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Neue Chefin der Hessen-SPD : Mehr als nur ein neues Gesicht

  • -Aktualisiert am

Neue Chefin der Hessen-SPD: Nancy Faeser Bild: Frank Röth

Im Vergleich mit ihrem Vorgänger Thorsten Schäfer-Gümbel ist eine Reihe von Unterschieden unübersehbar. Nancy Faeser verkörpert inhaltlich und in ihrem Habitus den Teil der Sozialdemokratie, der bürgerlich genannt wird.

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          Nancy Faeser gehört der Führung der hessischen Sozialdemokratie zu lange an, um sich von dem bisherigen Kurs abrupt absetzen zu können, ohne ihre Glaubwürdigkeit zu beschädigen. Und doch sind im Vergleich mit ihrem Vorgänger Thorsten Schäfer-Gümbel eine Reihe von Unterschieden unübersehbar. Er war ein Niemand, als er vor einem Jahrzehnt an die Spitze von Partei und Fraktion trat. Sie gehört dem Parlament schon seit mehr als eineinhalb Jahrzehnten an und ist nicht nur im Land, sondern auch im Bund bestens vernetzt.

          Er kommt vom linken Flügel der Partei und ist aus tiefer Überzeugung ein echter „Sozi“. Sie hat jahrelang in einer großen Wirtschaftskanzlei gutes Geld verdient und verkörpert inhaltlich und in ihrem Habitus den Teil der Sozialdemokratie, der bürgerlich genannt wird. Einen dritten gravierenden Unterschied hat Schäfer-Gümbel in seiner letzten Pressekonferenz selbst erwähnt. Sie geht gern auf Menschen zu und vermag, sie rasch für sich einzunehmen.

          Einiges in Bewegung

          Die hessische Sozialdemokratie hat nicht nur ein neues, weibliches Gesicht. Mit Faeser an der Spitze verändert sie sich früher oder später grundlegend. „Und das ist auch gut so“, wird mancher Genosse in Anlehnung an Klaus Wowereit sagen. Denn nichts demotiviert und zermürbt eine Partei so sehr, wie der jahrzehntelange vergebliche Versuch, an die Macht zu kommen.

          In Hessen kommt gerade einiges in Bewegung. Über einen Rückzug des Ministerpräsidenten redet sogar er selbst in aller Offenheit. Eine Destabilisierung der schwarz-grünen Koalition könnte die Folge sein. Daraus würde sich für die SPD die Chance ergeben, früher oder später an der Regierung beteiligt zu werden.

          Große Chancen und Risiken

          Genauso gut ist es möglich, dass die gegenwärtige schwarz-grüne Koalition bis zum Ende der Wahlperiode hält. Faeser wird dann in der Landtagswahl auf einen Unionspolitiker treffen, der die Rolle des Spitzenkandidaten ebenfalls zum ersten Mal einnimmt. Vielleicht bewirbt sich auch ein Grüner um das Amt des Regierungschefs. Womöglich hat sich die deutsche Sozialdemokratie bis dahin auch längst in viele kleine Einzelteile zerlegt.

          Die Dynamik, die die Parteienlandschaft erfasst hat, ist zu stark, um abzuschätzen, wie sich die Dinge bis zum Herbst 2023 entwickeln. Darin liegen für alle Seiten große Chancen und Risiken.

          Ewald Hetrodt

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Wiesbaden.

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