https://www.faz.net/-gzg-a00d2
Bildbeschreibung einblenden

Holpriges Internet : Mangels Breitband abgehängt auf dem Land

In diese Leerrohre werden später Glasfaserkabel gelegt. Bild: dpa

Wie läuft es, wenn das Internet nicht läuft? Hessische Kommunen haben teilweise noch keine Breitbandanbindung. Wie es sich mit holprigem Internet in der Corona-Krise lebt.

  • Aktualisiert am
          3 Min.

          Grüne Wiesen, weite Felder, große Wälder - und schlechtes Internet. Schnelle Breitbandverbindungen sind in der ländlichen Idylle teils noch nicht angekommen. „Der aktuelle Bedarf in Hessen ist weitgehend gedeckt“, sagt Georg Matzner vom Digitalministerium. Über 90 Prozent hätten Zugang zu schnellem Internet. Bei rund zehn Prozent ist das allerdings demnach noch nicht möglich. Besonders zeigt sich das in den Zeiten von Corona, denn das alltägliche streamen, Online-Unterricht oder Videokonferenzen sind dann kaum möglich. Der Vogelsbergkreis ist besonders betroffen. Wie gehen Kommunen im Landkreis damit um?

          „Wenn wir die Glasfaser nicht in jedes Haus bekommen, dann haben wir auf dem Land verloren“, erklärt der Bürgermeister von Grebenhain, Sebastian Stang (parteilos). Rathaus und auch Schule „pfeifen aus dem letzten Loch“, was das Internet angeht. In manchen Ortsteilen sei die Verbindung teilweise noch schlechter. „Bei der derzeitigen Homeoffice-Situation ist das eigentlich untragbar“, berichtet er. Dabei gebe es auf dem Land in einer Pandemie gute Voraussetzungen. „Unsere Bevölkerung hat die Möglichkeit, sich aus dem Weg zu gehen.“

          „Ausbau ist schon ziemlich aufwendig“

          Das Digitalministerium in Hessen kennt die Probleme. „Der Vogelsbergkreis ist der Landkreis in Hessen mit der geringsten Einwohnerdichte“, sagt Georg Matzner, zuständiger Referatsleiter im Ministerium. „Und zweitens ist er wegen dem Untergrund äußert schwierig auszubauen“, erklärt er weiter. „Im Vogelsberg haben sie Vulkangestein - der Ausbau ist schon ziemlich aufwendig, da die Leitungen durch das Gestein verlegt werden müssen.“

          Für privatwirtschaftliche Unternehmen bei der dünnen Bevölkerung nicht lukrativ genug. Staatliche Förderprogramme laufen, seien jedoch auch bürokratisch - das kostet Stang zu viel Zeit. „Diese ganze Digitalförderung ist einfach viel zu kompliziert, viel zu langwierig, um diesen Ausbau voran zu treiben“, so der Bürgermeister. „Die Politik muss sich endlich drum kümmern, dass der Druck auf die freie Wirtschaft - auf die Telekommunikationsunternehmen - da ist.“

          Noch kein Breitbandanschluss

          Auch andere Kommunen im Vogelsbergkreis müssen mit schlechter Internetverbindung umgehen. „Also in Ohmes ist es so, dass da noch kein Breitbandanschluss ist und auch kein Handyempfang“, sagt Bürgermeister Dietmar Krist (CDU). Ohmes ist ein Ortsteil der kleinen Vogelsberg-Kommune Antrifttal. Hier werde bereits Breitband verlegt. Doch auch der Bürgermeister kennt die Probleme: „Wir sind ein fünf Personen Haushalt, wenn da die drei Kinder im Netz sind und man will dann noch arbeiten, dann bricht das Netz zusammen.“

          Eine Datenübertragung von zwei bis drei Megabit pro Sekunde gebe es teilweise in Lautertal. „Das kann besten Falls eine Übergangslösung sein“, meint der Bürgermeister der Gemeinde Dieter Schäfer (parteilos). Ein Ortsteil sei schon ans Breitband angeschlossen, die anderen sechs würden im Laufe des Jahres nachziehen. Dann seien bis zu 50 Megabit möglich. Das reicht, um Serien zu streamen und Videokonferenzen zu halten.

          Was die Firma sagen

          Die Kommunen scheinen sich insgesamt an die schlechte Internet-Situation gewöhnt zu haben. Es gebe kaum Beschwerden der Einwohner in der Corona-Krise. „Wenn das ganze Ding zusammenbricht, dann nimmt man sich ein Uno oder Memory oder Mensch-Ärgere-Dich-Nicht und lässt das halt mal sein“, berichtet Steffen Schneider von der Verwaltung in Grebenhain.

          Auch die Unternehmen haben nach Angaben des Hessischen Industrie- und Handelskammertags (HIHK) keine Probleme. „Es scheint kein Thema zu sein unter den Unternehmern“, erklärt ein Sprecher. „Das heißt aber natürlich nicht, dass nicht irgendwo irgendein Unternehmer in Hessen Schwierigkeiten hat“. In der Gesamtübersicht Hessens sei es allerdings derzeit kein Thema.

          Vielmehr scheint die Problematik darin zu liegen, junge Unternehmer in die dünn besiedelte Gegend zu ziehen - auch außerhalb der Corona-Krise. Grund sei die schlechte Internetanbindung. Diese Entwicklungen würden gebremst, „tot gemacht“, dadurch dass die Telekommunikationsunternehmen und der Staat es nicht schaffen das Internet ins flache Land zu bringen, beschwert sich Bürgermeister Stang aus Grebenhain. Die Gemeinde böte viele Freiheiten, günstige Bauplätze und Lebensraum, doch Jungunternehmer entschieden sich wegen der schlechten Internetverbindung trotzdem dagegen.

          Doch die Kommunen geben die Hoffnung nicht auf. Bei vielen werde bis spätestens Ende des Jahres das Breitband ausgebaut. „Noch ist die Internetverbindung nicht optimal, um nicht zu sagen schlecht“, sagt der Bürgermeister in Ulrichstein, Edwin Schneider (parteilos). „Ich rechne damit, dass wir bis Ende des Jahres erschlossen sein werden.“

          Weitere Themen

          Von Goethe bis Ebbel Video-Seite öffnen

          Quiz zu 75 Jahre Hessen : Von Goethe bis Ebbel

          Die Hessen haben ein Lieblingsgetränk, ihr Bundesland hat eine geographische Mitte und große Namen spielen eine Rolle und das Land hat Nachbarn. Ein Quiz zum 75. Jahrestag der Gründung des Bundeslands in Deutschlands Mitte.

          Topmeldungen

          Ein Patient im Intensivzimmer eines bayerischen Krankenhauses.

          Coronavirus : Krankenhäuser reduzieren Betten für Covid-Erkrankte

          Nur noch zehn Prozent der Intensivbetten werden künftig freigehalten: Ärzte befürchten bei einer zweiten Welle Engpässe in der Pflege. Der Präsident der Bundesärztekammer warnt davor, auf die Quotenregelung ganz zu verzichten.
          Dunkle Wolken über Mehrfamilienhäusern aus der Gründerzeit im Prenzlauer Berg (Archivbild)

          Immobilienmarkt : Der Mietendeckel verschärft Berlins Wohnungsnot

          In Berlin können Mieter bald verlangen, die Miete auf eine gesetzlich vorgegebene Grenze zu senken. Schon jetzt wirkt sich das umstrittene Instrument zur Preisdämpfung massiv auf den Wohnungsmarkt aus. Selbst die Genossen sind verärgert.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.