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Manroland bleibt in Offenbach : „Zusammengehen nur auf Augenhöhe“

  • -Aktualisiert am

Bedroht: Vor allem in der Produktion der Bogendruckmaschinen fallen Stellen weg. Bild: Rainer Wohlfahrt

Nach der Aufsichtsratssitzung in München hat die IG Metall die Arbeitnehmer von Manroland informiert. Der Standort Offenbach bleibt erhalten, doch werden Stellen abgebaut.

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          Die IG Metall hat am Mittwoch das Schweigen gebrochen, das von offizieller Seite die Verhandlungen umgibt, die seit mehreren Monaten von den Unternehmensspitzen über eine Fusion der beiden weltweit größten Druckmaschinenproduzenten – die Manroland AG und die Heidelberger Druckmaschinen AG – geführt werden. Vor mehreren hundert Mitarbeitern der Manroland AG sagte Werner Dreibus, Erster Bevollmächtiger der IG Metall, auf dem Werksgelände an der Mühlheimer Straße, der Unternehmensvorstand habe am Dienstag bei der außerordentlichen Aufsichtsratssitzung in München versichert, dass keine Schließung des Offenbacher Werks im Gespräch sei. Ebenso wenig solle die Bogenmaschinensparte verlagert werden. Auf Anfrage bestätigte Unternehmenssprecher Thomas Hauser diese Angaben.

          Die Bogendruckmaschinen werden am Stammsitz von Manroland in Offenbach hergestellt. Die außerordentliche Aufsichtsratssitzung der Manroland AG war auf Antrag der Arbeitnehmer einberufen worden. Seit ihrer Herauslösung aus dem MAN-Konzern gehört die Manroland AG zu 65 Prozent dem deutschen Finanzinvestor Allianz Capital Partners; 35 Prozent hält der MAN-Konzern. Die Allianz ist zudem mit zwölf Prozent an der Heidelberger Druckmaschinen AG beteiligt, die im Geschäftsjahr 2008/2009 einen Verlust von 200 Millionen Euro verzeichnete und ein Viertel ihrer insgesamt 20 000 Stellen abbauen will. Nur dank öffentlicher Bürgschaften in Höhe von 850 Millionen Euro ist das Unternehmen noch am Markt. Auch Manroland ist mittlerweile wieder in die Verlustzone gerutscht. Beide Unternehmen haben wegen der Wirtschaftskrise in diesem Jahr unter Umsatzrückgängen von mindestens 40 Prozent zu leiden.

          Mit zirka 2500 Beschäftigten Offenbachs größter privater Arbeitgeber

          Unterdessen hat Alfred Clouth, Präsident der Industrie- und Handelskammer (IHK) Offenbach, eine mögliche Schließung von Manroland als „dramatisch schlecht“ für Offenbach bezeichnet. Sowohl für die Gewerbesteuereinnahmen als auch für den Ausbildungsmarkt wäre das ein großer Verlust. Manroland ist mit zirka 2500 Beschäftigten Offenbachs größter privater Arbeitgeber. Angesichts der Absatzkrise in der Druckbranche und einer sinkenden Nachfrage bei Druckerzeugnissen halte er eine Fusion der beiden größten Hersteller aber für sinnvoll, sagte der IHK-Präsident.

          Oberbürgermeister Horst Schneider (SPD) sagte auf Anfrage, auch wenn eine Schließung des Offenbacher Werks, wie ihm Manroland-Vorstandsvorsitzender Gerd Finkbeiner versichert habe, nicht zum Szenario gehöre, bleibe die Frage, wie viele Arbeitsplätze hier erhalten werden könnten: „Ich bin noch nicht beruhigt.“ Wie Dreibus, der dem Aufsichtsrat von Manroland ebenso wie die Betriebsratsvorsitzende Alexandra Roßel angehört, weiter sagte, haben die Arbeitnehmervertreter dem Vorstand einen Forderungskatalog für die Fusionsverhandlungen übergeben.

          Eine Verringerung auf etwa 1000 Stellen sei inakzeptabel

          Nach Ansicht der Gewerkschaft ist eine Neuordnung der Branche unausweichlich, da der Druckmaschinenmarkt weltweit schrumpfe. Neben dem Branchenführer Heidelberger Druckmaschinen AG und Manroland als dem zweitgrößten Hersteller ist international noch die deutsche Firma Koenig & Bauer von Bedeutung. Eine Fusion zwischen den Produzenten in Heidelberg und Offenbach wäre aus Sicht der IG Metall sinnvoll, falls es sich nicht um eine Übernahme handele, sondern es ein „Zusammengehen auf Augenhöhe“ gebe. Auch müssten alle Standorte von Manroland, vor allem aber derjenige in Augsburg – dort werden die Rollenmaschinen für den Zeitungsdruck produziert – und jener in Offenbach erhalten bleiben. An allen Standorten gelte es die Verantwortung für Produkte und Technologie zu erhalten. Der „unvermeidbare Personalabbau“ dürfe nicht nur zu Lasten von Manroland gehen.

          Roßel machte ebenso wie Dreibus deutlich, dass ein weiterer massiver Stellenverlust nicht hingenommen werde. Eine Verringerung auf etwa 1000 Stellen sei inakzeptabel. Laut Roßel wollen Betriebsrat und Gewerkschaft so lange nicht über die Streichung von weiteren 450 Stellen mit dem Vorstand verhandeln, solange die Zukunft des Offenbacher Werks nicht gesichert sei. Wie Unternehmenssprecher Hauser sagte, ist der Abbau von zusätzlich 450 Stellen nötig geworden, da sich der Verkauf neuer Maschinen auf einem „dauerhaft niedrigen Niveau“ bewegen werde. Bereits beschlossen ist der Wegfall von 515 Stellen im Bogenbereich. Außerdem befinden sich seit dem vergangenen Oktober zirka 1400 Mitarbeiter in Kurzarbeit. Im Monat sind das durchschnittlich 15 Tage. „Für viele Kollegen ist das ein massiver Einschnitt. Einige mussten schon private Insolvenz anmelden“, sagte Roßel.

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