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Magath in Aschaffenburg : Als sie ihn noch „Maggi“ nannten

  • -Aktualisiert am

Bevor er beim „Tag der Legenden” am Sonntag auf Lothar Matthäus traf, „weihte” Felix Magath an alter Wirkungsstätte ein Fußballfeld auf dem Gelände des Turnvereins 1860 Aschaffenburg ein Bild: dpa

Das neue Fußballfeld des Turnvereins 1860 Aschaffenburg soll „eingeweiht“ werden. Vereinsgewächs Felix Magath kommt spät. Das gibt Gelegenheit, sich an dessen Aschaffenburger Jugend zu erinnern.

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          Es war, als hätten es die Verantwortlichen geahnt, dass Felix Magath nicht pünktlich um 17 Uhr zur „Einweihung“ eines neuen Fußballfeldes auf dem Gelände des Turnvereins 1860 Aschaffenburg (TVA) erscheinen würde. So hatten sie zum geplanten Programmbeginn in Klammern geschrieben: „hängt von Magath ab“. Tatsächlich traf der berühmte, aber derzeit etwas glücklose Trainer des FC Schalke 04 wegen eines Testspiels seiner Mannschaft gegen Bayer Leverkusen (das sie 0:4 verlor) am Freitag erst nach 18 Uhr ein. Das gab den Wartenden reichlich Gelegenheit, sich an den Aschaffenburger „Lausbuben“ zu erinnern, dessen sportliche Karriere 1964 beim TVA begonnen hatte.

          Oberbürgermeister Klaus Herzog (SPD) nutzte die Zeit ebenso zum Plausch wie Gerhard Rienecker vom Beratungs- und Softwarehaus Pass, der die Anlage des Platzes mit einer 50.000-Euro-Spende ermöglicht hatte. Nur einer war todunglücklich: Alexander Petschner, der als „Ziehvater“ Magaths gilt. Der Vierundsiebzigjährige fühlte sich verantwortlich, weil er den Besuch organisiert hatte. Doch für die Journalisten erwies sich die Verspätung als Glücksfall. Denn Petschner, der 1960 zum TVA gekommen war und bis heute engen Kontakt zu Magath pflegt, erzählte bereitwillig von früheren Zeiten.

          Die Mutter meldete ihn an

          Zwölf Jahre war Wolfgang alt, der sich erst später bei seinem zweiten Vornamen Felix nennen ließ, als ihn seine Mutter Helene 1964 beim TVA anmeldete. Sie war alleinerziehend. Der Vater, ein amerikanischer Soldat aus Puerto Rico, hatte die Familie schon bald nach der Geburt seines Sohnes verlassen. Als Jugendlicher nahm Magath mit ihm Kontakt auf und besucht ihn seit vielen Jahren jeden Sommer in Puerto Rico. Magath war Einzelkind. Auch deshalb fiel es ihm wohl schwer, die gewohnte Gemeinschaft zu verlassen. Erst mit 19 Jahren wechselte er auf Drängen Petschners zur Viktoria Aschaffenburg.

          Richtig kennengelernt hatte dieser Magath 1965 bei einer Fußballreise nach Bordeaux. Eines Abends klingelte es. Frau Magath stand vor der Haustür mit ihrem Jungen und sagte: „Der Bub macht mich total verrückt. Der möchte mit nach Frankreich.“ Obwohl er eigentlich noch zu jung war, nahm Petschner ihn mit. Er beschreibt ihn als nett und ruhig. „Erst als B- und A-Jugendspieler war er ein richtiger Lausbub“, sagt er, ohne jedoch Details preiszugeben. Regelrecht ins Schwärmen gerät Petschner, wenn es um das Talent Magaths geht. Wie im Traum habe der die schwierigsten Bälle unter Kontrolle gebracht und wunderbare Pässe geschlagen.

          Als sie ihn noch „Maggi“ nannten

          Petschner machte sich damals Sorgen um die Zukunft seines Zöglings und drängte ihn, zu einem höherklassigen Verein zu wechseln. Gemeinsam gingen sie zum Probetraining zu Eintracht Frankfurt, zum FSV und zu den Offenbacher Kickers. Doch kein Trainer erkannte das Talent. Petschner sagt: „Das verzeihe ich denen bis heute nicht.“ Doch eines Tages rief ihn Magath an und erzählte, dass ihn zwei Herren aus Saarbrücken verpflichten wollten. Petschner riet ihm, nichts zu unterschreiben, ehe er nicht da sei. Erst als sicher war, dass Magath wirklich in der 2. Bundesliga spielen sollte, wurde der Vertrag unterzeichnet.

          In Saarbrücken begann die steile Karriere des Aschaffenburgers, der 1976 zum HSV wechselte und viele Jahre in der Nationalmannschaft spielte. Später setzte er sich auch als Trainer durch. Trotz seiner Erfolge gilt Magath als bodenständig. Einmal im Jahr lädt er seine alte Mannschaft vom TVA zu einem Spiel seines jeweiligen Vereins ein. Auch am Freitagabend ging er später mit seinen früheren Kameraden essen, und es war fast so wie in früheren Zeiten, als sie ihn noch „Maggi“ nannten.

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