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Lorch : Hilchenhaus als Standesamt für das Mittelrheintal

Das Hilchenhaus: Für die Sanierung sind rund 6,6 Millionen Euro veranschlagt
          2 Min.

          Die Bauruine Hilchenhaus in Lorch soll als stimmungsvolles Standesamt im Welterbe Mittelrheintal wiedererstehen. Neben einem Restaurant und Veranstaltungsräumen soll sie auch ein Rheingauer Archivzentrum, die Stadtinformation und ein Museum über den einstigen „Freistaat Flaschenhals“ aufnehmen. Das ist zusammengefasst das Nutzungskonzept, mit dem die Stadt hofft, im Bundesprogramm für die 33 nationalen Welterbestätten berücksichtigt zu werden. An diesem Montag gibt Bürgermeister Jürgen Helbing (FWG) den Antrag und das von der Nassauischen Heimstätte erarbeitete Nutzungskonzept im hessischen Wirtschaftsministerium ab. Schon in der Folgewoche wird die Landesregierung entscheiden, welche Projekte aus den vier hessischen Welterbestätten – neben dem Mittelrheintal das Kloster Lorsch, die Grube Messel und Limes/Saalburg – für das mit 150 Millionen Euro ausgestattete und auf fünf Jahre angelegte Programm zur Pflege der deutschen Welterbestätten angemeldet werden.

          Oliver Bock
          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Rheingau-Taunus-Kreis und für Wiesbaden.

          Das Konzept für das zwischen 1546 und 1573 von Feldmarschall Johann Hilchen als Wohnsitz erbaute Hilchenhaus haben die Zweckverbände Rheingau und Mittelrheintal mitfinanziert, denn auch sie unterstützen vorbehaltlos die Sanierung eines der bedeutendsten Renaissancegebäude am Mittelrhein. Der Zweckverband Rheingau erwägt, im Hilchenhaus künftig ein Archivzentrum zu unterhalten.

          Augen auf Minister Tiefensee gerichtet

          Helbing und der Vorsteher des Zweckverbands Rheingau, der Oestrich-Winkeler Bürgermeister Paul Weimann (CDU), gehen so weit, das Land zu bitten, dem Hilchenhaus nicht nur eindeutig Priorität zu geben, sondern es womöglich sogar als einziges hessisches Vorhaben für das Bundesprogramm anzumelden. Dann käme Bundesbauminister Wolfgang Tiefensee (SPD) wohl kaum daran vorbei, das Hilchenhaus tatsächlich zu berücksichtigen. Besonders anerkennenswert finden Helbing und Weimann, dass Rüdesheim zugunsten von Lorch auf eigene Anträge verzichtet hat.

          Für die Sanierung sind rund 6,6 Millionen Euro veranschlagt. Der im Zuge der gescheiterten Hotelpläne nur im Rohbau erstellte Zimmertrakt hinter dem Hilchenhaus soll abgerissen werden. Das Hilchenhaus selbst gehört nach wie vor dem Graf von Kanitz, der aber bereit ist, das Haus aus dem seit vielen Jahren laufenden Insolvenzverfahren zu lösen, Altlasten zu übernehmen und die Immobilie der Stadt über einen Erbbaurechtsvertrag zu überlassen. Der Rheingau-Taunus-Kreis will seinerseits auf die Rückforderung der 100.000 Euro für die Sicherung des Gebäudes vor dem Zusammenbruch verzichten und darüber hinaus 100.000 Euro für Investitionen beisteuern. Die finanzielle angeschlagene Stadt will ihren Anteil von 660.000 Euro über vier Jahre strecken und hofft auf zusätzliche Mittel aus der Denkmalpflege des Landes.

          „Alles oder nichts“

          Das Nutzungskonzept sieht im Erdgeschoss ein Restaurant „Hilchenkeller“ vor, im ersten Obergeschoss einen Festsaal sowie das von Lorch und Rüdesheim dann gemeinsam genutzte Standesamt und die Touristinfo, im zweiten Obergeschoss ein Museum und einen Welterberaum. Insgesamt stehen aber nur 400 Quadratmeter Nutzfläche zur Verfügung.

          Wenn sich das Land dazu entschließt, dem Hilchenhaus als hessischem Projekt Vorrang zu geben, dann sind nach Meinung Helbings und Weimanns die Chancen hoch, im Juni von Tiefensee berücksichtigt zu werden. Und für das Hilchenhaus sei das nicht nur eine einmalige, sondern vielleicht auch die letzte Chance auf Rettung vor dem Verfall. Allein könne Lorch dieses Kulturdenkmal niemals erhalten. Es gehe um „alles oder nichts“.

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