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Lagerplatz in Königstein : Umweltministerium schaut nach Steinen des Anstoßes

Steine des Anstoßes: der Lagerplatz in Königstein Bild: Wolfgang Eilmes

Praktisch, aber nicht genehmigt: Ein Lagerplatz der Stadt Königstein sorgt seit Jahren für Ärger.

          3 Min.

          Auf dem Weg von Königstein nach Schneidhain erreicht die Bundesstraße 455 im Einschnitt des Liederbachs ihren tiefsten Punkt. Die charakteristische Senke markiert den Übergang zwischen der Kernstadt und dem Stadtteil. Im Talgrund zweigt der Drosselweg ab, an dem sogleich rechts ein Weg einige Meter hinab zu einer aufgeschütteten Fläche führt. Dort sind Schutthaufen zu sehen, einzelne Container und Kleinbagger. Früher befand sich dort einmal das Klärwerk von Schneidhain, das längst verschwunden ist. Anwohner und Ortsbeirat streiten mit der Stadt darüber, dass der mehr oder weniger befestigte Platz als Zwischenlager für Baumaterial dient.

          Bernhard Biener

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Hochtaunuskreis.

          Schon die Frage, wie lange es das Lager an der auch Johannisheck genannten Stelle gibt, führt zu unterschiedlichen Deutungen. „Die Fläche ist jahrzehntelang genutzt worden“, sagt Bürgermeister Leonhard Helm (CDU). Früher hätten dort Metallkörbe mit Pflastersteinen von Arbeiten in der Innenstadt gestanden. Die seien aber auch wieder weggekommen, erinnert sich Ortsvorsteherin Nicole Höltermann von der Aktionsgemeinschaft Lebenswertes Königstein (ALK). Dann sei dort Gestrüpp gewesen. Später war der Platz immer wieder als Baulager bei Straßenbauvorhaben in der Nähe gefragt. Das fing beim großen Umbau des Königsteiner Kreisels an, der 2006 abgeschlossen war.

          Damals gab es eine Klage aus der Nachbarschaft, nach der sich beide Seiten außergerichtlich einigten. Die Fläche sollte begrünt werden. Aber der städtische Betriebshof und andere Baufirmen griffen immer wieder darauf zurück, etwa als der Kanal im Drosselweg neu verlegt und die Bundesstraße in der Schneidhainer Ortsdurchfahrt erneuert wurde. Auch vom Sturm umgeworfene Baumstämme und Abrollbehälter wurden vorübergehend dort gelagert. Vor allem weiteten sich die Aufschüttungen immer weiter aus, mit denen eine ebene Fläche geschaffen wurde.

          Anwohner wenden sich an Naturschutzbehörde

          Nicht nur der Baustellenverkehr stieß den Anwohnern auf. Auf dem Platz hätten auch alte Reifen und Fässer gelegen, sagt Lutz Grüten von der Bürgerinitiative Johannisheck. Dass das alles in einer Bachaue möglich sein solle, konnten die Nachbarn nicht glauben und wandten sich an die Untere Naturschutzbehörde beim Hochtaunuskreis. Die wies nach einem Ortstermin im Frühjahr 2018 darauf hin, dass eine solche Aufschüttung als Eingriff in Natur und Landschaft genehmigungspflichtig sei. Weil eine solche nicht vorlag, sollte die Stadt sagen, wie sie den illegalen Zustand beseitigen wolle. Der Vollständigkeit halber folgte der Hinweis auf die in der Bauordnung vorgesehenen Geldbußen bis zu 500.000 Euro.

          Weil sich das Gelände direkt am Liederbach „für die Naherholung anbietet“, wie es in einer Magistratsvorlage heißt, entstand bei der Stadt die Idee, dort einen Wanderparkplatz anzulegen. Schließlich lässt sich von dort zur Roten Mühle nach Kelkheim wandern. Der dafür im November 2018 eingereichte Antrag wurde vom Kreis jedoch als unvollständig zurückgewiesen. Als auch ein halbes Jahr später kein nachgebesserter Antrag vorlag, wies die Kommunalaufsicht noch einmal auf die Forderung der Naturschutzbehörde nach einer Renaturierung hin, die notfalls „mit aufsichtsbehördlichen Mitteln“ durchzusetzen sei.

          Privates Eigeninteresse oder Sorge um Natur

          Der Bürgermeister gesteht zu, die zusätzlichen Aufschüttungen seien „nicht so unproblematisch wie gedacht“ gewesen. Deshalb sei der Schotterbelag zusammengeschoben worden. Seiner Ansicht nach handelt es sich um den typischen Fall einer Nutzung, die „früher nicht einmal genehmigungspflichtig war und heute nicht genehmigungsfähig ist“. Für die Nachbarn sei es natürlich schön, auf eine grüne Fläche zu schauen, sagt Helm und spricht von „privaten Eigeninteressen“, für die der Naturschutz genutzt werde. Grüten hingegen macht deutlich, dass die heutigen Anwohner bewusst auf eine Klage verzichtet hätten. „Aber der Bürgermeister hat alle Gesprächsangebote abgelehnt.“ Zumal die Stadt schon vor drei Jahren zugesagt habe, den Platz nicht mehr zu nutzen. „Wir sind ja pragmatisch.“ Dass es so mühsam sei, Recht und Gesetz durchzusetzen, sorge für Politikverdrossenheit und habe mit Eigeninteressen nichts zu tun. Ortsvorsteherin Höltermann versteht zwar den Bedarf der Stadt nach Lagerflächen. Aber eine solche dunkle Ecke lade zur illegalen Müllentsorgung ein. Weshalb dort auch kein Parkplatz sinnvoll sei. Der Ortsbeirat habe mehrfach einmütig eine Beseitigung des Lagerplatzes gefordert.

          Inzwischen ist der Fall bis nach Wiesbaden gedrungen. Das hessische Umweltministerium hat die für die Aufsicht zuständigen Behörden um Berichte zur Sach- und Rechtslage gebeten, weshalb sich der Hochtaunuskreis wegen des laufenden Verfahrens dazu nicht öffentlich äußert. Bürgermeister Helm geht davon aus, dass die Stadt die Auflage von 2005 erfüllen und die Fläche begrünen muss. Wobei man nach wie vor die Absicht verfolge, dort einen Wanderparkplatz anzulegen. Auf jeden Fall sei eine Begrünung ein Unterschied zu einer echten Renaturierung der gesamten Fläche. „Das wäre ein massiver Eingriff.“ In diesem Fall müssten die vor Jahrzehnten vorgenommenen Verfüllungen einschließlich des Bauschutts der einstigen Kläranlage beseitigt werden. „Dann reden wir von einem Millionenprojekt“.

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