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Langen : Paul-Ehrlich-Institut hat Europa im Blick

In Versuchen mit Mäusen entwickelte Ehrlich vor knapp 100 Jahren ein Medikament gegen Syphilis Bild: F.A.Z. - Helmut Fricke

Vor 100 Jahren erhielt der Namensgeber den Nobelpreis. Die seit 1990 in Langen ansässige Einrichtung ist die älteste Zulassungsbehörde für Arzneimittel auf der Welt.

          Das Werk des Namensgebers ist für das Paul-Ehrlich-Institut in Langen und seinen Präsidenten Johannes Löwer bis in die Gegenwart aktuell geblieben: Der Mediziner, Biologe und Serologe, der von 1899 an in Frankfurt wirkte, habe „das Prinzip eingeführt, von dem wir glauben, dass es auch heute noch entscheidend für die Güte der Arzneimittelzulassung ist: die Kombination von Forschung und Arzneimittelregulation, ergänzt um experimentelle Prüfungen“. Auf diesem Gebiet ist das Paul-Ehrlich-Institut nach Löwers Worten „einmalig in Europa“.

          Eberhard Schwarz

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Kreis Offenbach.

          Vor 100 Jahren erhielt Paul Ehrlich (1854 bis 1915) für „unvergängliche Verdienste um die medizinische und biologische Forschung, namentlich um die Wertbestimmung der Serumpräparate“, den Nobelpreis. Aus diesem Anlass wird das Paul-Ehrlich-Institut für den 29. Oktober zum „Langen Abend der offenen Tür“ einladen: 1908 war an diesem Tag die Verleihungsurkunde ausgestellt worden. Am 10. Dezember 1908 nahm Paul Ehrlich den Preis in Stockholm entgegen; am 11. Dezember hielt er dort einen wissenschaftlichen Vortrag. Exakt 100 Jahre später soll ein wissenschaftliches Symposion im Paul-Ehrlich-Institut abgehalten werden.

          „Bundesamts für Sera und Impfstoffe“

          Mitarbeiter und Besucher des seit 1990 in Langen ansässigen „Bundesamts für Sera und Impfstoffe“, wie das Institut auch heißt, kommen an Paul Ehrlich nicht vorbei: Eine Metallskulptur neben dem Eingang zeigt den Kopf des Forschers. Auf dem Vorplatz steht ein Metallmodell zu der 1897 von Ehrlich formulierten „Seitenkettentheorie“, die erklären soll, wie das Immunsystem funktioniert. Als Beispiel diente das Diphtherie-Heilserum Emil von Behrings: Ehrlich erläuterte, wie man die Wirksamkeit messen kann, indem man die Antigenmenge bestimmt. Die Symbolkraft beider Kunstwerke, die von Waldemar Otto stammen, ist nicht zu übersehen: Ehrlich schaut an dem zweiten Monument vorbei und hat schon das nächste Projekt im Blick.

          Ehrlich war rastlos tätig, hielt die Ergebnisse seiner Forschungen in Protokollbüchern detailliert fest und schrieb unzählige Zettel mit Anweisungen an seine Mitarbeiter, die er stets mit dem Buchstaben „E.“ signierte. Im Museum des Paul-Ehrlich-Instituts werden vergilbte Blätter mit Ehrlichs Handschrift, aber auch Sofa, Schreibtisch und Stuhl des Namenspatrons ausgestellt. In einem Schrank liegen kleine Ampullen mit Salvarsan – einem „Heilarsen“, das Ehrlich 1909 gemeinsam mit seinem japanischen Assistenten Sahachiro Hata entwickelte. Damit stand das erste Chemotherapeutikum gegen Syphilis zur Verfügung, das viele Jahre – bis zur Entdeckung des Penicillins – half, von der Krankheit oft furchtbar entstellte Menschen vor dem Tod zu bewahren und zu heilen.

          1896 war bei Berlin das „Institut für Serumprüfung und Serumforschung“ in Steglitz gegründet worden, dessen Leitung Ehrlich übernahm. Damit begann die Geschichte des heutigen Paul-Ehrlich-Instituts, das folglich die älteste Zulassungsbehörde für Arzneimittel weltweit ist. 1899 zogen Ehrlich und seine Mitarbeiter in das neueröffnete Königliche Institut für experimentelle Therapie nach Frankfurt um. Der damalige Oberbürgermeister Franz Adickes wollte möglichst viele wissenschaftliche Institutionen nach Frankfurt holen und hatte sich daher für den Ortswechsel eingesetzt. Fortan war das Institut dafür zuständig, alle der staatlichen Kontrolle unterstellten Heilsera zu prüfen, hygienisch-bakteriologische Arbeiten für die öffentliche Hygiene der Stadt, die Krankenhäuser und die Ärzte zu leisten und sich der Immunitätslehre und Serumforschung zu widmen. 1901 kam eine Abteilung für Krebsforschung hinzu.

          Prüfung von Arzneien, Impfstoffen und Allergenpräparaten

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