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Mainz : Studentin geht als Jugenddelegierte zu den Vereinten Nationen

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Anfang Oktober ist es für Studenten an der Zeit, sich auf das Wintersemester vorzubereiten. Hausarbeiten müssen abgegeben, Stundenpläne erstellt und Seminare vorbereitet werden. Dafür wird Anne Spiegel wenig Zeit bleiben.

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          Anfang Oktober ist es für Studenten an der Zeit, sich auf das Wintersemester vorzubereiten. Hausarbeiten müssen abgegeben, Stundenpläne erstellt und Seminare vorbereitet werden. Dafür wird Anne Spiegel wenig Zeit bleiben. Die Mainzerin fliegt im Herbst als erste deutsche UN-Jugenddelegierte für drei Wochen nach New York. Zusammen mit der Heidelberger Studentin Hanna Labonte wird sie an der Generalversammlung der Vereinten Nationen teilnehmen.

          Die Möglichkeit, die nationalen UN-Delegationen von Jugenddelegierten begleiten zu lassen, bestehe schon seit rund 30 Jahren, sagt die Studentin. Allerdings habe bislang nur ein Teil der 191 Mitgliedsländer davon Gebrauch gemacht. So hätten die Jugenddelegierten in Skandinavien einen hohen Stellenwert und dürften bei einigen UN-Beschlüssen auch abstimmen. Kürzlich habe sie auf einem Vortreffen der europäischen Delegierten den niederländischen Vertreter kennengelernt, erzählt die Vierundzwanzigjährige. Er sei zusammen mit den übrigen nationalen Bewerbern in einer Fernsehsendung aufgetreten, und die Zuschauer hätten ihn per Telefon zum Favoriten gewählt.

          Ihre eigene Kür zur Jugenddelegierten verlief vergleichsweise unspektakulär. Die Studentin setzte sich bei einer Ausschreibung des Deutschen Nationalkomitees für internationale Jugendarbeit gegen 20 andere Bewerber durch. Dabei seien ihr die Erfahrungen in Jugendverbänden und bei europäischen Jugendprojekten zugute gekommen, sagt sie. Ihr politisches Interesse sei jedoch schon früher geweckt worden: "Meine Eltern haben mich früher im Kinderwagen über Demos geschoben, und das hat mich sicherlich geprägt." Später war sie Schülersprecherin, und nach dem Abitur kam sie zu den Grünen. Ihr Engagement mündete nach Stationen im Landes- und Bundesvorstand der "Grünen Jugend" jüngst in einem aussichtsreichen Listenplatz für die rheinland-pfälzischen Landtagswahlen im nächsten Jahr. Die parteipolitische Perspektive will sie in New York jedoch vermeiden: "Dort vertrete ich ein breites Spektrum, zu dem auch christliche oder konservative Verbände gehören."

          Die bisweilen geäußerte Ansicht, Jugendliche interessierten sich nicht fürs Gemeinwohl, will Spiegel nicht gelten lassen. Allerdings habe die Politik ein Image-Problem: "Oft fallen Entscheidungen in muffigen Hinterzimmern, das ist nicht sehr attraktiv." Eine Ausrichtung auf vermeintliche Trends und öffentlichkeitswirksame Aktionen lehnt die Studentin aber auch ab. "Politik muß Spaß machen, aber Spaß kann nicht der einzige Inhalt sein." Für die junge Generation komme es darauf an, ernst genommen zu werden und an der politischen Willensbildung beteiligt zu werden.

          In New York will die Vierundzwanzigjährige "ein Sprachrohr in Deutschland lebender Jugendlicher" sein. Zwar könne man ihre Generation nicht in eine Schublade stecken, doch gebe es einige gemeinsame Nenner. So hätten vieler ihrer Altersgenossen Angst um die Zukunft, etwa um eine sichere Stelle. Die Arbeitsplatzsituation sei aus ihrer Sicht auch der wichtigste Punkt des "Weltaktionsprogramm für die Jugend", um das es bei den UN-Plenardebatten gehen wird.

          Auch um die eigene berufliche Zukunft muß sich die Vierundzwanzigjährige kümmern. Sie will ihr Studium der Politik, Philosophie und Psychologie noch in diesem Jahr abschließen. Zwar werde es schwer, dafür zwischen Generalversammlung und Landtagswahlkampf Zeit zu finden. Aber, fügt sie optimistisch hinzu, das sei bei ihr ja schon immer so gewesen.

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