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Landwirtschaft : Nach Hitze im April fehlt es Äpfeln jetzt an Wärme

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Nur rund 60 Prozent der sonst üblichen Menge hessischer Landäpfel hängt dieses Jahr an den Bäumen Bild: dpa

Das ungünstigen Wetter hat in doppelter Hinsicht unliebsame Folgen für Hessens Obstbauern. Zum einen hängen deutlich weniger Äpfel an den Bäumen als üblich. Zudem beeinträchtigt der Mangel an Sonne und Wärme das Aroma des Kernobsts.

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          Wegen des ungünstigen Wetters hängen in Hessen in diesem Jahr deutlich weniger Äpfel an den Bäumen als üblich. „Die Apfelernte wird nur 60 bis 65 Prozent der Durchschnittsernte erreichen“, sagte die stellvertretende Vorsitzende des Verbands der Hessischen Apfelwein- und Fruchtsaft-Keltereien, Johanna Höhl, in Karben in der Wetterau. Dort eröffneten Vertreter hessischer Keltereien und der hessische Landtagspräsident Norbert Kartmann (CDU) offiziell die Keltersaison 2007. Gründe für die mäßige Ernte seien der viel zu warme April, der zu feuchte Sommer sowie ein geringer Bienenflug und der schädliche Frostspanner, sagte Höhl. Zudem beeinträchtigt der Mangel an Sonne und Wärme das Aroma des Kernobsts, wie es beim Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen heißt.

          Die geringeren Apfelmengen schadeten aber nicht der Güte von Apfelprodukten. „Die Qualität von Apfelwein leidet nicht darunter“, sagte Höhl. „Wir können alle davon ausgehen, dass das „Stöffche“ auch in diesem Jahr so gut schmeckt wie in anderen Jahren.“ Die laut Höhl fast 60 Keltereien in Hessen produzieren knapp 40 Millionen Liter Apfelwein pro Jahr. Um den Rohstoffbedarf in diesem Jahr zu decken, müssen in Hessen laut Höhl Äpfel aus anderen Regionen Deutschlands zugekauft werden, „etwa vom Bodensee, wo in diesem Jahr fast eine Rekordernte zu verzeichnen ist“, sagte Höhl.

          „Äpfel brauchen Wärme beim Ausreifen“

          Die Eröffnung der Keltersaison in Hessen ist in diesem Jahr mit einer Kampagne zum Schutz von Streuobstwiesen verknüpft. Dank der vielen Tiere und Pflanzen, die in den Wiesen leben, wachsen Apfelbäume dort besser und naturnäher. „Nutzung der Streuobstwiesen bedeutet gleichzeitig Schutz der Wiesen“, sagte Norbert Lemb, zuständig für die Kampagne „Streuobstwiesenschutz und Apfelwein“ des Naturschutzes und der hessischen Keltereien. Nur, wenn Bäume regelmäßig geschnitten und das Gras gemäht würden, blieben die Wiesen erhalten.

          Der kühle Spätsommer könnte nach Ansicht eines Experten dem Geschmack der Äpfel dieses Jahres schaden. „Äpfel brauchen Wärme beim Ausreifen. In diesem Jahr könnte das Aroma unter dem Wetter leiden“, sagte der Leiter des Bereichs Gartenbau beim Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen, Eberhard Walther, in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa in Kassel. Ohne die Sonne könnten die Früchte nicht genügend Zucker bilden. „Es muss sich aber niemand Sorgen machen, dass es zu wenige Äpfel gibt oder sie nicht schmecken. Dramatisch ist der Effekt nicht.“ Wirtschaftlich sei das Apfeljahr sehr durchschnittlich gewesen. Auch mit deutlich steigenden Preisen sei nicht zu rechnen.

          Erst zu trocken, dann zu nass

          Kein guter Sommer sei es allerdings für private Obstbauern gewesen. „Die nichtgewerblichen Anbauer haben nicht die Möglichkeit, ihre Bäume professionell gegen die Witterung oder Schädlinge zu schützen. Deshalb hat sich die lange Trockenheit im Frühjahr und dann der starke Regen sehr negativ auf die Ernte ausgewirkt.“ Das größte Problem seien Maden. „Obstbauern können Insektizide spritzen oder Duftkapseln gegen die Apfelwickler aushängen. Das verwirrt die Nachtfalter und schützt das Obst. Private haben diese Möglichkeit kaum.“

          Äpfel werden in Hessen nach Walthers Worten vor allem im Süden, aber auch im Norden des Landes angebaut. „Hessen ist kein klassisches Apfelland in Deutschland, da haben andere Bundesländer mehr. Aber bei den Streuobstwiesen spielen wir eine sehr große Rolle.“ Schon vor 15 Jahren sei man in Hessen dazu übergegangen, den Apfelanbau außerhalb von Plantagen zu verstärken. „Das hat im privaten Bereich einen enormen Aufschwung genommen. Zudem hilft es uns, Sorten zu erhalten, die nicht mehr so gefragt sind.“ Verkauft würden diese Äpfel vor allem auf Wochenmärkten. Der wirtschaftliche Effekt sei jedoch sekundär, sagte Walther: „Machen wir uns nichts vor: Die meisten Äpfel werden im Supermarkt gekauft und die kommen dann fast immer von der Plantage.“

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