unserem jetzigen Stand waren es mehrere Personen, die versuchten, durch die Absperrung hindurch in den Sicherheitsbereich einzudringen. Bei dem Durchdringen haben sie auf die Kollegen direkt mit Raketen geschossen und haben diese Rauchbomben gezündet“, sagte die Polizeisprecherin. Bislang sei unklar, ob jemand dadurch verletzt wurde, die Polizei kläre den Vorfall noch auf. Abgesehen davon habe es auch „sehr friedliche Protestformen“ gegeben.

          Unter den Demonstranten war am Morgen auch die Umweltaktivistin und Kapitänin Carola Rackete, die am Vormittag von Polizisten aus einem Baumhaus heruntergebracht wurde. Andere Aktivisten harrten auf Tripods – hochbeinigen Gestellen – und in Hängematten aus oder waren auf Bäume geklettert. Rackete erklärte zu ihrem Protest am Morgen: „Ich bin hier oben, weil seit 30 Jahren die CO2-Emissionen immer weiter steigen und weil all die Petitionen und internationalen Abkommen nichts bringen.“ Es brauche zivilen Ungehorsam, um Veränderungen zu schaffen. Nachdem Spezialkräfte Rackete aus dem Baumhaus geholt hatten, wurde sie in einem Polizeifahrzeug weggefahren. Neben der Feststellung ihrer Personalien erhalte die Aktivistin einen fünftägigen Platzverweis, sagte die Polizeisprecherin. Nach Angaben eines Polizeisprechers wurde Rackete am Donnerstagnachmittag wieder entlassen.

          Ein Versorgungszelt zerstört

          Bereits am Vortag hatten die Beamten über Nacht wieder aufgebaute Barrikaden geräumt und Aktivisten von Tripods und aus Hängematten geholt, die an einem Seil über einen Weg gespannt waren. Auch Bäume wurden bereits gefällt, um den Weiterbau der A49 zu ermöglichen. Die Autobahn soll irgendwann Kassel und Gießen direkter miteinander verbinden. Am Donnerstagvormittag zerkleinerten Arbeiter die gefällten Bäume und bereiteten sie für den Abtransport vor.

          Derweil wurde ein Versorgungszelt der Aktivisten bei einem Feuer zerstört. Nach Polizeiangaben brannte es am Donnerstagmorgen aus zunächst ungeklärter Ursache aus. Die Schadenshöhe belief sich auf rund 500 Euro, sagte ein Polizeisprecher.

          Mit eindeutiger Haltung: Aktivisten sitzen in einem Baumhaus. Bilderstrecke
          Dannenröder Forst : Der Großeinsatz geht weiter

          Insgesamt sollen im Dannenröder Forst Bäume auf einer Fläche von 27 Hektar für den Weiterbau der A49 fallen. Dagegen protestieren Umwelt- und Klimaschützer, die das Waldstück seit mehr als einem Jahr besetzt halten. Zuvor waren Teile des Herrenwaldes bei Stadtallendorf (Landkreis Marburg-Biedenkopf) sowie des Maulbacher Waldes nahe Homberg/Ohm für den geplanten Lückenschluss gerodet worden. Die Gegner halten das Projekt angesichts der Klimakrise für verfehlt und fordern eine umweltfreundliche Verkehrswende. Befürworter versprechen sich davon weniger Verkehrs- und Lärmbelastung in den Dörfern der Region und eine bessere Anbindung für Pendler und Unternehmen.

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