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Lichterfest Offenbach : Sherlock Holmes am Tatort Büsingpark

Lichtgestalter: Besucher vor dem Bilderrätsel der Christlichen Gemeinde beim Lichterfest. Bild: Kühfuss, Patricia

Mit rund 70.000 Kerzen legen Vereine Motive beim Lichterfest in Offenbach. Dabei orientieren sie sich am Motto des Konzerts im Büsingpark.

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          Rot leuchtet das Opfer am Tatort: 16 Helfer der Kolpingsfamilie Offenbach-Zentral haben für dieses Motiv 850 Teelichter auf dem Rasen im Büsingpark plaziert. Die Kolpingsfamilie ist schon zum sechsten Mal beim Offenbacher Lichterfest dabei. Das Aufstellen der Teelichter sei recht schnell gegangen, verriet Vorstandsmitglied Karoline Hau-Rebell, die sich die Gestaltung gemeinsam mit einem weiteren Mitglied ausgedacht hatte, am Samstagabend. Man habe mit einer Vorlage und „mit Tricks“ gearbeitet.

          Eberhard Schwarz

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Kreis Offenbach.

          Wie etwa zwei Drittel der 37 teilnehmenden Vereine und Gruppierungen auch, griff auch die Kolpingsfamilie das musikalische Leitmotiv der Veranstaltung auf, zu der wieder ein Freiluft-Auftritt der Neuen Philharmonie Frankfurt auf der Konzertbühne am Büsing-Palais gehörte: „Tatort – Mörderische Geschichten“ lautete der Titel. Viele Vereine gestalteten zudem ihr Vereinslogo mit Kerzenlicht. Insgesamt 70.000 Kerzen und Teelichter sorgten für eine stimmungsvolle Illumination. Je dunkler es am Samstagabend wurde, desto eindrucksvoller kamen die leuchtenden Bilder zur Geltung.

          Nur 8000 Menschen durften hinein

          2004 wurde das Lichterfest zum ersten Mal gefeiert: 50 Jahre zuvor war Offenbach Großstadt geworden. Die Besucherresonanz ließ es zur festen Größe im Veranstaltungskalender der Stadt werden. Oberbürgermeister Horst Schneider (SPD) würdigte den Leiter des städtischen Amts für Öffentlichkeitsarbeit, Matthias Müller, als „Vater“ des Lichterfests und des Offenbacher Mainuferfests. Müller, der im Dezember in den Ruhestand trete, habe sich um die Stadt verdient gemacht.

          Aus Sicherheitsgründen wurde die Zahl der Besucher im vergangenen Jahr erstmals begrenzt; zudem war Eintritt zu zahlen. Auch in diesem Jahr, beim zwölften Lichterfest, galt ein Limit: Nicht mehr als 8000 Menschen, versehen mit bunten Eintrittsbändchen, ließen die Ordner in den Büsingpark ein. Trotzdem war an manchen Stellen kein Durchkommen mehr. Etliche Besucher brachten Klappstühle und Decken mit und machten es sich bei sommerlichen Temperaturen zwischen den knapp 40 Teelichter-Motiven gemütlich.

          Bilderrätsel zu Jesu Leidensweg

          Den „spektakulärsten Mordfall der Geschichte“ thematisierte die Christliche Gemeinde Roseggerstraße, die rund 200 Mitglieder hat. Ute Rohrsdorfer hatte sich ein aus sieben Teilen bestehendes Bilderrätsel zum Leidensweg von Jesus Christus ausgedacht – vom Verrat durch Judas über die Kreuzigung bis zur Auferstehung. Ein Dutzend Mitglieder der Christlichen Gemeinde stellte die dafür benötigten rund 1400 Teelichter in eineinhalbstündiger Arbeit auf. Wer den Namen des „Opfers“ herausfand, wurde mit einem kleinen Beutel Gummibärchen belohnt. „Jesus lebt, und wir wollen das den Offenbachern weitergeben“, sagte Mitglied Petra Fritsche.

          Einen anderen Zugang zum Motto des Abends wählte der Wassersportverein 1926 Bürgel: Er gestaltete den Kopf des Meisterdetektivs Sherlock Holmes im Profil; die typische Mütze und die Pfeife im Mund durften dabei nicht fehlen. Der Rock- und Popchor „Just Harmonists“ ordnete rund 1100 Kerzen so an, dass eine Zielscheibe, eine Pistole und ein Toter sichtbar wurden. Der Mann einer Sängerin habe sich für den Entwurf „in die Vollen gestürzt“, verriet die Vorsitzende Waltraud Föller. 35Sängerinnen und Sänger wirken bei dem seit fünf Jahren bestehenden Chor mit.

          Gemeinsam mit der Neuen Philharmonie Frankfurt unter der Leitung von Steven Lloyd-Gonzalez gestalteten die Solisten Katrin Glenz, Karsten Stiers und Achim Dürr, sechs Chorsänger und eine Band den musikalischen Teil des Abends. Der künstlerische Leiter des Orchesters Ralph Philipp Ziegler, führte launig durch das Programm, das einen kühnen Bogen schlug: Auf die Fledermaus-Ouvertüre von Johann Strauß folgte der von dem Frankfurter Filmkomponisten Frank Heckel bearbeitete Strauß-Walzer „An der schönen blauen Donau“, aus dem plötzlich die Zithermusik aus dem Wien-Krimi „Der dritte Mann“ herauszuhören war. Das Lied „Banküberfall“ der „Ersten Allgemeinen Verunsicherung“ leitete zu Falcos Skandal-Song „Jeanny“ über, dem sich Musikthemen aus James-Bond- und Miss-Marple-Filmen, aber auch „Jupiter“ aus Gustav Holsts „Die Planeten“ und Richard Wagners Lohengrin-Vorspiel anschlossen. Das Publikum war begeistert.

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