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„M12“ streift durch Hessen : Ungewöhnliches Verhalten für einen Luchs

„M12“ ist Anfang September auf einem Sportplatz in Oberursel im Hochtaunuskreis aufgetaucht. Bild: dpa

Das charakteristische Fell hat ihn verraten: Der Luchs, der im Taunus für Aufregung gesorgt hat, wurde 2018 das erste Mal in Hessen gesichtet. Seine Wanderung stellt Experten vor ein Rätsel.

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          Der Luchs, der vor einer Woche auf dem Sportplatz der Frankfurt International School zu Besuch war, stammt aus dem Harz und ist 2018 das erste Mal nach Hessen gekommen. Fachleute sind sich sicher, dass es sich um ein Männchen mit dem prosaischen Namen M12 handelt. Im April 2018 haben es Mitarbeiter des dortigen Luchsprojekts bei Bad Pyrmont mit einem Sender ausgestattet.

          Bernhard Biener

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Hochtaunuskreis.

          M12 war es auch, der Anfang des Jahres in die Alte Fasanerie in Klein-Auheim eingedrungen ist. Weil der Wildpark wegen der Corona-Pandemie geschlossen war, wurde der wilde Luchs nicht von Besuchern gestört. Besonders das Weibchen der dort lebenden Luchsfamilie hat ihn vermutlich angezogen. Die beiden kamen aber wegen der Einzäunung nicht zusammen. Er wurde sogar kurzzeitig eingefangen, konnte aber bald wieder aus einem abgetrennten Teil des Luchsgeheges ausbrechen.

          Bei seinem Besuch in der Alten Fasanerie hat der Luchs genetisches Material zurückgelassen. Nach Angaben von Thomas Norgall, stellvertretender Geschäftsführer des BUND Hessen und Koordinator des Arbeitskreises Hessenluchs, konnten die Spuren von der Wildtiergenetik des Forschungsinstituts Senckenberg dem männlichen Tier aus dem Harz zugeordnet werden.

          Für die Partnersuche mehrere 100 Kilometer zurückgelegt

          M12 hat eine lange Wanderung hinter sich: Die Daten des Senders zeigen, dass er vor zwei Jahren durch Nordrhein-Westfalen lief, bei Diemelstadt die Landesgrenze überquerte, nach Süden bis Mittelhessen kam und sich dann von der Wetterau aus Richtung Vogelsberg wandte. Dort fiel im November 2018 der Sender aus.

          Norgall hat von Kollegen in anderen Bundesländern erfahren, dass der Luchs wenig später in Baden-Württemberg war. Identifiziert wurde er auf Fotos anhand seines Fellmusters. Die charakteristische Zeichnung verriet ihn auch jetzt. Auf den Fotos vom Oberurseler Schulsportplatz erkannte ihn ein Mitarbeiter des Luchsprojekts im Harz wieder. M12 ist seit Mitte August zwischen Langgöns und Königstein mehrfach gesichtet worden.

          Zwar legten Luchse bei der Partnersuche auch längere Strecken zurück, so Norgall. Die Wanderung über mehrere 100 Kilometer sei jedoch ungewöhnlich. Auch habe der Luchs überraschend wenig Scheu vor Menschen. In Luchsgebieten seien die Tiere Wanderern zwar oft nahe. Nur bemerke man davon nichts, weil die Luchse gut getarnt seien und sich ruhig verhielten. Für Menschen seien sie nicht gefährlich. Die Polizisten, die auf dem Oberurseler Sportplatz langsam auf das Tier zugegangen seien, so dass es sich in den Wald zurückgezogen habe, hätten sich vorbildlich verhalten. Keinesfalls sollten Luchse gefüttert werden.

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