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Frankfurter Fachhochschule : Meditieren gegen Stress im Studium

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Kein Wundermittel, aber enorme Effekte möglich

Zum Beispiel spricht Tania Singer von der Abteilung für Soziale Neurowissenschaft des Max-Planck-Instituts für Kognitions- und Neurowissenschaften in Leipzig über ein neunmonatiges, säkulares Programm, mit dessen Hilfe soziale Kompetenzen wie Empathie trainiert werden können. Vorsitzender des Wissenschaftlichen Kuratoriums des Kongresses ist der Gesundheitsforscher Tobias Esch von der Universität Witten-Herdecke. Er hatte 2006 an der Hochschule Coburg ein Meditationsprogramm etabliert, das vor allem Studenten der Integrativen Gesundheitsförderung belegen können.

Es gibt solche Seminare aber auch für alle Fachdisziplinen. Auch daran kann Frey sich für sein Programm in Frankfurt orientieren. Esch sagt, Meditation sei kein Wundermittel, bringe aber enorme Effekte mit sich - etwa im Abbau von Stress, in der psychischen Widerstandskraft und in der Erfahrung von Stimmigkeit. Das Programm, das Esch einführte und das von seinem Nachfolger Niko Kohls fortgeführt wird, fußt auf Erkenntnissen der beiden „Väter“ der Mind-Body-Medizin und der Meditations-/Achtsamkeitsforschung, der Amerikaner Herbert Benson und Jon Kabat-Zinn. Von beiden ist auch Esch geprägt worden.

Wie man bei hoher Arbeitsbelastung gelassen bleibt

Bekannt geworden ist vor allem die „Achtsamkeitsbasierte Stressreduktion“, die nach dem englischen Originalausdruck mit „MBSR“ abgekürzt wird. Jenseits regelrechter Meditations-Lehrveranstaltungen gibt es an Universitäten auch solche Programme. Sie scheinen gefragt zu sein. An der Goethe-Universität kann Kursleiter Günter Balmes von Ende November an statt einer Gruppe zwei Gruppen unterrichten. Bis Februar treffen sich die Studenten einmal in der Woche, um zu meditieren und andere Übungen zu machen, die sie zu Hause fortsetzen sollen. „Es ist wichtig, das regelmäßig zu machen, nicht nur in Stress-Situationen“, sagt Balmes. Die Achtsamkeitsübungen hülfen auch, Ängsten zu begegnen. Sein Ziel ist es, die Teilnehmer zu einer inneren Haltung zu bewegen, in der sie im Alltag insgesamt achtsamer leben. Balmes ist überzeugt: „Stress machen wir uns selbst.“ Er leitet den Zehn-Wochen-Kurs mittlerweile zum dritten Mal.

Angeboten wird er von der Psychotherapeutischen Beratungsstelle der Goethe-Universität. Fünf Wochen lang dauert der entsprechende Kurs der Psychotherapeutischen Beratungsstelle der Mainzer Gutenberg-Universität. Er verspricht dem Teilnehmer: „Durch mehr Achtsamkeit im Studium können Sie lernen, auch bei hoher Arbeitsbelastung gelassener zu werden.“ „Meditationsangebote an Hochschulen sprießen. Das nehmen wir wahr“, sagt Reiner Frey von der Frankfurt University of Applied Sciences. In seinem Projekt geht es ihm aber in erster Linie nicht um Stressreduktion, sondern grundlegend um eine „Rekonstruktion von Bildung“, die den Teilnehmern zu mehr Selbsterkenntnis und -bestimmung verhelfen soll, wie Frey hervorhebt. „Es geht mir um einen Erkenntnisprozess.“ Deshalb sieht er in seinem neuen Programm auch nicht weniger als eine „Fortsetzung der Aufklärung“.

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