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Renaturierung des Rheins : Wie am damaligen „Nato-Strand“

  • -Aktualisiert am

Bald zugewachsen: Die Weidenspreitlage am Ufer des Rheins wird im Frühjahr austreiben. Bild: Cornelia Sick

Das Ufer des vielbefahrenen Stroms wird an manchen Stellen renaturiert. Tiere sollen so neuen Lebensraum finden. Und auf einmal siedeln dort Arten, die es sonst nicht mehr gibt.

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          Das Bett des Rheins ist seit rund 200 Jahren eingepfercht zwischen Beton und gestapelten Steinen. 95 Prozent des Rheinufers sind mit Blocksteinen aufgeschüttet. Sie schützen das Ufer, sonst würde es vom Wasser abgegraben, wie Bauingenieur Kai Schlichtmann vom Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Oberrhein sagt. Für das Amt, dessen einzige Aufgabe es bislang war, den Fluss für die Schifffahrt zu sichern, war Naturschutz nie ein großes Thema. Doch seit wenigen Jahren ist das anders: An Nebenwasserstraßen, die für den Güterverkehr weniger wichtig sind, aber auch an großen Bundeswasserstraßen wie dem Rhein gibt die Behörde den Strömen an manchen Stellen die Freiheit zurück. Gut zu beobachten ist das im größten hessischen Naturschutzgebiet Kühkopf-Knoblochsaue.

          An einem Uferstück schaufelt ein Bagger nach und nach die insgesamt fast einen Meter dicke Steinschicht in den Rhein. Die kleinen Hügel werden dann von Schiffen aufgenommen und weggebracht. „Die Steine werden an stark frequentierten Wasserstraßen wieder zur Sicherung des Ufers eingesetzt“, sagt der Mann mit der markanten Brille, der einen Anorak über blauem Hemd und schwarzem Sakko trägt.

          Wo keine Steine mehr sind, schwappt das Wasser ungehindert an die Ufer und wäscht innerhalb kürzester Zeit Kies und Sand heraus; Treibholz, auf dem beispielsweise Schnecken oder andere Tiere sitzen, wird angespült. Hier und da sind nun Wurzelballen von Bäumen sichtbar. „Kleine Bäume fallen von selbst ins Wasser, größere Bäume fällen wir, bevor sie eine Gefahr für die Schifffahrt werden“, sagt Ralph Baumgärtel, Revierleiter im Naturschutzgebiet Kühkopf-Knoblochsaue von Hessen Forst. Denn an der Tatsache, dass der Rhein eine Wasserstraße ist, werde sich selbstverständlich nichts ändern.

          Jetzt schon deutlich mehr Arten

          Mancherorts am Fluss werden morphologische Prozesse zugelassen – wie an dem mittlerweile steinfreien Ufer, einem ehemaligen Truppenübungsplatz der Nato, das 2013 vom Land Hessen teilweise zurückgebaut wurde, wie Schlichtmann erläutert. Rampen und Zufahrtswege dienten einst dazu, im Konfliktfall Panzer und andere schwere Fahrzeuge schnell über den Rhein hinweg verlegen zu können. Auf dem Übungsgelände gab es auch einen wenige hundert Meter langen, unbefestigten Uferabschnitt, den „Nato-Strand“, wie er von der Bevölkerung genannt wird. Dort konnte sich die Natur frei entfalten. „So wie hier wird in vielen Jahren auch der nebenan liegende Uferbereich aussehen“, sagt Baumgärtel, der zum Ortstermin grüne Gummistiefel trägt.

          Sichtlich begeistert ist auch sein schwarzer Dackel, der eigentlich Baghira heißt, aber von seinem Herrchen liebevoll einfach nur „Dackel“ genannt wird. Das Tier rennt und schnüffelt an der Uferböschung herum. „In der vergangenen Woche sah es hier noch anders aus“, sagt Baumgärtel und erläutert, welche neuen Lebensräume für Pflanzen und Tiere in der Ufervegetation entstehen. Es gebe schon jetzt deutlich mehr Arten, sagt er.

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