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Jan Schiefenhövel (höv.)

Videoüberwachung in Hanau : Macht der Bilder

Über den Köpfen in Hanau: Videoüberwachung Bild: Rainer Wohlfahrt

Kameras schrecken von Straftaten ab und geben den Passanten ein gutes Gefühl. Doch ist es gut, dass es hierzulande Leute wie den hessischen Datenschutzbeauftragten Michael Ronellenfitsch gibt.

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          Wer angeheitert aus einer Kneipe kommt, möchte dabei nicht auch noch gefilmt werden – könnte man meinen. In Hanau wird jeder gefilmt, der eines der beiden Cafés auf dem Marktplatz verlässt, ob am Nachmittag oder am Abend, ob nüchtern oder angeheitert, ob als Paar oder in einer Clique mit Freunden.

          Es stört sich offenbar kaum einer daran. Wenn es deshalb Ärger gäbe, wäre der Wirt der beiden Cafés wohl der Erste, der ihn zu spüren bekäme. Wie der Gastronom Stefan Gebauer berichtet, kommt die Videoüberwachung in der Hanauer Innenstadt gut an. Die Passanten fühlen sich gar nicht unwohl mit dem Wissen, dass eine von 28 Kameras auf sie gerichtet ist. Stattdessen denken die Flaneure: „Gut so. Wenn jetzt einer kommt, der mich anpöbelt oder beraubt, ist er selbst mit auf dem Bild. Und versucht es gar nicht erst.“

          Hinter der nächsten Ecke

          So schrecken die Kameras von Straftaten ab und geben den Passanten ein gutes Gefühl. Allerdings gilt das nur für das Areal, das im Blickwinkel der Linsen liegt. Schon hinter der nächsten Ecke könnte einer warten, der einem Übles will. So sollte man von der Überwachung, auch wenn sie auf den beiden Plätzen eine positive Wirkung entfaltet, nicht zu viel erwarten. Wer Rauschgift verkauft, findet dafür immer eine dunkle Ecke. Und Terroristen lassen sich schon gar nicht von Kameras abschrecken, wie sich in London gezeigt hat, wo sie eine flächendeckende Überwachung nicht von ihrem Tun abgehalten hat, eher nutzt sie ihnen sogar für die Verbreitung ihrer Schreckenspropaganda.

          Deshalb ist eine immer stärkere Überwachung mit immer mehr Kameras an immer mehr Orten nicht die Lösung aller Sicherheitsfragen. Einem unbescholtenen Menschen ohne böse Absichten sollte mulmig werden bei der Vorstellung, dass man ihn jeden Tag verfolgen kann, von Straße zu Straße, mit einer Kamera nach der anderen. In anderen Ländern ist es schon so weit: In Peking wird das tägliche Leben von 300.000 Kameras erfasst, in Großbritannien von fünf Millionen Objektiven.

          Von solchen Verhältnissen ist Deutschland zum Glück weit entfernt. So ist es auch beruhigend, dass es hierzulande Leute wie den hessischen Datenschutzbeauftragten Michael Ronellenfitsch gibt. Der sorgt dafür, dass es die Behörden mit der Überwachung nicht übertreiben.

          Jan Schiefenhövel
          (höv.), Freier Autor

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