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Mainz : Alte Güterhalle wird zur Boxengasse

Halbe-halbe: Ein Teil der Abfertigungshalle am Gleisfeld wird abgerissen, in den anderen ziehen junge Unternehmen ein. Bild: Kretzer, Michael

Neben dem Mainzer Hauptbahnhof soll das Quartier „M1“ entstehen. Rund 200 Millionen Euro sollen in Hotels, Studentenwohnheime und Büros investiert werden.

          Es wird noch eine Weile dauern, bis sich der als kreative Buchstaben- und Zahlenkombination gedachte Quartiersname „M1“ für Mainz durchgesetzt hat. In zwei bis drei Jahren allerdings dürfte das ehemalige Bahngelände zwischen der Mombacher Straße und den Gleisen eine stark frequentierte und in der Stadt entsprechend bekannte Adresse sein. Zwei Hotels unterschiedlicher Preisklassen und mit insgesamt gut 240 Zimmern, zwei Studentenwohnheime mit bis zu 1000 Apartments und Bürogebäude für mehr als 300 Beschäftigte sollen dort entstehen, wo derzeit noch aufgeschüttete Erdhügel und Berge von wiederverwertbaren Bauabfällen zu sehen sind.

          Markus Schug

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Mainz.

          Das von dem Immobilienunternehmen Aurelis Real Estate GmbH geplante Vorhaben, für das gestern der städtebauliche Vertrag unterzeichnet wurde, wird nach Angaben des Projektleiters Elmar Schütz Investitionen mit einem Gesamtvolumen von schätzungsweise 200 Millionen Euro nach sich ziehen. Wobei die Studentenwohnheime und die Hotels nicht von Aurelis selbst, sondern von anderen Bauherren verwirklicht werden sollen.

          Kreativunternehmer sollen in Büroboxen einziehen

          Nach der Umwandlung auf Grundlage des vom Stadtrat erst beschlossenen Bebauungsplans H95 werde das lange brachliegende Areal - in etwa vom Gebäude der Bundespolizei bis zum Goethetunnel - ein „Gewinn für die Stadt“ sein, sagte die für Bauen und Denkmalschutz zuständige Dezernentin Marianne Grosse (SPD). Nicht zuletzt deshalb, weil die Hälfte der das Gleisfeld auf einer Länge von 350 Metern flankierenden alten Güterhallen erhalten bliebe. Das Aurelis-Konzept sieht vor, in die noch zu ertüchtigende Hülle bis zu 35 separate Büroboxen einzufügen als vergleichsweise günstig zu mietende Räume etwa für junge Unternehmensgründer und Vertreter der Kreativbranche. Bei den zirka 50 Quadratmeter großen Boxen mit Blick auf die Bahngleise ließen sich vielfältige Umbauwünsche erfüllen und „Maßanfertigungen“ für die Nutzer anbieten, erklärte Schütz. Außerdem soll ein die alte Halle „sprengender“, dreigeschossiger Boxen-Komplex geschaffen werden, der sich ebenfalls für Büros und Gastronomie eigne.

          Wer an eher konventionellen Arbeitsplätzen interessiert sei, werde eher in den fünfgeschossigen Gebäuden direkt an der Mombacher Straße fündig, die sich durch eine Art Backsteinfassade an die vorhandene Bebauung anpassen sollen. Zudem sei für das ganze Quartier M1, das auch ein kleines Kraftwerk erhalte, ein Parkhaus mit 360 Plätzen vorgesehen. Am Rande einer neuen Erschließungsstraße werde man alte Kopfsteinpflaster zur Gestaltung der Parkbuchten einsetzen, um an die Geschichte des Orts zu erinnern.

          Gegenüber des 3,5 Hektar großen Geländes befindet sich der frühere jüdische Friedhof, der laut Grosse in den nächsten Jahren stärker in den Mittelpunkt des Interesses rücken könnte, falls die Bewerbung der Schum-Stadt Mainz als Unesco-Weltkulturerbe Erfolg haben sollte. Auf Anregung des Planungs- und Gestaltungsbeirats, von dessen Vorschlägen man laut Schütz und Grosse bei dem Bauvorhaben sehr profitiert, soll es zwar eine klare Abgrenzung zwischen diesseits und jenseits der Mombacher Straße geben. Allerdings will man auch neue Blickachsen schaffen und möglichst viele Bäume rund um den Friedhof erhalten.

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