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Landesfest in Oberursel : Die Hessen sollen klimaneutral feiern

Bild: F.A.Z.

Ein Landesfest mit Zertifikatehandel und Investitionen am Bahnhof: An diesem Freitag beginnt der umweltfreundliche Hessentag in Oberursel. Dafür kauft die Stadt sogar Emissionszertifikate. Und die automobilen Besucher zahlen für Abgase.

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          Bisher war der Hessentag eine Sache der Menschen zwischen Hofgeismar und Beerfelden. Die 51. Auflage des Landesfests, das am Freitag in Oberursel beginnt, dürfte dagegen auch Auswirkungen auf dem indischen Subkontinent haben. Ein neues Wasserkraftwerk oder eine Biogasanlage, die Abfälle aus der Zuckerproduktion verwertet, könnten dort eine direkte Folge des Großereignisses sein. Denn Oberursel möchte den ersten klimaneutralen Hessentag feiern. Eine der Voraussetzungen dafür ist die gute Erschließung durch S- und U-Bahn, die zum Beispiel für Besucher aus Frankfurt eine Anreise ohne anschließende Parkplatzsuche ermöglichen.

          Bernhard Biener

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Hochtaunuskreis.

          Weil natürlich dennoch jede Menge Abgase entstehen und auch die Stromerzeugung Kohlendioxidausstoß mit sich bringt, kauft sich die Stadt mit Emissionsminderungszertifikaten frei. Bis zu 120.000 Euro könnten dafür nötig sein. Die Autofahrer zahlen ihren Beitrag durch den Aufschlag von einem Euro auf die Parkgebühr. Die Stadtwerke stehen zudem als Sponsor bereit. Weil mit derselben Summe in Entwicklungs- und Schwellenländern mehr zu erreichen ist als in Industrienationen, wird das Geld meist dort investiert. Zum Beispiel in Indien.

          Scorpions, Linkin Park, Bryan Adams, Roxette

          Bis zum 19. Juni, wenn der Festzug den traditionellen Abschluss bildet, stehen in Oberursel mehr als 1000 Veranstaltungen auf dem Programm. Auch hier lässt nicht jede den direkten Bezug zu Hessen erkennen, aber die großen Konzerte wie etwa von den Scorpions, Linkin Park, Bryan Adams oder Roxette sind mittlerweile ein fester Bestandteil des Landesfests. Und wer Hessisches sucht, findet natürlich in der Landesausstellung, in den Ständen entlang der Straßen oder in den Sonderschauen wie „Natur auf der Spur“ alle wichtigen Institutionen des Bundeslands.

          Die Stadt, die sich „Tor zum Taunus“ nennt, hat dabei die Angebote zu bestimmten Themen konzentriert. An der „Straße der Bildung“ zum Beispiel präsentieren sich Schulen und Weiterbildungseinrichtungen, Bildhauer arbeiten während eines Symposions vor den Augen der Besucher und die Klinik Hohe Mark richtet auf ihrem Gelände einen Gesundheitspark ein.

          Offenbar unausweichliches Minus

          Bei der Suche nach Sponsoren war die Stadt recht erfolgreich. Ein großer, ortsansässiger Reiseveranstalter sorgt zum Beispiel für die Bühne und einen Teil des Programms auf dem Internationalen Platz, wo die Partnerstädte zu Gast sind. Die Organisationspläne nahm eine Unternehmensberatung in Augenschein. Und natürlich lassen es sich die Energieversorger nicht nehmen, für die Elektromobilität auf dem klimaneutralen Hessentag zu sorgen.

          Dennoch sind im Haushalt 2011 drei Millionen Euro Defizit für das Landesfest eingestellt worden. Ob der Betrag bei der Endabrechnung genügt, hängt auch vom Wetter ab. Die Lage der Hessentagsstadt mitten im Ballungsraum und die gute Anbindung könnten für einen neuen Besucherrekord sorgen. Mit mehr als einer Million Gästen wird fest kalkuliert, und zumindest der Vorverkauf für die kostenpflichtigen Veranstaltungen hat bisher die Zahlen aller früheren Austragungsorte übertroffen.

          Zugewinn für die Infrastruktur

          Dem offenbar unausweichlichen Minus steht die Aufmerksamkeit gegenüber, die das Land den Hessentagsstädten auch in finanzieller Hinsicht widmet. Bürgermeister Hans-Georg Brum (SPD) ist insofern keine Ausnahme, wenn er den Zugewinn für die Infrastruktur und die viel zügiger geflossenen Zuschüsse preist. Zwar gab es keine langersehnte Umgehungsstraße wie andernorts, und eine Fußgängerunterführung als wichtigste Investition klingt zunächst ein wenig hausbacken.

          Die neu gestalteten Flächen rund um den Bahnhof geben jedoch einer städtebaulich markanten Stelle ein völlig neues Gesicht und werden zudem durch die umgebaute Adenauerallee Richtung Zentrum ergänzt. Dabei wird das eigentliche Empfangsgebäude erst später fertig, und das Fest bringt die übliche Einschränkung mit sich: Richtig sehen wird man den neuen Stadteingang erst, wenn Buden und Zelte wieder abgebaut sind.

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