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Mehr Arten als im Taunus : Großstadtdschungel in Frankfurt

Eines von 1400 in Frankfurt: das Schöllkraut Bild: Cornelia Sick

Das Netzwerk Bio-Frankfurt hat die Zahl der Pflanzen gezählt. Ergebnis: Fast 1700 verschiedene Arten wachsen in Frankfurt, im Taunus sind es hingegen nur 1250. Unter den Frankfurtern sind aber viele „Allerweltsarten“.

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          Fast 1700 verschiedene Pflanzen wachsen in Frankfurt, im Taunus sind es hingegen nur 1250. Damit beherbergt die Großstadt auf nur 0,06 Prozent der Fläche Deutschlands rund die Hälfte der Pflanzenarten, die im Bundesgebiet zu finden sind. Mit dieser Artenvielfalt übertrifft Frankfurt sogar den elfmal größeren Taunus, Das hat Bio-Frankfurt bei einer ersten Bestandsaufnahme festgestellt, das Netzwerk für Biodiversität, in dem 16 Institute des Rhein-Main-Gebiets zusammenarbeiten, von der Goethe-Universität bis zum Forschungsinstitut Senckenberg. Allerdings bestehe die Hälfte der Pflanzen in Frankfurt aus unspezifischen „Allerweltsarten“, gestehen die Forscher von Bio-Frankfurt ein, wie etwa die aus Nordamerika stammende „strahlenlose Kamille“, die heute verbreitet sei wie Unkraut.

          Mechthild Harting

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Ermittelt wurden alle Blüten- und Farnpflanzen, die in freier Natur wachsen, wie an Gleisen, Straßenrändern, Flussufern, auf Parkwegen, im Stadtwald oder auf Brachflächen, nicht jedoch die auf Beeten und in Gärten. Die Biologen sprechen dabei von „spontan“ auftretenden Arten. Dabei seien in Frankfurt die Ufer von Nidda und Main besonders wichtig für die „Lebensraumvielfalt“.

          1250 Pflanzenarten im Taunus „beachtlich“

          Aber auch die im Taunus ermittelten 1250 Pflanzenarten sei „beachtlich“, teilt Bio-Frankfurt mit, denn sie entspreche rund einem Drittel aller in Deutschland vorkommenden Arten der Blüten- und Farnpflanzen.

          Dass Frankfurt über mehr Pflanzenarten verfügt als der Taunus, erläutern Professor Georg Zizka vom Forschungsinstitut Senckenberg und Professor Rüdiger Wittig von der Goethe-Universität Frankfurt damit, dass viele Pflanzen erst im Zuge der Menschen Tätigkeit in die Stadt gekommen seien. „Etwa jede zweite Pflanzenart ist vom Menschen irgendwann nach Frankfurt gebracht worden“, heißt es, das seien rund 717 Arten und damit deutlich mehr als im Taunus. Dort betrage das Verhältnis zwischen natürlicherweise vorhandenen Arten zu denen, die vom Menschen eingeschleppt wurden etwa 65 zu 35. Die Flora des Taunus besitze also noch zu etwa Zweidrittel ihren ursprünglichen Charakter, Ein Drittel bestehe aus „Allerweltsarten“.

          Seit 1800 rund 30 Arten dahin

          Ausgestorben sind im Taunus seit dem Jahr 1800 rund 30 Arten, vermutet Wittig, das seien 4 Prozent des „natürlichen Arteninventars“. Manche der überlebenden Formen, wie mehrere im Taunus heimische Orchideen-Arten, kommen allerdings nur noch an einem oder wenigen Standorten vor.

          Die Analysen botanischer Archive zeigten, dass in Frankfurt rund 285 Pflanzen verschwunden seien. 224 von ihnen galten als Einheimische, 61 seien vor langer Zeit eingeschleppt worden. Als Gründe nennt Bio-Frankfurt tiefgreifende Veränderungen der Landnutzung, wie etwa die Aufgabe der Waldweide im Stadtwald und die Intensivierung der Landwirtschaft.

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