https://www.faz.net/-gzg-8nggu

Mainz : Strom auf die Schnelle

Energiegeladen: Am Industriehafen auf der Ingelheimer Aue soll neben dem bestehenden Kraftwerk (Bildmitte) ein neues Blockheizkraftwerk errichtet werden. Bild: ddp

In Mainz soll ein neues Blockheizkraftwerk samt Wärmespeicher auf der Ingelheimer Aue entstehen. Jetzt ist das 100-Millionen-Euro-Projekt genehmigt worden.

          2 Min.

          Um künftig schon innerhalb weniger Minuten reagieren zu können, wenn Strom am Markt nachgefragt wird, will die Kraftwerke Mainz-Wiesbaden (KMW) AG ihren Anlagenpark auf der Ingelheimer Aue erweitern. Mit dem geplanten, rund 100 Millionen Euro teuren Blockheizkraftwerk direkt am Industriehafen werde die KMW „der ideale Partner der Energiewende“ sein, begründete der Vorstand des Unternehmens die beabsichtigte Investition. Denn die zehn Motoren der modular aufgebauten und mit Erdgas zu betreibenden Anlage, von denen jeder über eine Leistung von zehn Megawatt verfüge, könnten rasch zugeschaltet werden, wenn zum Beispiel bei Flaute oder wegen geringer Sonneneinstrahlung zeitweise nicht genügend Strom aus erneuerbaren Quellen zur Verfügung stehe.

          Markus Schug

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Mainz und für den Kreis Groß-Gerau.

          Das seit 2001 existierende Mainzer Gas- und Dampfturbinen-Kraftwerk (GUD-Anlage) hat laut KMW zwar eine Leistung von 400 Megawatt. Es reagiere allerdings vergleichsweise schwerfällig, wenn es kurzfristig hochgefahren werden müsse. Weil alle zuständigen Gremien dem Vorhaben zugestimmt haben und inzwischen auch die Genehmigung der Aufsichtsbehörde SGD Süd vorliegt, soll das Blockheizkraftwerk nun tatsächlich gebaut und möglichst im Herbst 2018 in Betrieb genommen werden, teilte das Unternehmen am Dienstag mit. Darüber hinaus sei beabsichtigt, bis Ende 2018 auf der Ingelheimer Aue noch einen Fernwärmespeicher zu installieren. Der gedämmte Spezialbehälter könne das bei der Stromproduktion anfallende heiße Wasser über Stunden, wenn nicht gar über Tage hinweg vorhalten, um es erst nach und nach an das Fernwärmenetz abzugeben.

          „Wichtigen Beitrag zur Sicherung des Fernwärmenetzes“

          Schon jetzt liefert das mit Erdgas befeuerte große GUD-Kraftwerk neben Strom auch Wärme, die mit Hilfe eines 70 Kilometer langen Rohrnetzes in der Stadt verteilt wird: unter anderem an den Dom, die Universität und die Uniklinik; außerdem gibt es eine Verbindung zum Fußballstadion, damit der Rasen am Europakreisel dank eigenem Heizsystem selbst bei Schnee und Eiseskälte bespielbar bleibt. Umgerechnet werden nach Unternehmensangaben bereits heute etwa 40000 Haushalte in Mainz mit Fernwärme beliefert. „Das neue Blockheizkraftwerk und der dazugehörige Wärmespeicher könnten mittelfristig einen wichtigen Beitrag zur Sicherung und für den Ausbau des Fernwärmenetzes in der Stadt leisten“, so die übereinstimmende Auffassung der drei KMW-Vorstände, Lars Eigenmann, Stephan Krome und der zum Jahresende aus dem Amt scheidende Ralf Schodlok. Ob eines Tages die Wiesbadener, etwa mittels einer durch den Rhein zu führenden Versorgungsleitung, ebenfalls von der Neuanschaffung profitieren werden, ließen sie offen.

          Die bisherige GUD-Anlage lasse sich nur dann wirtschaftlich sinnvoll betreiben, wenn sich die Einsatzzeiten des Kraftwerks nach den Strompreisen richteten; allein die Herstellung des Nebenprodukts Fernwärme rechne sich dagegen nicht. Um dennoch gerade im Winterhalbjahr eine gesicherte Versorgung der Heizungskunden garantieren zu können, lohnt sich laut KMW der Bau des Blockheizkraftwerks gerade in Verbindung mit einem Wärmespeicher. Ergänzend dazu steht, wie bisher schon, auch noch das benachbarte Müllheizkraftwerk als kleiner, aber verlässlicher Wärmelieferant von der Ingelheimer Aue zur Verfügung.

          Weitere Themen

          Brückenschlagen ist leicht

          Festival „Africa Alive“ : Brückenschlagen ist leicht

          Die Sängerin Gasandji eröffnet das Festival „Africa Alive“ mit einem Konzert in der Brotfabrik in Frankfurt. Das Publikum ist begeistert. Und das nicht nur wegen ihrer einladenden Melodien.

          Topmeldungen

          Untersuchungen zum Coronavirus an der Charité Berlin Mitte

          Coronavirus : Drei weitere Infizierte in Bayern

          Bei drei weiteren Menschen in Bayern wird das Coronavirus nachgewiesen. Wie der erste deutsche Patient sind sie Mitarbeiter der Firma Webasto aus Starnberg, teilt das bayerische Gesundheitsministerium mit. Das Unternehmen schließt vorübergehend seine Zentrale.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.