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Literaturpreis : „Pure Konsonantenakrobatik“

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Sprachkünstler: Gerhard Polt Bild: picture-alliance/ dpa

Der Kabarettist und Filmkünstler Gerhard Polt hat den Kasseler Literaturpreis für grotesken Humor erhalten. Ihm gelinge es, Geschichtsschreibung zur Satire und Systemkritik zur Groteske werden zu lassen, lobte die Jury.

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          Der Kabarettist und Filmkünstler Gerhard Polt hat am Samstagabend den Kasseler Literaturpreis für grotesken Humor erhalten. Die Jury begründete die Vergabe des mit 10.000 Euro dotierten Preises damit, dass der Vierundsechzigjährige zu den bedeutendsten Schriftstellern der Gegenwart gehöre. Ihm gelinge es ausgezeichnet, Geschichtsschreibung zur Satire und Systemkritik zur Groteske werden zu lassen. Polt sei ein Komikklassiker und Sprachvirtuose, der das Scheitern der Kommunikation poetisch darstelle.

          Laudator Andreas Platthaus, Redakteur der F.A.Z., würdigte Polts „pure Konsonantenakrobatik“. Mit seiner Sprache, „die man großzügig als Deutsch bezeichnen“ könne, „bringt er uns so viel Bayern nahe, wie der Rest der Welt eigentlich gar nicht vertragen kann“.

          Jess Jochimsen erhält Förderpreis

          Wohltuend sei, dass bei dem Grantler Polt jeder sein Fett wegkriege. Polt breitete in seiner Dankesrede die Welt einer seiner Bühnenfiguren aus: Er sprach von der Städtepartnerschaft München–Kiew („also wegen mir hätt’s des net braucht“) und ukrainischen Gastarbeitern („Die schaun net ständig auf die Uhr. Die hom ja gar keine“). Er berichtete über seinen Nachbarn („Der Pichlmayr ist so a Drecksack, a Ratte, aber ich will den Mann ja nicht schlechtmachen“) und dessen „klares Ja zum Nein zu Europa“.

          Der Kasseler Literaturpreis für grotesken Humor wird von einer Stiftung vergeben, die die inzwischen verstorbenen Schriftsteller Christine Brückner und Otto Heinrich Kühner 1984 gegründet haben. Die Auszeichnung wird an Autoren und Literaturwissenschaftler vergeben, die sich mit Humoristischem und Groteskem befassen. Der Preis ging unter anderen an Loriot, Robert Gernhardt, George Tabori und zuletzt an Katja Lange-Müller. Den Förderpreis erhielt der Freiburger Schriftsteller Jess Jochimsen („Das Dosenmilch-Trauma“).

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