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Medizin : Reformator der Psychiatrie

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„Wir rechnen noch nach traditionellen Kategorien ab“

In der Gesundheitsreform, sagt Kunze, werde ausschließlich darüber gesprochen, wie man mehr Geld ins System bringen könne. Das sei aber der falsche Ansatz, denn es gelte die „strukturbedingte Verschwendung“ zu überwinden. Die Krankenhäuser müßten lernen, in Prozessen zu denken, doch sie seien noch geprägt vom Selbstkosten-Deckungsprinzip, jener „Gutmenschunterstellung“, wonach ein Krankenhaus zwar keine Geschäfte, aber im Grunde doch alles richtig mache. Kunze nimmt keinen von seiner Kritik aus: Zu wenige nähmen in den Blick, daß Diagnostik und Therapie einen sinnvollen Prozeß bilden sollten, dem sich das überkommene System Krankenhaus und vor allem Autoritäten unterzuordnen hätten. Vielfach werde die Frage nach optimalen Prozessen als Majestätsbeleidigung zurückgewiesen. Die richtigen Prozesse aber setzten die richtige Architektur voraus: Die Krankenhäuser könnten viel von den „privaten Ketten“ wie Rhön lernen, die konsequent neu bauten.

Eine andere Architektur verlangt Kunze auch von den Kassen, denn diese hätten sich „nach Maßnahmen organisiert“. Dort gebe es niemanden, der patientenbezogene Gesamtverantwortung übernehme, so wie die Ärzte in der Psychiatrie den Patienten im Ganzen sähen, statt den Behandlungsprozeß in ambulant und stationär, in Soziotherapie, ambulante Krankenpflege, Krankengymnastik oder Ergotherapie zu fragmentieren, wie es die Kassen täten. „Wir machen im Binnenverhältnis der psychiatrischen Klinik die integrierte Behandlung, aber wir rechnen noch nach traditionellen Kategorien von stationär, teilstationär und ambulant ab“, sagt Kunze.

Qualität und Wirtschaftlichkeit sind keine Gegensätze

Er räumt ein, daß die Klinik bisweilen Therapien in bestimmter Weise vollziehe, um an ihr Geld zu kommen, nicht aber, weil sie für den Patienten in dieser Form notwendig seien: „Wir können die Musik nur so spielen, wie sie bestellt wird.“ Die ambulante Akutbehandlung zu Hause, so intensiv wie in der Klinik, wäre zwar möglich und sinnvoll, sei aber nicht abzurechnen.

Kunze und seine Mitstreiter haben festgestellt, daß Qualität und Wirtschaftlichkeit keine Gegensätze sein müssen. Rationalisierung, sagt Kunze in seinen Vorträgen, helfe Rationierung zu vermeiden. Die Behandlung sei kostengünstiger, wenn die „Dosis Krankenhausbehandlung“ wann immer möglich reduziert werde. Er verweist auf Itzehoe, wo sich eine Klinik und die Kassen einigten, das Budget für die Behandlung über fünf Jahre weiterzuzahlen, es aber der Klinik abseits der überkommenen Abrechnungsregeln zu überlassen, die Versorgung der Patienten optimal zu organisieren.

Die Herkunft aus dem protestantischen Pfarrhaus hat Kunze nicht nur den Zweifel als Antrieb zur Verbesserung zum Lebensmotto werden lassen, sondern er liebt auch das Posaunenspiel. Unermüdlich übt er, als wollte er Wälle und Mauern fallen sehen wie einst im alten Jericho.

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