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Geschichten als Vorlese-Videos : Mit dem Bähnchen zu Kuh Lieselotte

  • -Aktualisiert am

Der 15 Jahre alte Lando liest für die „Lesezeit für Kinder" des Kulturvereins Achterbahn. Bild: Verein Achterbahn

Anpassung an die Pandemie-Regeln: In Ginsheim-Gustavsburg dreht ein Kulturverein Vorlese-Videos mit beliebten Kindergeschichten. Das soll virtuellen Lesespaß nach Hause bringen.

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          Wenn jeden Sonn- und Feiertag das Achterbähnchen kommt, heißt es für viele kleine und auch manchen großen Zuschauer: anschnallen und festhalten für die große Fahrt durch bunte Kinderwelten. Mit der „Lesezeit für Kinder“ hat der Kultur-Verein Achterbahn aus Ginsheim-Gustavsburg gemeinsam mit dem Kultursommer Südhessen (Kuss) eine Video-Reihe geschaffen, die sich an jüngere Zuschauer richtet und ihnen während der Corona-Zeit virtuellen Lesespaß nach Hause bringen soll.

          Die Achterbahn und ihr Kinderprogramm Achterbähnchen bringen ansonsten ein umfangreiches Programm aus Kleinkunst, Kinder- und Erwachsenentheater und Sonderveranstaltungen während des Kultursommers auf die Bühne der Burg-Lichtspiele in Ginsheim-Gustavsburg. Doch in diesem Jahr ist alles anders. Kuss hat sein Programm an die Pandemie-Regelungen angepasst, und auch das Achterbähnchen läuft nicht wie gewohnt. „Normalerweise bieten wir einmal im Monat ein stationäres Kindertheater an“, erläutert Axel Schiel vom Verein. Doch 2020 bleiben die meisten der 120 Plätze in den Burglichtspielen Ginsheim-Gustavsburg leer. Wegen der Corona-Pandemie könnten ohnehin höchstens 20 bis 25 Zuschauer den Vorstellungen folgen – „viel zu wenig“, wie Schiel sagt.

          Weil die Initiatoren aber weiterhin vielen Kindern etwas bieten wollten, sei die Idee mit den Video-Vorlesezeiten entstanden, sagt Schiel. Und damit die Kleinen nicht nur zuhören, sondern auch bunte Bilder betrachten könnten, habe man sich für die Erzählform des Kamishibai entschieden. Dabei werden neben dem Vorlesen wechselnde, zur Geschichte passende Illustrationen in einen Rahmen geschoben, der wie eine kleine Bühne anmutet. Texte und Bilder werden dabei eigens für diese Art des Geschichtenerzählens entwickelt. Die 13 und 15 Jahre alten Teenager Charlotte und Lando, als Kinder selbst Gäste beim Achterbähnchen, wechseln sich beim Vorlesen und Umblättern der Illustrationen ab. Ein kleines, professionelles Filmteam setzt die beiden in Szene, gedreht wird nach Ladenschluss oder während der Mittagspause in der „Buchhandlung in der Villa Herrmann“.

          „Das ist dann wirklich anstrengend“

          Pro Vorlese-Folge, die meist zwischen sechs und acht Minuten dauert, werde rund anderthalb Stunden gedreht, sagt Schiel. An jedem Drehtag entstehen zwei bis höchstens vier Geschichten. „Das ist dann wirklich anstrengend.“ Zudem liege der Teufel oftmals im Detail. „Mal fällt eine Lampe um, mal wird die falsche Seite umgeblättert, oder jemand verspricht sich.“

          Manche Texte hätten es wirklich in sich, weiß Schiel, der auch als Moderator arbeitet und die Bühnenkunst der Achterbahn regelmäßig auf Rhein-Main-TV präsentiert. So sei demnächst eine Geschichte über „Ölga und das Schlossgespenst“ geplant. Und Ölga, die Hauptfigur, verwechsle stets die Buchstaben Ö und O. Das Vorlesen werde dadurch zu einer anspruchsvollen Herausforderung.

          Inzwischen sind sieben Folgen online erschienen, mit Märchen von den Gebrüdern Grimm, einer Geschichte über Tigertom sowie den Erlebnissen der bei kleinen Kindern besonders beliebten Postausträger-Kuh Lieselotte, die es inzwischen sogar ins Kinderfernsehen geschafft hat.

          Bis November sollen regelmäßig weitere Erzählungen im Kamishibai-Stil abgedreht werden, auch eine Weihnachts-Spezialausgabe ist geplant. Dabei setzen die Macher auch auf Eigenproduktionen, wie Schiel hervorhebt. Neben Ölga und ihrem Schlossgespenst werde auch etwas über „Knallpurgas Reise zum Mond“ zu hören sein. Vereinsmitglied und Seiltänzerin Annette Will habe die Geschichten ursprünglich für ihr eigenes Bühnenprogramm verfasst, wie Schiel sagt. Daraus wurden kleine, illustrierte Büchlein und schließlich, für das Achterbähnchen, Kamishibai-Geschichten.

          Die liebevoll in Szene gesetzten Erzählungen und ihre Vorleser kommen offenbar an. „Wir haben viel mehr Zugriffe als erwartet“, sagt Schiel. Dennoch sei die Reihe nur als Ersatzprogramm während des Corona-Kultursommers gedacht. „Wir planen keine Verlängerung.“ Zwar mache es Freude, Kindern und auch Erwachsenen online ein wenig Abwechslung und Kultur bieten zu können. Aber das Wichtigste könne das Internet nicht ersetzen: „Die Interaktion mit dem Publikum, die Blicke der Zuschauer und den Applaus.“

          Informationen unter www.achterbahnshow.de. Unter dem Reiter Achterbähnchen finden sich die Kamishibai-Videos. Infos zum Kultursommer unter www.kultursommer-suedhessen.de.

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