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Bad Vilbel : Lebendiges Kunstwerk aus kleinen Mosaiksteinen

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Hergestellt in Sizilien, ausgestellt in Bad Vilbel: die Rekonstruktion eines antiken Mosaiks Bild: F.A.Z. - Eilmes

Was hat Bad Vilbel mit Köln, Trier oder Mainz gemeinsam? Auch in der Stadt in der Wetterau ist einst ein Mosaik aus der Römerzeit gefunden worden. Nun ist die Rekonstruktion des Mosaiks im Glaspavillon im Kurpark zu sehen.

          Was hat Bad Vilbel mit Köln, Trier oder Mainz gemeinsam? Ebenso wie in den Bistumsstädten im Rheinland und in Rheinland-Pfalz ist in der Stadt in der südlichen Wetterau einst ein prächtiges Mosaik aus der Römerzeit gefunden worden. Das Kunstwerk, das in den Jahren 1848/49 beim Bau der Eisenbahn in Bad Vilbel entdeckt wurde, war nach Erkenntnissen von Archäologen Teil der Badeanlage in einer römischen Villa.

          Die noch weitgehend erhaltenen Originalteile des Mosaiks, das nach Einschätzung von Fachleuten zu den schönsten in Deutschland gefundenen verzierten Böden aus der Römerzeit zählt, befinden sich derzeit im Hessischen Landesmuseum in Darmstadt. Einzelne Motive des antiken Kunstwerks dienten auch als Vorbild für ein Mosaik, das vor zwei Jahren im Wasserbecken des Kommandantenhauses in der Saalburg verlegt wurde.

          400.000 Mosaiksteine wurden verarbeitet

          Von Samstag an wird die vollständige und originalgetreue Rekonstruktion des um 180 nach Christus entstandenen Prunkstücks römischer Mosaikkunst in einem neuen repräsentativen Glaspavillon im Kurpark und in unmittelbarer Nähe zum restaurierten Hassia-Quellentempel zu sehen sein. Auf Initiative der Firma Hassia Mineralquellen und mit Unterstützung der Stadt Bad Vilbel sowie unter wissenschaftlicher Begleitung des Römerkastells Saalburg hat die Mosaikkünstlerin Rosangela Ruta mit drei Mitarbeitern in den vergangenen acht Monaten das sieben Meter lange und 4,75 Meter breite Mosaik in Sizilien angefertigt.

          Dabei wurden rund 400.000 Mosaiksteine verarbeitet. Die Steine aus Marmor und Kalkstein, die aus Italien, Spanien, der Türkei und Iran stammen, orientieren sich farblich am Original. Günter Hinkel, geschäftsführender Gesellschafter der Hassia-Gruppe, äußerte bei der Vorstellung des Kunstwerks, für ihn gehe „ein Traum in Erfüllung“, der ihn jahrelang begleitet habe.

          Das Mosaik stellt das zentrale, überlebensgroße Haupt des Meeresgottes Oceanus dar, den schwimmende Delphine, spielende Seelöwen, Enten, Schwäne, Schlangen und weitere Phantasiefiguren umschwirren. Unter dem Kopf des Gottes ist in einer mit schwarzweißen Steinchen eingelegten Leiste der Name des antiken Mosaikverfassers Pervincus zu lesen, eines in der Römer-Zeit bekannten Künstlers.

          „Römerjahr 2007“ in der Stadt

          Das gesamte Mosaik wird von fließendem Wasser überspült. Durch den leicht plätschernden Effekt werden die auf dem Bild dargestellten Meerestiere scheinbar zum Leben erweckt und tummeln sich im Wasser, so wie es auch in der damaligen Thermenanlage in der römischen Villa der Fall war. In dem neu errichteten Glaspavillon wurden neben Informationstafeln auch Vitrinen eingebaut, um die römische Bade- und Körperpflegekultur zu erläutern und mit einigen Exponaten zu veranschaulichen.

          In einer Vitrine werden auch einige Fragmente und Steine des Originalmosaiks gezeigt. Die Kosten für das Projekt, rund 600.000 Euro, wurden zu einem wesentlichen Teil von Hassia aufgebracht. Darüber hinaus unterstützte die Frankfurter Volksbank das Projekt, und die Stadt Bad Vilbel gewährte Hassia ein Darlehen von 300.000 Euro. Die Stadt hat in den vergangenen Wochen auch das Areal zwischen der Parkstraße und dem Nidda-Uferweg umgestaltet. Geplant ist zudem der Bau eines neuen Spielplatzes.

          Das Römer-Mosaik wird am Samstag von 11 bis 18 Uhr mit einem Römerfest im Rahmen des Quellenfestes im Kurpark für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Bis Ende des Jahres wird zudem eine Vortragsreihe zum „Römerjahr 2007“ in Bad Vilbel angeboten.

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