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Mainzer Nahverkehr : Neue Gleise auf der ganzen Linie

Im Mainzer Stadtteil Gonsenheim sind die Straßenbahngleise auf der Breiten Straße zum Teil schon entfernt worden. Bild: Mainzer Mobilität

Rund 14 Millionen Euro will die Mainzer Verkehrsgesellschaft für die schnelle Sanierung der Schienenverbindung zwischen Gonsenheim und Finthen ausgeben. Statt Schotter soll Rasen im Gleisbett für Ruhe sorgen.

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          Wenn überhaupt, dann könnten sich wohl nur die Straßenbahnfreunde Mainz für jene fast schon historisch zu nennenden Gleisanlagen interessieren, die in Finthen seit 45 Jahren im Erdreich liegen: also seit Inbetriebnahme der Linie. Für den regulären Tramverkehr seien diese Schienenstränge, die trotz mehrfacher Instandsetzungsarbeiten ihre Lebensdauer wahrlich erreicht hätten, dagegen nicht mehr lange zu gebrauchen, sagte Jochen Erlhof, Geschäftsführer der auch Mainzer Mobilität genannten Verkehrsgesellschaft. Er stellte vor, was auf dem von der Elbestraße bis zur Finther Römerquelle führenden „Ast“ in nächster Zeit geschehen soll.

          Markus Schug
          Korrespondent Rhein-Main-Süd.

          Demnach stehen dank Bundesförderung sowie städtischer Unterstützung voraussichtlich gut 14 Millionen Euro zur Verfügung, um verschiedene Streckenabschnitte mit einer Gesamtlänge von etwa vier Kilometern von Grund auf zu erneuern. Ganz sicher sei das mit der Bundesförderung zwar noch nicht, mussten alle Beteiligten beim Baustellenbesuch am Gonsenheimer Juxplatz zugeben. Aber es gebe durchaus positive Signale. Die Mainzer Nahverkehrsbetreiber hoffen darauf, von frisch gefüllten Fördertöpfen des Bundesverkehrsministeriums zu profitieren.

          Eine „Vorzeigestrecke“ in einem „Straßenbahnstadtteil“

          So können Gemeinden, die für die Modernisierung vorhandener Straßenbahngleise mehr als zehn Millionen Euro investieren, künftig mit Zuschüssen von günstigstenfalls bis zu 50 Prozent der förderfähigen Ausgaben rechnen. Außerdem stehe die durch ungewöhnlich hohe Gewerbesteuereinnahmen inzwischen selbst wieder deutlich besser aufgestellte Stadt gleichfalls bereit, um sich bei Bedarf an der Finanzierung dieses wichtigen Infrastrukturprojekts zu beteiligen, hieß es. Eben deshalb wird seit dem vergangenen Wochenende auf der Breiten Straße in Gonsenheim intensiv daran gearbeitet, die alten Gleisanlagen inklusive Fahrleitungen und Masten zu beseitigen.

          Erklärtes Ziel ist es, dass nach Ablauf der Schulferien, also Anfang September, möglichst alle Verkehrsteilnehmer die erfahrungsgemäß stark frequentierte Einkaufsstraße wieder ohne Einschränkungen nutzen können. Von einer „Vorzeigestrecke“ in einem „Straßenbahnstadtteil“ sprach die Mainzer Verkehrsdezernentin Janina Steinkrüger (Die Grünen) mit Blick auf das zu sanierende Teilstück mitten in Gonsenheim, das zuletzt vor rund 25 Jahren runderneuert worden war.

          Bis das in mehrere Bauabschnitte unterteilte Gesamtwerk vollendet sein werde, könne man voraussichtlich 2024 schreiben, so die Einschätzung der Planer, die zwischen Elbestraße und Endhaltestelle etappenweise noch etliche Meter alter und abgefahrener Rillengleise austauschen müssen, „die an der Verschleißgrenze angekommen sind“. Darüber hinaus soll in der ganzen Stadt gleich auf mehreren Linien zwischen den Gleisen künftig Rasen wachsen: so etwa im Zaybachtal in Höhe der Römersteine und in der Oberstadt.

          Alles in allem werde, weil von vielen Bürgern gewünscht und klimafreundlicher, auf einer Länge von 3,6 Kilometern das bisherige Schotterbett zwischen den Schwellen durch Rasenflächen ersetzt. Was sich die Stadt, die sich davon nicht zuletzt eine Lärmreduzierung verspreche, Erlhof zufolge rund fünf Millionen Euro kosten lässt. Oberbürgermeister Michael Ebling (SPD) verwies – und das nicht zum ersten Mal – darauf, dass sich die Landeshauptstadt aktuell mehr leisten könne als früher und den Bürgern deshalb „etwas zurückgeben“ möchte.

          Die bis vor Kurzem selbst noch mit fast 1,3 Milliarden Euro hoch verschuldete Kommune hat – auch wenn das im Rathaus aus Gründen des Steuergeheimnisses offiziell so nicht bestätigt werden kann – zuletzt exorbitant hohe Gewerbesteuereinnahmen gemacht. Dafür dürfte vor allem der in Mainz ansässige und wirtschaftlich momentan außergewöhnlich erfolgreiche Corona-Impfstoffhersteller Biontech verantwortlich sein.

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