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Mark Medlock : Bloß weg aus Offenbach!

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Früher Altenpflegerhelfer, nun bald Popstar? Mark Medlock Bild: picture-alliance/ dpa

In der RTL-Show „Deutschland sucht den Superstar“ steht der Offenbacher Mark Medlock im Finale und will dort „um sein Leben singen“. Sein Konkurrent ist der 16 Jahre alten Martin Stosch.

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          Es geht um alles. So sieht das zumindest Dieter Bohlen, der vor kurzem im Fernsehen orakelte: „Mark ist der Einzige, für den hier die gesamte Existenz auf dem Spiel steht.“ Mark heißt mit vollständigem Namen Mark Leon Medlock, und über seine künftige Existenz wird angeblich am Samstagabend entschieden.

          In der RTL-Castingshow „Deutschland sucht den Superstar“ steht der Offenbacher im Finale und wird dort, so hat er es selbst formuliert, „um sein Leben singen“. Sein Konkurrent ist der 16 Jahre alten Martin Stosch aus Postau in Bayern. Einer von beiden wird also nach diesem Abend eine Weile von kreischenden Fans belagert werden, kurze mediale Aufmerksamkeit genießen und vielleicht mit Dieter Bohlen ein Album aufnehmen.

          Schelmisches Lächeln, treue Blicke

          Der 28 Jahre alte Mark Medlock sagt von sich, er wäre ein guter Superstar. Das will man gerne glauben. Er hat eine gute Stimme und auf der Bühne ein sicheres Auftreten, er kann schelmisch lächeln und gleichzeitig aussehen wie ein ganz treuer Junge. Er trägt sein Herz auf der Zunge und vermittelt dabei den Eindruck, all das wirklich zu glauben, was er redet. Er sagt, er sei ohnehin schon ein Sieger, egal wie das Finale an diesem Samstag ausgehen werde. Er muss das so sehen.

          Medlock hat eine Vergangenheit, die einen so starken Kontrast zu seinem gegenwärtigen Leben bildet, dass er alles, was jetzt geschieht, nur als Aufstieg betrachten kann. Der Offenbacher, der in Frankfurt geboren wurde, hat viel erlebt und viel darüber geredet. Jeder, der es hören wollte, weiß, dass er im Alter von elf Jahren seine Jungfräulichkeit verlor, dass er einige Jahre später seine Liebe zu Männern entdeckte und etwas später von seinem Ehemann geschieden wurde. Der soll ihn, so hat es Medlock berichtet, einmal sogar halbtot geprügelt haben. „Es ist ein Wunder, dass ich überlebt habe“, hat er gesagt. Der ehemalige Gatte sieht das natürlich anders. Streit habe es gegeben, aber keine Schläge.

          Medlock ist im Lohwald aufgewachsen, jenem Offenbacher Stadtteil, der ehemals als sozialer Brennpunkt galt und mittlerweile abgerissen wurde. Als seine Mutter erkrankte, hat er die Schule abgebrochen und sich um sie gekümmert. Im Jahr 2000 ist sie gestorben. Zwei Jahre später starb auch sein Vater, der Gospelsänger war und aus den Vereinigten Staaten stammte. Danach ist Medlock „in ein tiefes Loch“ gefallen, wie er sagt. Eine Stelle hat der gelernte Altenpfleger nicht gefunden, für den Gang zum Arbeitsamt soll er zu stolz gewesen sein. Also wuchsen seine Schulden.

          Medlock ist einer, der polarisiert

          Als er aus der eigenen Wohnung raus musste, zog er in eine Wohngemeinschaft, die er mit seinen drei Katzen und drei Mitbewohnern teilt. Er sagt selbst, dorthin wolle er nicht zurück. Öffentlich wird nun darüber diskutiert, ob Medlock in Offenbach bleiben oder ob er vielleicht nach Köln gehen werde. Das wäre natürlich ein Verlust für die Stadt, Medlock wäre in Köln aber näher an RTL und damit auch an Dieter Bohlen. Der ist im Lauf der Show zum Fan von Mark Medlock geworden.

          Sein Gewinnerlied mit dem Titel „Now or never“ stammt aus Bohlens Feder. Sollte Mark an diesem Samstag gewinnen, kommt die Platte umgehend in die Läden. Falls nicht, will Bohlen dennoch in Zukunft mit Medlock Musik produzieren. Das Cover der Platte hat der junge Sänger vor Augen. Ein Flügel soll dort zu sehen sein und außerdem „de Mark und de Dieter in roten Anzügen“.

          Die Zusammenarbeit der beiden erscheint gewagt, denn Medlock ist einer, der polarisiert. Vor allem seine völlig schamfreie Art spaltet das Publikum. „Ich werd’ mir den Arsch aufrobben für meine Zukunft“, soll er der „Bild“-Zeitung gesagt haben. Und als er von seinem Einzug ins Finale erfuhr, wurde er nicht müde zu rufen: „Wie geil, des ist so geil.“ Seine Fans mögen das ähnlich sehen. All die hatte Medlock wohl auch im Sinn, als er auf seiner Homepage schrieb: „Es ist schön, dass man so akzeptiert wird, wie man ist.“

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