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Fund bei Sanierungsarbeiten : Schatz auf der Mainzer Zitadelle

Überraschungsfund: historisches Mauerwerk in der Mainzer Zitadelle Bild: Marcus Kaufhold

Die Sanierungsarbeiten auf der Mainzer Zitadelle schreiten voran. Die freigelegten Mauern im Kommandantenbau können Besucher künftig durch einen Glasboden sehen.

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          Am Ende kommt ein gläserner Deckel darauf, um den von den Landesarchäologen gerade erst freigelegten „Schatz“ für die Nachwelt zu erhalten. Wie nebenbei erhält der Kommandantenbau der Mainzer Zitadelle, der bis zum Jahresende von Grund auf saniert werden soll, auf diese Weise einen völlig neuen, sehenswerten Eingang, den man fortan für Empfänge und kleinere Zusammenkünfte auf durchsichtigem Boden nutzen möchte.

          Markus Schug

          Korrespondent Rhein-Main-Süd.

          Eigentlich war vorgesehen, einen Teil der etwa 30 Quadratmeter großen Kammer neben dem Haupteingang der Festungsanlage auszuschachten, um dort das Fundament für einen Aufzug zu legen. Nun aber wurden die Pläne grundlegend geändert: Der in dem historischen Gebäude für Barrierefreiheit sorgende Fahrstuhl soll im Raum nebenan installiert werden, anstelle einer steilen Treppe aus den fünfziger Jahren. Dadurch müssen die von den Archäologen gut zwei Meter tief freigelegten Mauerreste, die bis ins 17. Jahrhundert zurückreichen, nicht herausgerissen und zerstört werden.

          Kein klares Lagebild

          Was genau man aus den Funden alles herauslesen kann, vermochte selbst die für das „Mainzer Erbe“ zuständige Landesarchäologin Marion Witteyer beim Pressetermin noch nicht mit Gewissheit zu sagen. Denn wie so oft ergaben sich beim Blick in den geschichtsträchtigen Untergrund zunächst deutlich mehr Fragen als Antworten: etwa zu den verschiedenen Funktionen, die der kleine Raum früher einmal gehabt haben dürfte. Auch ein inzwischen gefertigter Plan mit blauen, rosafarbenen und hellgrünen Markierungen, die allesamt für verschiedene Epochen stehen, erbrachte noch kein klares Lagebild.

          Das Ganze sei allerdings ein weiterer Beleg dafür, dass es in Mainz wohl kaum einen zweiten Ort wie die Zitadelle gebe, an dem sich gut 2000 Jahre Stadtgeschichte auf engstem Raum derart komprimiert nachweisen lasse, erklärte die Grabungschefin. Dies reicht von der Gegenwart zurück bis zum römischen Drususstein, der aktuell eingerüstet ist, weil er komplett saniert werden soll. Was in den vergangenen 20 Jahren mit fast allen größeren Gebäuden der ehemaligen Festungsanlage geschehen ist, die auf dem Jakobsberg aus einem erst 1794 aufgegebenen Benediktinerkloster hervorgegangen war.

          Auf dem neusten Stand

          Viele Millionen Euro seien schon in den Erhalt der überwiegend von der Verwaltung genutzten Bauten sowie die Ertüchtigung der Außenmauern investiert worden, sagte Gilbert Korte, Werkleiter der Gebäudewirtschaft Mainz. Allein für die Modernisierung des Kommandantenbaus auf der Stadtseite müsse mit Kosten von rund 4,5 Millionen Euro gerechnet werden. Bis zum Jahresende, versicherte die derzeit selbst in anderen Räumen untergebrachte Baudezernentin Marianne Grosse (SPD), sollen die Arbeiten beendet sein, damit die Weihnachtsfeier des Dezernats wieder an alter Stelle gefeiert werden könne. Dann werde das Haus nicht nur über ein dichtes Dach und eine schmucke Fassade verfügen, sondern auch energetisch sowie in puncto Kommunikationstechnik auf dem neuesten Stand sein.

          Ob der Armleuchter, der sein schwaches Licht bisher noch von der Decke direkt über der Grabungsstelle aus im Raum verteilen darf, die Sache überlebt, ist ungewiss. Wenn überhaupt wird es das Relikt aus einer anderen Zeit wohl nur mit Hilfe sparsamerer LED-Lampen schaffen, seinen angestammten Platz über dem neugestalteten Entree des Kommandantenbaus zu verteidigen.

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