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Monika Böttcher : Politikerin ohne politische Hausmacht

Zweite Amtszeit: Monika Böttcher möchte im Herbst wiedergewählt werden. Bild: Wolfgang Eilmes

Seit knapp sechs Jahren steht Monika Böttcher als eine parteilose Bürgermeisterin an der Spitze der Maintaler Stadtverwaltung. Argumente und Teamgeist sind ihre Erfolgsrezepte. Im September will sie abermals antreten.

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          Der 27. September 2015 war ein ganz besonderer Tag für Monika Böttcher. Die Maintaler hatten die 47 Jahre alte selbständige Medienberaterin überraschend zur neuen Bürgermeisterin der mit rund 40 000 Einwohnern zweitgrößten Stadt im Main-Kinzig-Kreis gewählt. Lange Gesichter gab es vor allem bei der SPD, deren Kandidat Sebastian Maier als Favorit galt, von Böttcher aber mit knapp zwei Prozentpunkten überholt wurde. Fünf Bewerber waren seinerzeit angetreten, um die Nachfolge des langjährigen CDU-Bürgermeisters Erhard Rohrbach anzutreten.

          Luise Glaser-Lotz
          Korrespondentin der Rhein-Main-Zeitung für den Main-Kinzig-Kreis.

          Böttcher war die einzige Frau in der Runde, in der politischen Szene hatte man ihr weder große Chancen auf das Bürgermeisteramt gegeben, geschweige denn angenommen, sie könnte ein solches Amt professionell und erfolgreich ausfüllen. Aber die Mehrheit der Wähler sahen das damals offensichtlich anders. Mittlerweile hat sich Monika Böttcher auch in der Maintaler Politik Respekt und Anerkennung erworben, auch wenn das mancher im beginnenden Kampf um die Bürgermeisterwahl am 26. September, dem Tag der Bundestagswahl, nicht offen zugeben würde.

          Böttcher, Politik- und Medienwissenschaftlerin, trat ihr neues Amt am 2. Januar 2016 an. Zuvor hatte sie ihren beiden zwölfjährigen Söhnen klargemacht, dass die Mutter künftig nicht mehr rund um die Uhr für sie greifbar sein würde, wie sie es als Selbständige gewesen war. Geschadet habe das den Zwillingen keineswegs, sondern sie reifer gemacht, meint Böttcher. Die knappe Familienzeit genieße man nur umso mehr.

          Einen Herausforderer gibt es noch nicht

          Monika Böttcher hatte sich viel vorgenommen, aber nicht zu viel, wie sich zeigte. In den vergangenen knapp sechs Jahren galt es, manche Klippen zu umschiffen und auf dem schwierigen Maintaler Politparkett Herausforderungen wie die Integration der Flüchtlinge, die nach Maintal kamen, oder die Corona-Pandemie zu bewältigen. Das hat sie aber nicht entmutigt, denn im September will sich Böttcher ein zweites Mal zur Wahl stellen, wie sie kürzlich bekanntgab. Einen Herausforderer oder eine Herausforderin von den anderen Parteien gibt es derzeit noch nicht, die werden aber sicherlich noch auf den Plan treten, wie Böttcher annimmt.

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          Was wird in einer möglichen zweiten Amtszeit anders sein? Zum einen schmiedet man in Maintal eine neue Koalition, der voraussichtlich SPD, CDU und FDP angehören werden. Die politischen Verhältnisse dürften dann stabiler und berechenbarer für die Bürgermeisterin werden. Außerdem wird Böttcher von der in den vergangenen Jahren gewonnenen Verwaltungserfahrung profitieren. Bei ihrer ersten Kandidatur war sie weder politisch ein Profi, noch kannte sie sich mit den Abläufen und Erfordernissen im Rathaus näher aus. Zuvor war sie seit 2009 als ehrenamtliche Kinderbeauftragte der Stadt tätig, was ihr immerhin erste Einblicke und Kontakte verschafft hatte.

          Nicht ändern wird sich ihre Parteizugehörigkeit, denn Böttcher hat keine und ist damit eine der wenigen parteilosen Bürgermeisterinnen in Hessen und Deutschland. Auf die Frage, ob das eher von Vorteil oder von Nachteil im täglichen Bürgermeistergeschäft ist, antwortet sie das Gleiche wie vor fünfeinhalb Jahren: „Es ist besser, keiner Partei verpflichtet zu sein.“ Für die erforderlichen Beschlüsse und Vorhaben suche sie sich mit Argumenten die erforderlichen Mehrheiten, was in der Vergangenheit einmal mehr und ein anderes Mal weniger gut geklappt hat.

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