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Ausgezeichnete Arbeit: Katharina Iskandar berichtet über Fälle von Rechtsextremismus und Terrorismus im Rhein-Main-Gebiet.

Lastwagen-Attacke in Limburg : Terror im Alltag

Mehrere Verletzte: In Limburg klaute ein Mann einen Lastwagen und fuhr damit vorsätzlich in eine Reihe von Autos. Bild: Reuters

Dass nach der Amokfahrt in Limburg sofort Assoziationen aufkommen und jeder an einen islamistisch motivierten Anschlag denkt, ist verständlich. Doch längst gibt es nicht mehr nur eine Antwort auf die Frage, was darunter zu verstehen ist.

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          Wie sensibel die Gesellschaft inzwischen reagiert, wenn das Wort „Terror“ fällt, hat der Fall in Limburg neuerlich gezeigt. Ein Mann aus Syrien kapert einen Lastwagen und fährt kurz darauf in eine Gruppe wartender Autos hinein. Später, so berichten es Zeugen, ruft er „Allah, Allah“. Dass sofort Assoziationen aufkommen und jeder an einen islamistisch motivierten Anschlag denkt, ist verständlich. Denn es hat sie gegeben, die Taten in Nizza, Barcelona und Berlin.

          Doch so eindeutig scheint dieser Fall nicht zu sein. Bislang gibt es keine Hinweise darauf, dass der Täter Beziehungen in die islamistische Szene hinein hatte. Die Behörden und auch der hessische Innenminister Peter Beuth (CDU) gaben sich zurückhaltend. Stattdessen kam die Hypothese auf, es könne sich vielmehr auch um einen verwirrten Einzeltäter handeln, der aus einer Art Wahn heraus agiert hat. Was auch immer das wirkliche Motiv war, das den Syrer angetrieben hat – die bloße Möglichkeit, es könne eben doch etwas anderes als ein Terror-Akt sein, macht die Tat nicht weniger unerträglich.

          Denn aus welchen Gründen auch immer jemand einen Lastwagen in seine Gewalt bringt, um kurz darauf damit den Tod mehrerer Menschen zu provozieren: Für die rechtliche Einschätzung ist das sicherlich wichtig, für den Bürger hingegen macht es kaum einen Unterschied. Für ihn bleibt es die Tat eines Migranten, der sich aus welchen Gründen auch immer dazu entschlossen hat, den größtmöglichen Schaden anzurichten.

          Möglicherweise offenbart dieser Fall aber auch noch etwas anderes. Und zwar, dass die Grenzen zwischen islamistischem Fundamentalismus und Psychosen, wie sie offenbar gar nicht selten unter Flüchtlingen vorkommen, mitunter fließend sind. Es gibt längst nicht mehr nur eine einzige Antwort der Behörden auf die Frage, was unter einem terroristischen Anschlag zu verstehen ist. Es gibt auch eine Definition der Gesellschaft selbst. Und die geht weit über die Frage hinaus, ob es sich um eine politisch motivierte Tat handelt, die von langer Hand vorbereitet worden ist. Terror kann auch bedeuten, an keinem Ort und zu keiner Stunde mehr sicher zu sein. Und sei es auf einer Straße im beschaulichen Limburg mitten im abendlichen Berufsverkehr.

          Katharina Iskandar
          Verantwortliche Redakteurin für das Ressort „Rhein-Main“ der Sonntagszeitung.

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