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Mainzer Technologiezentrum : Streit über Mangel an Flächen für Biotechfirmen

Teil des Mainzer Technologiezentrums: Biontech Bild: Wolfgang Eilmes

Die Mainzer Stadtratskoalition wirft der Wirtschaftsdezernentin Manuela Matz Untätigkeit bei der Weiterentwicklung des Technologiezentrums vor. Die Mainzer IHK mahnt zu Schnelligkeit.

          2 Min.

          Spätestens seit die Mainzer Universitätsausgründung Biontech AG mit ihrem Corona-Impfstoff zum Hoffnungsträger im Kampf gegen die Corona-Pandemie geworden ist, richtet sich das öffentliche Interesse auf das Mainzer Technologiezentrum, wo Biontech einmal als Start-up begonnen hat. Die Erfolgsgeschichte befeuert auch die politische Auseinandersetzung um neue Laborflächen für das Technologiezentrum und die Entwicklung eines kompletten Biotechnologie-Campus in Mainz.

          Jochen Remmert

          Flughafenredakteur und Korrespondent Rhein-Main-Süd.

          Ohne neue Flächen für Ansiedlungen inklusive Laboren und Infrastruktur kann das nicht gelingen. Ursprünglich vorhandene Laborflächen des Technologiezentrums wurden an die Firma Tron verkauft, bei der es sich ebenfalls um eine Universitätsausgründung des Biontech-Gründers Ugur Sahin handelt, wie Wirtschaftsdezernentin Manuela Matz (CDU) am Freitag erläuterte. Auf diese Weise konnte das Unternehmen in Mainz gehalten werden. Genügend weitere Laborflächen für andere Interessenten sind erst einmal nicht vorhanden.

          Die Koalition aus Grünen, SPD und FDP im Mainzer Stadtrat hält Matz nun Untätigkeit vor. Sie habe in den zwei Jahren ihrer Amtszeit weder die Weiterentwicklung des Technologiezentrums vorangetrieben noch die Entwicklung eines Biotechnologie-Campus, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung der Grünen-Fraktionssprecherin Sylvia Köbler-Gross, der SPD-Fraktionsvorsitzenden Alexandra Gill-Gers und des FDP-Fraktionsvorsitzenden David Dietz. Die Stadt müsse umgehend gemeinsam mit dem Land Möglichkeiten schaffen, um Mainz als Biotechnologie-Standort weiterzuentwickeln.

          Neben Laboren ein Gästehaus und eine Kita

          Matz nahm die Kritik gelassen hin, wies sie im Gespräch aber inhaltlich klar zurück. Bis Ende des Jahres liege ein umfassendes Konzept vor; man sei „im Zeitplan“. Ein kompletter Biotechnologie-Campus mit dem Technologiezentrum als einem Teil auf dem Gelände der im Moment noch genutzten Generalfeldzeugmeister-Kaserne wäre nach Ansicht der Wirtschaftsdezernentin ideal. Zumal das Areal in unmittelbarer Nähe des Biontech-Standorts liege. Um aber ein derart komplexes Projekt auf den Weg zu bringen, sei eine erhebliche Koordinierungarbeit zwischen Stadt, mehreren Landesministerien und anderen Beteiligten zu leisten, zumal das Land Mitgesellschafter des Technologiezentrums sei.

          Die Idee des Biotechnologie-Campus geht zudem weit über Büro- und Laborflächen für Start-ups hinaus, wie Matz weiter sagte. Dorthin sollten auch etablierte Unternehmen mit Ausgründungen gelockt werden. Um erfolgreich zu sein, müsse man zu den Laboren und sonstigen Arbeitsplätzen auch ein Gästehaus sowie Wohnungen inklusive Nahversorgung und Kita anbieten können, sagte Matz weiter.

          CDU findet Kritik „scheinheilig“

          Hannsgeorg Schönig, Fraktionsvorsitzender der CDU im Mainzer Stadtrat, nannte die Kritik an Matz „scheinheilig“. Es sei erstaunlich, dass gerade die Grünen-Fraktion plötzlich so stark für den raschen Ausbau des Biotechnologiestandortes Mainz plädiere, wo doch gerade sie sich noch im vergangenen Herbst so schwer damit getan habe, dem Technologiezentrum auch nur eine Bestandsgarantie zu geben. Anstatt Matz zu attackieren, sollten die „Ampel-Fraktionen“ mit dafür sorgen, dass rasch Wachstumsflächen entwickelt würden, etwa auf dem Gelände der Generalfeldzeugmeister-Kaserne.

          Zu diesem Zweck müsse allerdings die Grundstücksverwaltungsgesellschaft der Stadt Mainz aktiv werden, um das Areal zu kaufen. Auch die Mainzer Baudezernentin Marianne Grosse von der SPD sei gefordert, dafür Bebauungspläne vorzulegen.

          Günter Jertz, Hauptgeschäftsführer der IHK Mainz, mahnte auf Nachfrage, den Impuls zu nutzen, den die Expansion von Biontech vor dem Hintergrund der Pandemie für den Standort Mainz biete. Es müsse baldmöglichst ein Konzept vorgelegt werden, wie biotech-affine Start-ups in Mainz angesiedelt, gehalten und gefördert werden könnten. Man müsse sich im Klaren darüber sein, dass sich Mainz längst im harten internationalen Wettbewerb mit anderen Standorten befinde.

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