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Mainzer Carneval-Verein : Zwist um zugigen Zugweg

Rollen bald auf geänderter Route: die Bollerwagen der Mainzer Gardemädchen Bild: F.A.Z. - Cornelia Sick

Die Ankündigung, den Rosenmontagszug 2009 um knapp dreihundert Meter zu verlegen, stößt auf den Groll der Mainzer Karnevalisten. Die neue Strecke soll am Kurfürstlichen Schloss vorbeiführen.

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          Fastnachter sind Traditionalisten – und für Gardisten gilt das allemal. So verwundert es nicht, dass die Zugleitung des Mainzer Carneval-Vereins von 1838 (MCV) mit ihrer Ankündigung, beim Rosenmontagszug 2009 neue Wege gehen zu wollen, fast schon einen Garde-Aufstand ausgelöst hat. Es gehe um schätzungsweise 333 Meter, sagte MCV-Präsident Richard Wagner zur Beschwichtigung. Und wenn das Experiment scheitern sollte, den Zug – so wie es seit Mitte des 19. Jahrhunderts lange Brauch gewesen sei – am Kurfürstlichen Schloss vorbeizuführen, werde man im nächsten Jahr wieder die bewährte Schleife um die mitten auf der Kaiserstraße stehende Christuskirche nehmen.

          Markus Schug

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Mainz und für den Kreis Groß-Gerau.

          Dass die Grünanlage rund um das Gotteshaus bisher von männlichen Gardisten gern als Freilufturinal missbraucht wurde, ist nach Angaben des MCV-Zugmarschalls Ady Schmelz zwar ein Grund, aber nicht der einzige für die Streckenänderung. Zumindest der Hausmeister und die Gemeindesekretärin könnten sich freuen, dass die Mauern der evangelischen Kirche nach dem höchsten Fastnachtsfeiertag in diesem Jahr wohl nicht ganz so aufwendig gereinigt werden müssten wie bisher.

          „Rosenmondnachtparty“ soll ins Regierungsviertel umziehen

          Der MCV sei alleiniger Organisator und Veranstalter des Rosenmontagszugs, den sich der Verein mit Unterstützung vieler Sponsoren jedes Jahr rund 300.000 Euro kosten lasse, sagte Wagner. Man führe das ganze Jahr über Gespräche mit Beteiligten, könne eine solche Entscheidung aber nicht „basisdemokratisch“ fällen. Stadt, Polizei und Rettungskräfte hätten keine Einwände gegen die neue Zugstrecke: von der Christuskirche aus sollen die etwa 9500 Teilnehmer künftig nicht mehr wie bisher in die Bauhofstraße einbiegen, sondern auf der Kaiserstraße weitergehen und schließlich auf Rhein- und Peter-Altmeier-Allee bis zur Großen Bleiche marschieren. Womit sowohl das zwar sanierungsbedürftige, aber dennoch sehenswerte Kurfürstliche Schloss als auch das Regierungsviertel als schmucke Kulisse genutzt werden könnten.

          Zu zugig sei es dort unten am Rhein, klagen dagegen einige Garden, deren Repräsentanten sich schon öffentlich gegen die Zugwegänderung gewehrt hatten, ehe sie offiziell bekanntgegeben war. Auf der sechsspurigen Straße vor dem Schloss, die am 23. Februar von 9 Uhr an für alle nichtnärrischen Wagenlenker gesperrt werden soll, werde man sich schlimmstenfalls vor einer Geisterkulisse bewegen, warnten die Gegner. Zudem bestehe die Gefahr, dass die rechtsrheinischen Gott-Jokus-Jünger aus den ehemaligen Mainzer Vororten Kastel, Kostheim und Amöneburg vom Fastnachtsvergnügen abgeschnitten werden könnten, falls die Theodor-Heuss-Brücke stundenlang gesperrt bliebe.

          Genau betrachtet gebe es noch zwei weitere Straßenbrücken über den Rhein, sagte dazu Udo Beck vom Stadtplanungsamt, der allen Besuchern der Stadt für diesen Tag ohnehin die An- und Abreise mit Bussen und Bahnen des Nahverkehrs empfahl. Nach Ansicht des Polizeidirektors Achim Zahn ist die Zugwegänderung „machbar und sinnvoll“ – vor allem dann, wenn in einem nächsten Schritt auch die große „Rosenmondnachtparty“ aus der engen Altstadt ins Regierungsviertel verlegt werde. Ein Vorschlag, über den erst vor der nächsten Kampagne diskutiert werden soll.

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