https://www.faz.net/-gzg-ougo

Landespolitik : Opposition sieht für das neue Schuljahr schwarz

  • Aktualisiert am

SPD und Grüne im Hessischen Landtag sehen eine "desaströse Unterrichtssituation" im neuen Schuljahr voraus. Den Schulen in Hessen würden 2200 Lehrerstellen weniger zugeteilt, als nach der Bedarfsberechnung ...

          2 Min.

          SPD und Grüne im Hessischen Landtag sehen eine "desaströse Unterrichtssituation" im neuen Schuljahr voraus. Den Schulen in Hessen würden 2200 Lehrerstellen weniger zugeteilt, als nach der Bedarfsberechnung des Kultusministeriums zur Unterrichtsabdeckung nötig wären - und das während die Zahl der Schüler von 850076 auf 853367 steige, kritisierten die Bildungspolitikerinnen Heike Habermann (SPD) und Priska Hinz (Die Grünen). Größere Klassen und eine massive Verschlechterung der Unterrichtsqualität seien die Folge. SPD und Grüne beriefen sich dabei auf den Entwurf eines Zuweisungserlasses aus dem Haus von Kultusministerin Karin Wolff (CDU), der kürzlich an die Staatlichen Schulämter verschickt worden sei.

          Wolff, die den Vorwürfen der Opposition mit einer am Sonntag veröffentlichten Erklärung über eine dramatische Entwicklung bei den Schülerzahlen (F.A.Z. vom Montag) zuvorgekommen war, wies die Angriffe als "gezielte Falschmeldungen" und mit der Bemerkung zurück, das "alljährliche Mai-Fieber" sei ausgebrochen. "Es klemmt und knirscht, aber die Unterrichtsgarantie steht", beteuerte die Ministerin. "Notfalls werden wir die Stundenpläne mit Geld für Vertretungslehrer absichern." Die Grünen-Politikerin Hinz rechnete penibel vor, daß auch der von der Kultusministerin und der CDU stets als Äquivalent der 945 Lehrerstellenstreichungen vorgezeigte "Produktivitätsgewinn" aus der Arbeitszeitverlängerung nur auf dem Papier stehe. Dieser mit 1250 Stellen bezifferte "Gewinn" werde fast vollständig aufgezehrt. Übrig blieben nach Abzug der gestrichenen 945 Stellen, der 190 Entlastungsstellen für die Schulleitungen, der 50 Stellen für die Ganztagsschulen, der 41,5 Stellen für die Praxisklassen an den Hauptschulen und den zehn Stellen für das Programm "Verantwortung plus" ganze 13,5 Stellen. Bedenke man dazu, daß die Mittel für Vertretungen um knapp neun Millionen Euro gekürzt worden seien, stelle sich die dringende Frage, wie die Grundversorgung abgedeckt werden solle.

          Das ist aus Sicht der Opposition kaum noch möglich. In Frankfurt beispielsweise, wo keine einzige Stelle neu besetzt und kein Referendar in den Schuldienst übernommen werde, erhöhe sich die Zahl der Klassen um 36, während gleichzeitig die Zahl der Lehrerstellen von 3701 auf 3567 sinke. In der Landeshauptstadt Wiesbaden und dem Rheingau-Taunus-Kreis werde es 19 zusätzliche Klassen geben, während die Zahl der Lehrerstellen von 2693 auf 2598 zurückgehe. Bei diesen Zahlen sehen SPD und Grüne "schwarz" für die Unterrichtsversorgung im nächsten Schuljahr.

          Auch die FDP hält die Unterrichtsversorgung für "gefährdet" und warnte gestern "nachdrücklich" vor einer Verschlechterung der Unterrichtsabdeckung durch eine "geschönte Lehrerbedarfsrechnung". Vor allem bei den Vertretungslehrern ist es nach den Worten der FDP-Schulexpertin Dorothea Henzler "zu einer äußerst unvernünftigen Einsparung von Mitteln gekommen". Dennoch sei jetzt, da die Schülerzahl noch nicht definitiv feststehe, "reine Panikmache unverantwortlich".

          Die Kultusministerin warf SPD und Grünen vor, vorläufige Zahlen falsch zu interpretieren. "Fakt" sei, daß das Stellenaufkommen den Grundunterricht "zu mehr als 100 Prozent abdecken" werde. Für einen "geordneten Start" in das neue Schuljahr werde gesorgt. Allerdings werde es auch Lehrerwechsel geben, was nicht jedem gefallen werde. Und als "problematisch" bezeichnete Wolff die aktuelle Lehrstellenknappheit, die den Schuletat belaste, weil die Jugendlichen ohne Lehrstellen in den Schulen untergebracht werden müßten. (a.k.)

          Weitere Themen

          Mainz zählt zum Welterbe

          Heute in Rhein-Main : Mainz zählt zum Welterbe

          Frankfurt gewinnt den Fußballstreit. Die hessischen Abiturienten erzielen Bestnoten. Speyer, Worms und Mainz gehören nun zum Weltkulturerbe. Die F.A.Z.-Hauptwache blickt auf die Themen des Tages.

          Hessens Abiturienten mit Noten-Rekord

          Trotz Corona : Hessens Abiturienten mit Noten-Rekord

          Trotz der Schwierigkeiten, mit denen Schüler aufgrund von Corona zu kämpfen hatten, erreichten die hessischen Abiturienten den besten Notendurchschnitt seit der Einführung des Landesabiturs.

          Topmeldungen

          Impfgegner demonstrieren im Mai diesen Jahres in Concord im Bundesstaat New Hampshire.

          Delta-Variante : Amerikas Konservative bekommen Angst

          In den Vereinigten Staaten haben viele konservative Politiker und Moderatoren eine Corona-Impfung für unnötig erklärt. Die rapide steigenden Infektionszahlen durch die Delta-Variante scheinen zu einem Umdenken zu führen.
          Medaillen bitte, wir sind Briten: Adam Peaty stürzt sich in die Fluten

          Schwimmen bei Olympia : Rule Britannia

          Adam Peaty macht die Schotten hoch: Tom Dean gewinnt als erster Brite seit Henry Taylor 1908 Freistil-Gold. Und Duncan Scott legt noch Silber dazu. Team GB surft auf einer Erfolgswelle.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.