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Aus Venedig nach Seligenstadt: Stickerei auf einem Messgewand in der Ausstellung im Bischöflichen Dom- und Diözesanmuseum Mainz Bild: Samira Schulz

Mainzer Dommuseum : Kräuterbüschel gegen Blitzeinschlag

Um vor Unheil geschützt zu sein, hängen sich auch heute noch viele Menschen einen geweihten Würzwisch auf. Der Volksglaube stammt aus vorchristlicher Zeit – und die katholische Kirche hat sich längst damit arrangiert.

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          Sieben ausgewählte Kräuter braucht es, um Frankfurter Grüne Soße anzurühren. Für einen Würzwisch dagegen werden vor allem in den ländlichen Regionen Süddeutschlands bis zu zehnmal so viele Kräuter, Wurzeln und Blumen zu einem stattlichen Strauß zusammengebunden. Der allerdings dient nicht dem Verzehr, sondern soll den Besitzer vor Blitzschlag, Krankheit und anderem Ungemach schützen. Dafür muss das mit einer dünnen Gerte vom Haselstrauch gebundene Büschel jedoch geweiht sein.

          Markus Schug
          Korrespondent Rhein-Main-Süd.

          Einem alten Brauch zufolge sollte das Gebinde deshalb am 15. August, also zu Mariä Himmelfahrt, am Altar einer möglichst bedeutenden Kirche abgelegt werden, um später dann die unter einem Dach zusammenlebenden Menschen sowie das Vieh im Stall vor allen Arten von Unheil zu bewahren. Die schon in vorchristlicher Zeit praktizierte Kräuterweihe wird auch heute noch in einigen katholischen Kirchen Rheinhessens praktiziert. Wenngleich es sich dabei eigentlich um einen Volksglauben handelt.

          Vor allem für Kinder gibt es Spiel- und Erfahrungsstationen

          Seit Anfang Mai und noch bis Oktober widmet sich nun sogar das Dom- und Diözesanmuseum in Mainz der jährlich im Spätsommer mitzuerlebenden Symbolhandlung, bei der es darum geht, die Kräfte der Natur mit Gottes Hilfe für den Menschen nutzbar zu machen. In Rheinhessen braucht es dafür gemeinhin etwa 33 nachwachsende Zutaten. Immerhin 25 der in einem Würzwisch vorkommenden Pflanzen hat der 1971 verstorbene Nieder-Olmer Maler Jean Metten der Nachwelt als detailreiche Aquarelle hinterlassen. Seine Werke sind in der Sonderausstellung „Rosen, Tulpen, Nelken... und der Würzwisch.

          Im Blumengarten der christlichen Kunst“ nicht nur zu sehen und zu bestaunen, sondern bei Interesse zu einem guten Teil quasi auch zu riechen. Vor allem für Kinder wurden in den insgesamt etwa 500 Quadratmeter großen Ausstellungsräumen passende Spiel- und Erfahrungsstationen aufgebaut, die Besucher der Kräuter- und Pflanzenschau zum Schnuppern und Anfassen animieren sollen.

          Beim Bummel durch die Ausstellung fällt der Blick des Betrachters zum Beispiel auf das Frankfurter Paradiesgärtlein, das in Mainz allerdings nur in Form eines Leuchtbildes präsentiert werden kann; das Originalgemälde hängt im Städel-Museum. In dem von einer kleinen Mauer eingefassten Hortus conclusus, in dem sich die gekrönte Jungfrau Maria offensichtlich gerade beim Lesen entspannt, hat der Künstler mehr als zwei Dutzend verschiedene Pflanzen platziert. Nicht zufällig dürften fast alle, bis hin zur himmlischen Erdbeere, eine spezielle Bedeutung haben. Die Lilie etwa stehe so wie die Rose für Reinheit und Jungfräulichkeit, erklärten bei einem Rundgang der Kurator Gerhard Kölsch, der seine Pflanzenliebe schon in jungen Jahren entdeckt hat, und seine für den Kinderkatalog verantwortliche Kollegin Birgit Kita. Unter den ausgewählten 57 Objekten befinden sich Gemälde, Grafiken und Handschriften sowie einige textile Kunstwerke. Dazu gehört eine aufwendig gestaltete und floral verzierte Kasel, die ihren Weg um 1720 von Venedig aus bis nach Seligenstadt gefunden hat, wo sie als Messgewand fortan regelmäßig zum Einsatz kam.

          Noch mehr Eindruck auf den Betrachter dürfte wohl lediglich der repräsentative Wandteppich hinterlassen, den sich Erzbischof Kardinal Albrecht von Brandenburg um 1530 in Brügge weben ließ. Das kostbare Stück zeigt seine Wappen eingebettet in eine prachtvolle Gartenlandschaft mit Löwenzahn, wilden Stiefmütterchen, Lampionblumen, Schwertlilien, Nelken, Erbsen und Klee.

          Weitere Informationen zur Sonderausstellung, die täglich – außer montags – zum Eintrittspreis von fünf Euro im Haus Domstraße 3 in Mainz besichtigt werden kann, findet sich www.dommuseum-mainz.de.

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