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Mainzer Nordmole : Grünufer darf unter Wasser stehen

Wenig Grün: Noch ist die Nordmole ein tristes Gelände. Bild: Axel Häsler

An der Nordmole des Mainzer Zollhafens sollen sich die Bürger erholen, entspannen und Sport treiben – solange der Rhein im Bett bleibt. Doch noch müssen Altlasten beseitigt werden.

          2 Min.

          Noch endet die Brücke im Nichts. Doch das wird sich ändern. Spätestens in zwei Jahren sollen Fußgänger und Radfahrer, wenn sie von der Süd- auf die Nordmole des Mainzer Zollhafens gewechselt sind, ebendort einen mehr als 500 Meter langen und rund 20 Meter breiten Grünstreifen am Fluss finden, der Erholung verspricht. Die Pläne des Berliner Büros Sinai Landschaftsarchitekten GmbH, das mit seinem „Grünufer“ im Dezember zum Sieger eines für das Gelände ausgelobten Freiraumwettbewerbs gekürt wurde, versprechen jedenfalls so einiges: einen „Peak“ genannten und wohl leicht erhöhten Aussichtspunkt unmittelbar im Anschluss an die seit 2017 die Hafeneinfahrt überspannende Klappbrücke; aber auch einen Freiluftsportpark und einen Stadtbalkon, an dem zumindest in der warmen Jahreszeit ein gastronomisches Angebot vorstellbar sei. Ganz am Ende der gut einen halben Kilometer messenden neuen Flaniermeile ist zudem eine naturnah belassene „Urbane Aue“ vorgesehen.

          Markus Schug
          Korrespondent Rhein-Main-Süd.

          Einiges von dem, was bis 2023 verwirklicht werden soll, geht auf die bald 300 von Bürgern im Sommer eingereichten Gestaltungsvorschläge zurück, die von der Zollhafen Mainz GmbH eigens für dieses Projekt gesammelt wurden. Schließlich war es von Anfang an erklärtes Ziel der Stadt, bei der Umwandlung des Zollhafens in ein hochwertiges Wohnquartier den Mainzern wieder ein Stück vom Rheinufer zurückzugeben.

          Wohnungen und Arbeitsplätze auf dem Areal

          Auf dem 22 Hektar großen Areal rund um das mittlerweile über eine Marina verfügende Wasserbecken, das seit 2010 im Uhrzeigersinn von Süd nach Nord erschlossen und bebaut wird, sollen rund 1400 Wohnungen und bis zu 4000 Arbeitsplätze entstehen. Inzwischen seien nur drei größere Grundstücke auf der Nordmole – so die Baufelder Rheinwiesen III und IV sowie Hafenblick II – für potentielle Investoren frei, sagte Standortmanager Peter Zantopp-Goldmann der F.A.Z. Bis 2025 solle die Bautätigkeit in dem zwischen Fluss und Rheinallee gelegenen Viertel dann so weit beendet sein, dass anschließend lediglich noch Straßen und Plätze gepflastert respektive gestaltet werden müssten. Zur Verwirklichung ihrer Pläne haben die Stadtwerke Mainz AG, als ehemaliger Hafenbesitzer, und die CA Immo Deutschland eine gemeinsame Projektentwicklungsgesellschaft gegründet, die auch für die rund sieben Millionen Euro teure Rheinufergestaltung zwischen der Klappbrücke und dem Kultimbiss „Zum Schorsch“ verantwortlich zeichnet.

          Soll eine Veränderung bekommen: der Zollhafen in Mainz
          Soll eine Veränderung bekommen: der Zollhafen in Mainz : Bild: Samira Schulz

          Da das Gelände – auf dem Stars wie Joe Cocker, Bob Dylan und Helene Fischer bei Freiluftkonzerten vor mehr als 10 000 Besuchern zu erleben waren – bei Hochwasser als Überflutungsfläche vorgesehen ist, bleibt kaum Platz für feste Aufbauten. Die bisherigen Schutzwände an der Nordmole sollen laut Zantopp-Goldmann zum Rhein hin um etwa zwei Meter gekürzt werden. Das Erdreich in Ufernähe werde ebenfalls abgetragen, damit sich Besucher fortan möglichst nahe am Wasser aufhalten könnten. Der Sinai-Entwurf, der eine eher organisch gestaltete Grünfläche vorsehe, habe der Jury nicht zuletzt deshalb so gut gefallen, weil dabei auf harte Kanten und Einschnitte verzichtet werde; und man somit auch auf ein andernfalls notwendiges „mehrere hundert Meter langes Geländer“ an der höhergelegenen Promenade verzichten könne.

          Breites Grünufer: So könnte die Nordmole nach der Umgestaltung aussehen.
          Breites Grünufer: So könnte die Nordmole nach der Umgestaltung aussehen. : Bild: Zollhafen Mainz

          Weil an der Stelle, die später einmal mit einem ausrangierten Kran geschmückt werden soll, bis 2009 Massengüter wie Öl und Kohle umgeschlagen wurden, dürften die Arbeiter in diesem Jahr wohl vor allem mit Rückbau und Altlastenentsorgung beschäftigt sein. Erst 2022 soll mit der eigentlichen Gestaltung des Grünufers begonnen werden. Ebenso wie die früher ganz in der Nähe betriebene „Planke Nord“ wird auch der neue Erlebnis- und Erholungsraum beim „Schorsch“ enden müssen, da der Imbiss die Grenze zur Ingelheimer Aue mit dem gut gesicherten modernen Mainzer Containerhafen markiert.

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