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Mainz : Ideen für die Südmole

Das Weinlager als „Kreativspeicher”: der Entwurf der Netzwerk-Architekten Bild: Netzwerk

Der Wettbewerb für das Weinlager im Zollhafen Mainz ist entschieden. Sechs erste Preise wurden vergeben. Aber frühestens in einem Jahr wird einer der Entwürfe verwirklicht.

          Ideen haben viele Vorzüge - unter anderem den, daß sie nicht unbedingt realisiert werden müssen. Das dachte sich womöglich auch das Preisgericht, als es die Beiträge zum Ideenwettbewerb für das Weinlagergebäude am Zoll- und Binnenhafen sichtete. Etwa beim Vorschlag mit der Flasche. Auf dem Entwurf wölbt sich über dem langgestreckten Industriebau eine Glashülle in Form einer liegenden Weinflasche. Spötter würden wohl zurecht vom größten Buddelschiff der Welt sprechen, wenn auf der Südmole ein solcher Bau entstünde.

          Matthias Trautsch

          Blattmacher in der Rhein-Main-Zeitung.

          Aller Voraussicht nach wird es dazu aber nicht kommen. Die Jury unter Vorsitz des Frankfurter Architekten Jochem Jourdan hat anderen Beiträgen den Vorzug gegeben. Unter den 43 Architekturbüros, die sich am Wettbewerb der Stadtwerke beteiligt hatten, wählten die Juroren sechs Preisträger aus. Mit ersten Preisen wurden die Büros Netzwerk-Architekten aus Darmstadt, Studio Moeve Architekten aus Frankfurt und Raum & Architektur/Christiane Jeromin aus Worms ausgezeichnet. Sie erhielten jeweils 10.000 Euro Preisgeld. Zweite Preise und je 8500 Euro vergab die Jury an AK+ W Architekten und Ingenieure/Susanne Krätschmer aus Wiesbaden, CMA Cyrus-Moser-Architekten aus Frankfurt und Kister Scheithauer Gross Architekten und Stadtplaner aus Köln.

          Platz für Vereine, Büros und Gewerbe

          Auch die ausgezeichneten Ideen sollen freilich keine baureifen Pläne liefern, sondern Anstöße für den Umbau und die künftige Nutzung des Weinlagers geben. So schwebt den Darmstädter Netzwerkarchitekten ein „Kreativspeicher“ vor. Die viergeschossige Stahlbetonkonstruktion aus dem Jahr 1912 soll so umgebaut werden, daß sie sich für Büros, Gewerbe und Gastronomie eignet und darüber hinaus Platz für Vereine und kulturelle Aktivitäten bietet. Damit würde sie in die „Kulturspange“ passen, die das Hafenareal von der Rheinallee bis auf die Südmole umschließen soll. Den Vorstellungen des Darmstädter Büros zufolge sollen moderne An- und Aufbauten die Backsteinfassade nach Art eines „Bilderrahmens“ inszenieren. Das Dach könnte als Terrasse, die Seitenwände etwa als Projektionsfläche für Freilichtkino dienen.

          Den Wettbewerbsteilnehmern war nur vorgegeben, das alte Gebäude in die Pläne zu integrieren, ansonsten konnten sie ihrer Kreativität freien Lauf lassen. Dementsprechend unterschiedlich fallen die Ideen aus. Einige planen riesige Anbauten, andere beschränken sich darauf, das Weinlager im Inneren zu verändern. Die Architekten Kister Scheithauer Gross schlagen einen im Süden angefügten „Wohnturmspeicher“ vor, dessen Giebeldach das Weinlager um das Dreifache überragt.

          Bauarbeiten sollen im Sommer 2007 beginnen

          Der stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Stadtwerke, Detlev Höhne, äußerte sich erfreut über das Wettbewerbsergebnis. Die Preisträger sowie die in die engere Wahl gelangten OX2 Architekten aus Aachen und A-Z Architekten aus Wiesbaden hätten zukunftsweisende Ideen entwickelt. Die Entwürfe und Nutzungsvorschläge würden nun mit den Büros weiterentwickelt. Für die Entwicklung des Zoll- und Binnenhafens zum neuen Stadtquartier solle das Weinlagergebäude gemeinsam mit der Kunsthalle zum „Schrittmacher“ werden.

          Im Herbst wollen die Stadtwerke den geplanten „Kultur- und Wohnhafen“ auf der Expo Real in München vorstellen. Im Sommer 2007 könnten die Bauarbeiten beginnen. Am Anfang soll die Kulturspange zwischen Kunsthalle und Weinlager entstehen. Nach dem Willen der Stadt soll dazu auch ein Neubau für die Stadtbibliothek und die Öffentliche Bücherei gehören. Die übrige Wohn- und Geschäftsbebauung auf dem 220 Hektar großen Areal soll sich an der historischen Kontur des Hafenbeckens orientieren und diese in Form von Inseln und Grachten aufgreifen.

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