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Mainz-Kostheim : Ein neues Wasserkraftwerk am Main

Nach zwei Jahren Bauzeit fertig: das Kostheimer Wasserkraftwerk Bild: Michael Kretzer

So geht das in Zeiten der Liberalisierung der Energieversorgung: Nicht heimische Energieversorger, sondern die Stadtwerke Ulm/Neu-Ulm haben am Main ein Wasserkraftwerk gebaut.

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          An der Mainschleuse Kostheim wird fortan erneuerbare Energie erzeugt. Rund 20 Millionen Euro hat die Errichtung eines Wasserkraftwerks gekostet, das der Ulmer Oberbürgermeister Ivo Gönner (SPD) nach einer zweijährigen Bauzeit per Knopfdruck in Gang setzte. Zu der Investoren- und Betreibergesellschaft haben sich eine Tochtergesellschaft der Stadtwerke Ulm/Neu-Ulm und die Halblechkraftwerke aus der Nähe von Memmingen zusammengeschlossen.

          Ewald Hetrodt

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Wiesbaden.

          Die Stadtwerke Ulms und Neu-Ulms erzeugen nach eigenen Angaben gegenwärtig in sieben Wasserkraftwerken an der Donau und am Illerkanal rund 100 Millionen Kilowattstunden Strom im Jahr. Weil die Kapazitäten für die Wasserkraft im Raum Ulm aber inzwischen so gut wie ausgeschöpft seien, werde man jetzt am Main aktiv, hieß es. Zugute kam den Ulmern, dass die Halblechkraftwerke schon im Jahr 2002 die Wasserrechte am Kostheimer Wehr erworben hatten. Hier werden nun jährlich 18,5 Millionen Kilowattstunden Strom erzeugt. Sie sollen ausreichen, um 5200 Haushalte mittlerer Größe ein Jahr lang zu versorgen.

          Strom ins Netz der Stadtwerke Mainz

          Das Gefälle an der im Jahr 1934 gebauten, stark genutzten Mainschleuse ist ungefähr drei Meter hoch. Die Kraft des strömenden Wassers wird von zwei Turbinen an den Stromgenerator weitergegeben. Der erzeugte Strom wird in das Netz der Stadtwerke Mainz eingespeist und nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz vergütet. Das Kraftwerk arbeitet vollautomatisch und wird von einer Leitwarte in Ulm überwacht. Techniker der Frankfurter Mainova AG übernehmen die Wartungsarbeiten an Ort und Stelle.

          Eine der beiden Turbinen des Wasserkraftwerks an der Gustavsburger Schleuse

          Das Kraftwerkshaus sitzt 15 Meter tief im Boden der Mainwiese. Für den Komplex wurden nach den Angaben der Bauherren 53.000 Kubikmeter Erde ausgehoben, so viel, wie 1600 Kipper laden können. Jede der beiden eingesetzten Turbinen wiegt 130 Tonnen. Sie wurden aus acht großen Teilen in Kostheim zusammengefügt, nachdem sie aus Spanien angeliefert worden waren. Der Bau nahm 22 Monate in Anspruch.

          2,50 Meter breite Umgehungsrinne für Fische

          Dabei ist auch an die Fische gedacht worden. Für sie wurde eine 150 Meter lange und 2,50 Meter breite Umgehungsrinne angelegt, in der sie an dem Kraftwerk vorbeischwimmen können. Ein besonders feiner Rechen vor dem Einlauf des Kraftwerks hält Kleingetier von den Turbinen fern. Für Aale wurde vor dem Rechen ein eigener Einlass ausgespart. Durch diesen gelangen die Fische in ein wasserdurchströmtes Rohr, das durch das Turbinenhaus hindurchführt.

          In der Strategie der süddeutschen Stadtwerke spielt das Wasserkraftwerk Kostheim nach den Worten des Geschäftsführers Matthias Berz eine wichtige Rolle. Bis 2020 will das Unternehmen den Strombedarf seiner Haushaltskunden vollständig durch die eigene Erzeugung aus erneuerbaren Quellen decken. Wasserkraft wird dazu ebenso genutzt wie Windkraft, Sonnenenergie und Biomasse.

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