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Suchtberatung : Koma-Saufen keine Seltenheit mehr

Jugendliche kämen zu leicht an Alkohol, meint ein Suchtberater Bild: AP

Alkoholkonsum unter Jugendlichen breitet sich aus, während der Konsum von Cannabisprodukten etwa gleich geblieben ist. Der Anteil an Heroinkonsumenten ist zurückgegangen.

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          Die wachsende Sorge der Sozialpädagogen beim Umgang mit Alkohol in der Gesellschaft wird durch die Jahresbilanz 2006 des Zentrums für Jugendberatung und Suchthilfe im Main-Taunus-Kreis gestützt: Es sei auffallend, dass der Anteil der Alkoholkonsumenten von 23,6 Prozent 2005 auf 30,2 Prozent angestiegen sei.

          Heike Lattka

          Korrespondentin der Rhein-Main-Zeitung für den Main-Taunus-Kreis.

          Insgesamt beriet die Fachstelle 160 Menschen mit einem auffälligen Alkoholgebrauch – im Vorjahr waren es noch 60 weniger gewesen. Im Gegensatz dazu fiel der Anteil der Heroinkonsumenten im Main-Taunus-Kreis von 42,2 auf 36,2 Prozent. Bei einem Anteil von 19,1 Prozent blieb die Beratung für Haschisch-Süchtige gleich. Mit 5,6 und 2,6 Prozent spielen Crack und Kokain bei den Hilfesuchenden eine verschwindend geringe Rolle.

          Jugendlichen sammeln früh Drogenerfahrungen

          Mit verschiedenen Initiativen und Projekten reagiert das Zentrum nach Aussage von Ralf Pretz, Leiter der Fachstelle, auf diese Entwicklung. So soll dem Projekt „Fred“, das sich an Jugendliche richtet, die schon einmal wegen Drogenkonsums auffällig geworden seien, nun das Projekt „Alfred“ für Jugendliche mit Alkoholproblemen folgen. Ebenso verstärkte die Beratungsstelle ihre mobile Suchthilfe in den einzelnen Städten und Gemeinden: „Wir warten nicht, bis die Jugendlichen auf uns zukommen.“ Insgesamt 7986 Schüler, Jugendliche, Eltern, Lehrer und Erzieher erreichte die Fachstelle mit ihren Präventionsprojekten, die im Kindergarten anfangen und beim begleitenden Unterricht in der Oberstufe enden.

          Eine gezielte Beratung nahmen der Statistik zufolge 608 Personen mit 7059 Gesprächen in Anspruch. Bei 37,3 Prozent dieses Personenkreises handelte es sich um Angehörige. Im Vergleich zum Vorjahr sei bemerkenswert, das 605 Menschen mehr als einmal zur Beratung kamen – ein Anstieg um knapp 50 Personen. Auch würden die Jugendlichen, die mit Rauschmitteln experimentierten, immer jünger, berichtete Pretz. Deshalb sei es das Ziel, in verschiedenen Projekten das Selbstbewusstsein von Kindern und Jugendlichen so zu stärken, dass sie vor den Verlockungen des Drogenkonsums in all seinen Ausprägungen gefeit seien.

          Extreme Saufgelage

          Die Fachstelle, die im vergangenen Jahr bei den Beratungen einen deutlichen Anstieg bei Alkoholauffälligkeiten verzeichnet, verweist auf einen Erfolg: Die Papierbeutel mit der Aufschrift „bevor es dir hochkommt“ lösten bei den Jugendlichen ein Nachdenken über den Umgang mit Alkohol aus. Denn leider komme es immer häufiger zu extremen Saufgelagen, weiß der Experte.

          Da werde zunächst von den Jungen eine halbe Flasche Wodka geleert und erst danach für die Mädchen in der Runde mit Orangensaft verdünnt. Jugendliche entscheiden sich bewusst dafür, beim Alkoholkonsum über ihre eigenen Grenzen zu gehen. Diese Erfahrung machte auch Simone Laraia von der mobilen Beratung: Es sei zu leicht für Jugendliche, an Spirituosen zu gelangen. An den Tankstellen werde oft kein Personalausweis verlangt.

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