https://www.faz.net/-gzg-u4li

Mapsolute : Internet-Erfolg nur ein „Unfall“

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z. / Foto Daniel Pilar

Die Idee, mit der Alexander Wiegand im abgelaufenen Jahr neun Millionen Euro umgesetzt hat, klingt kompliziert. Algorithmen biete sein Unternehmen Mapsolute an, sagt der Informatiker. Doch ist das Angebot bei Millionen Internetnutzern sehr beliebt.

          Die Idee, mit der Alexander Wiegand im abgelaufenen Jahr nach eigenen Angaben neun Millionen Euro umgesetzt hat, klingt kompliziert. Algorithmen biete sein Unternehmen Mapsolute an, sagt der Informatiker und spricht von Koordinaten und Vektoren. Dabei hat das bekannteste Mapsolute-Produkt monatlich 5,2 Millionen Nutzer, die sich über die Technik keine Gedanken machen. Mit ihrem Internetangebot map24.de sind die Eschborner Marktführer bei der Online-Routenplanung in Deutschland.

          Einen „Unfall“ nennt Wiegand den Erfolg seines Unternehmens im Internet: Bei der Gründung von Mapsolute im Jahr 1996 hatten er und sein Partner Thomas Golob nur an Firmen als Kunden gedacht. Für sie wollten die Informatiker, die damals in den letzten Monaten ihres Studiums an der Universität Frankfurt waren, Software entwickeln, mit der sich Straßenkarten am Computer nutzen lassen. Speditionen sollten etwa verfolgen können, wo sich ihre Lastwagen befinden.

          Einst nur für Demo-Zwecke geplant

          Mit der Idee und einem eilig zusammengestellten Businessplan gewannen Wiegand und Golob 1998 einen Gründerpreis des Bundeswirtschaftsministeriums. Erste Großkunden, darunter Daimler-Chrysler, wurden damals aufmerksam, weil sich Straßenkarten mit der Technik von Mapsolute schneller anzeigen ließen als mit Programmen der Konkurrenz. Wiegand und Golob hatten dazu ein Verfahren entwickelt, das es erstmals überflüssig machte, Karten vor der Datenübertragung in Bilder umzuwandeln. Straßen schicken sie seitdem als Linien und Punkte durch die Leitungen und überlassen es dem Computer des Benutzers, daraus eine Grafik zu erstellen.

          Mit ihrem Online-Routenplaner, der seit dem Jahr 2000 unter www.map24.de zu erreichen ist, hätten die Informatiker zunächst potentiellen Kunden ihre Technik demonstrieren wollen, sagt Wiegand. Obwohl es etwa mit dem Kartenverlag Falk schon Konkurrenz im Internet gab, begeisterte das Angebot der Jungunternehmer innerhalb weniger Wochen die Internetnutzer. Binnen sechs Jahren sei die Anzahl der monatlichen Seitenaufrufe auf 150 Millionen gestiegen. 350 Server brauche es inzwischen, um täglich 1,5 Millionen Routenabfragen der 5,2 Millionen monatlichen Nutzer zu bearbeiten.

          Nicht nur Softwareschmiede, sondern auch Medienunternehmen ist Mapsolute heute dank des eher unfreiwilligen Erfolgs im Internet. Mit Werbung auf den Seiten des Routenplaner-Angebots mache die Firma rund die Hälfte ihres Umsatzes, sagt Wiegand. Kunden können nicht nur Platz für bunte Banner rund um die Kartenanzeige mieten, sondern für Geld etwa auch die Standorte eigener Filialen zwischen den Straßen einblenden lassen.

          Keine Angst vor dem Branchenriesen

          Kaum ernstzunehmende Konkurrenz habe Mapsolute derzeit, meint der Geschäftsführer und gibt sich auch vom Kartenangebot der Suchmaschine Google im Internet unbeeindruckt. „Nicht zu spüren“ sei der Branchenriese auf dem deutschen Markt für Online-Routenplaner. Klein sind die Sorgen offenbar trotzdem nicht, welche die Amerikaner den Eschbornern bereiten. Bei der Darstellung von Satellitenbildern war Google schneller als die deutsche Wettbewerber, und die Geschwindigkeit der Angebote unterscheidet sich dank schneller Internetverbindungen kaum noch. Vorne liegt Mapsolute im Moment aber mit einer Funktion, die es möglich macht, Stauwarnungen in die Straßenkarten zu integrieren.

          Für neue Entwicklungen werfe das laufende Geschäft mehr als genug Gewinn ab, sagt Wiegand, der fünf bis zehn Prozent Rendite für sein Unternehmen anstrebt, die Zahlen aber nicht weiter präzisieren will. In einem Bürogebäude an der Autobahn 66 in Eschborn hat Mapsolute gerade eine zweite Etage gemietet. Seit 2003 ist die Zahl der Mitarbeiter von 25 auf 65 gestiegen. Außerdem sind, wie der Geschäftsführer hinzufügt, Vertriebsbüros etwa in London und Boston entstanden. Und in diesem Tempo soll es weitergehen.

          Weitere Themen

          Man nennt es Meinungsfreiheit

          Trump gegen Google : Man nennt es Meinungsfreiheit

          Ohne das Internet wäre Donald Trump wohl nicht amerikanischer Präsident geworden. Jetzt beschwert er sich über politische Ideologisierung bei Google. Aus dem Silicon Valley schallt es zurück.

          Topmeldungen

          Handelsabkommen mit Bolsonaro : Berlin ist dafür, Paris dagegen

          Die Bundesregierung will das Mercosur-Freihandelsabkommens ratifizieren. Frankreich und andere EU-Staaten hatten wegen der Haltung Brasiliens zu den Bränden am Amazonas eine Blockade gefordert. Droht kurz vor dem G-7-Gipfel Streit zwischen Berlin und Paris?
          Wer macht’s? Annalena Baerbock und Robert Habeck

          Grüne Kanzlerkandidatur : Baerbock oder Habeck?

          Die grüne Spitze kommt gut an. Doch Annalena Baerbock und Robert Habeck wollen nicht darüber reden, wer Kanzlerkandidat wird und mit wem sie im Bund koalieren wollen.
          Verkehrsminister Andreas Scheuer

          Maut-Debakel : Neue Vorwürfe gegen Scheuer

          Die Pkw-Maut kommt nicht - jetzt werden die Verträge aufgearbeitet. Hat Verkehrsminister Scheuer getrickst, damit die Mauterhebung billiger aussieht?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.