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Kultur : Einziger deutscher „Kulturbahnhof“ wird zehn Jahre alt

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Derzeit im Kulturbahnhof zu sehen: Hockeyspielerinnen auf Stelen Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Der einzige deutsche „Kulturbahnhof“ in Kassel feiert an diesem Samstag seinen zehnten Geburtstag. Dort gibt es zwar weiter Fahrkarten, doch sonst stehen alle Signale auf Kunst, Musik und Film.

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          Der einzige deutsche „Kulturbahnhof“ in Kassel feiert an diesem Samstag seinen zehnten Geburtstag. Obwohl im Kasseler Hauptbahnhof noch immer Züge halten und Fahrkarten verkauft werden, stehen in der restaurierten Bahnstation seit 1995 alle Signale auf Kunst, Musik und Film.

          Mit der Eröffnung des ICE-Bahnhofs Kassel-Wilhelmshöhe hatte der Hauptbahnhof 1991 einen Großteil seiner Funktion verloren und war langsam verfallen. Drogensüchtige verwandelten den Kopfbahnhof und seine Umgebung in einen Ort, dem die Kasseler lieber den Rücken kehrten.

          Bahnhof durch Kulturangebote wiederbelebt

          Mit dem Einzug der Kultur wurde der Bahnhof wiederbelebt. Er gilt seit 1995 als ein Beispiel dafür, daß ungenutzte Wartesäle nicht nur in Ladenpassagen umfunktioniert werden können. Der Wunsch, auch andere weitgehend ungenutzte Bahnhofshallen nach diesem Vorbild in Kulturstationen zu verwandeln, ging indes nicht in Erfüllung.

          Kulturbahnhof: Kleinkunst, Theater und gutes Essen im „Gleis 1”
          Kulturbahnhof: Kleinkunst, Theater und gutes Essen im „Gleis 1” : Bild: dpa

          Zwei Programmkinos, eine Karikatur-Galerie, Kunstausstellungen und Gastronomie haben den „KuBa“ wieder zu einem Anziehungspunkt für Leute ohne Fahrkarte gemacht. Außerdem produziert der Offene Kanal Kassel von der Bahnstation aus sein lokales Fernsehprogramm. Selbst die Weltkunstschau „Documenta“ nutzte schon die Ausstellungsräume mit Gleisanschluß.

          „Es war ein Glücksfall“

          „Es ist ein einmaliger Schritt, daß ein abgehängter Hauptbahnhof durch die Kultur zu einem ganz einzigartigen Konversionsprojekt geworden ist“, sagt Kassels Kulturdezernent Thomas-Erik Junge (CDU). Das Abrutschen eines Stadtteils sei so verhindert und ein Modell für Deutschland geschaffen worden. „Es war ein Glücksfall, in der Kunst- und Documenta-Stadt Kassel so eine Lösung zu finden“, sagt Bahnsprecher Hartmut Lange. „Sonst wäre das ein toter Bahnhof geworden.“

          Die Station soll aber auch für den Bahnverkehr wieder an Bedeutung gewinnen. Ende 2006 soll am Hauptbahnhof die Regiotram vom Kasseler Straßenbahnnetz auf das Vorortnetz der Bahn wechseln. Dazu wird seit einigen Wochen an einer Untertunnelung des unter Denkmalschutz stehenden Kopfbahnhofs gearbeitet.

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