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Kronberg und Oberursel : Stahlrahmen für Landschaft und Baum

  • -Aktualisiert am

Nicht unumstritten: Ein „Landschaftsfenster“ in Miniaturform steht schon an der Kronberger „Erlebnisobstwiese“ im Kronthal. Bild: Wolfgang Eilmes

In Kronberg und Oberursel sind an der Regionalparkroute zwei Installationen geplant. Symbolik und Kunst gehen vielen örtlichen Politikern zu weit.

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          An klaren Tagen ist die Aussicht ein Erlebnis. Dabei ist es nicht allein der Fernblick in die Main-Ebene, der den Punkt direkt an der Bundesstraße 455 zwischen Opel-Zoo und Falkensteiner Stock so berühmt gemacht hat. Das Besondere am „Malerblick“ ist die Tiefenstaffelung, denn er führt über die Kronberger Burg und die Stadt mit ihren Kirchtürmen hinweg zu den Frankfurter Hochhäusern und wird dabei noch von den bewaldeten Hügeln im Vordergrund gerahmt. Davon haben sich auch früher schon Künstler beeindruckt gezeigt, als es die modernen Frankfurter Gegenstücke zum Burgturm noch nicht gab.

          Bernhard Biener

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Hochtaunuskreis.

          Im 19. Jahrhundert suchten sie in Kronberg die ländliche Idylle, so dass sich eine Künstlerkolonie bildete. Ein großer Rahmen soll künftig auf die Aussicht aufmerksam machen und zugleich für die Kronberger Malerkolonie werben, der ein eigenes Museum gewidmet ist. Doch die Idee stößt, je näher die Realisierung rückt, auf Zurückhaltung.

          Nicht zustimmungsfähig

          Nicht nur die Wählergemeinschaft Kronberg für die Bürger (KfB) hat sich kritisch zu der Installation geäußert (F.A.Z. vom 6. April). Auch die CDU wendet sich gegen die bisherige Planung, die einen vier mal fünf Meter großen Rahmen aus Cortenstahl vorsieht. Dazu gehört eine sechs mal zwei Meter große Bankkonstruktion, die Besucher gegen den Lärm der Bundesstraße in ihrem Rücken abschirmen soll. Der einzigartige Blick solle nicht durch einen 20 Quadratmeter großen Rahmen und eine mehr als zehn Quadratmeter große Sitzbank stark verändert werden, meint die CDU.

          Bürgermeister Klaus Temmen (parteilos) weist zunächst einmal darauf hin, dass die Pläne Ende Juni 2016 im Kultur- und Sozialausschuss vorgestellt worden seien. Die Idee war in Zusammenhang mit der bevorstehenden Euroart-Tagung entstanden. Im Oktober kamen die Mitglieder der Vereinigung europäischer Künstlerkolonien in Kronberg zusammen. Die Absicht, mit einem sogenannten Landschaftsfenster einen Kronberger Akzent an der Regionalparkroute „Von der Nidda zum Opel-Zoo“ zu setzen, fand im Ausschuss „besondere Zustimmung“, wie das Protokoll vermerkt. Die Regionalpark Rhein-Main-Taunushang GmbH konnte als Partner gewonnen werden, weil der Malerblick schon jetzt als Aussichtspunkt an der Regionalparkroute markiert ist.

          Das seither entstandene konkrete Ergebnis ist für die CDU „nicht zustimmungsfähig“. Für ihren Koalitionspartner SPD zeigte sich der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Wolfgang Haas „irritiert“ über die derzeitige Diskussion, denn die konkreten Vorentwürfe sollen erst heute in einer gemeinsamen Sitzung von Bauausschuss und Ortsbeirat Kronberg präsentiert werden. Deshalb habe die SPD bewusst entschieden, sich erst danach eine fraktionsinterne Meinung zu bilden. Haas gesteht allerdings, dass ihm die Vorstellungskraft für die Wirkung des geplanten Landschaftsrahmens fehle. Er hat den Bürgermeister daher um Prüfung gebeten, ob die Stadtwerke nicht einen provisorischen „Demonstrationsrahmen“ als Entscheidungshilfe aufstellen könnten. Außerdem könnten Bilder anderer Landschaftsinstallationen an der Regionalparkroute die Informationen ergänzen. Der stellvertretende SPD-Fraktionschef kennt nach eigenen Worten bisher nur kleinere Exemplare derartiger Landschaftsfenster. Eines davon steht an der „Erlebnisobstwiese“ des Kronberger Obst- und Gartenbauvereins.

          In Oberursel sorgt ebenfalls ein Rahmen für Diskussion

          Temmen hält den Vorschlag eines „Demonstrationsrahmens“ für durchaus sinnvoll. Die Konstruktion solle ohnehin so angeordnet werden, dass auch weiterhin ein unverstellter Blick möglich sei. Und anders als bei der Simulation der KfB werde er nicht auffällig rot, sondern den für Cortenstahl typischen rostigen Charakter aufweisen. Über das Projekt werde er mit der Regionalparkgesellschaft noch sprechen, denn diese sei schließlich an einem Konsens interessiert.

          Das Kronberger Landschaftsfenster ist nicht das einzige Objekt der Taunushang-Regionalparkgesellschaft, das eine gemischte Reaktion hervorgerufen hat. Im benachbarten Oberursel soll ebenfalls ein Rahmen aufgestellt werden, in diesem Fall allerdings um ein Landschaftsobjekt herum. Zusammen mit dem Kultur- und Sportförderverein Oberursel hatte die Gesellschaft im Herbst einen beschränkten Kunstwettbewerb ausgeschrieben, um die mehr als 400 Jahre alte Gerichtslinde im Mittelstedter Feld in Szene zu setzen. Der einst mächtige Baum hat seine Krone verloren und wirkt selbst eher wie ein Erinnerungsstück an seine lange Geschichte.

          Den Wettbewerb mit dem Titel „Zeitenwandel“ gewannen die Bildhauer Wolfgang Winter und Berthold Hörbelt, die unter anderem mit Häusern aus Getränkekästen bekannt geworden sind und zuletzt die Fassade des Frankfurter Grünflächenamts und den Offenbacher Hafenkran künstlerisch gestaltet haben. Für die Linde hat sich das Künstlerduo einen weißen Metallrahmen ausgedacht, der das „stehende Totholz“ sinnbildlich in eine Vitrine stellt. Dazu soll ein Schriftsteller eine Geschichte über die „Welt aus Sicht eines Baumes“ schreiben, die in festgelegtem Turnus am Standort des Baums nahe der A 661 zwischen Oberursel und Bad Homburg vorgetragen werden soll. Im Spätsommer wird der Rahmen aufgestellt, für den ein Budget von 65000 Euro bereitsteht.

          Die Oberurseler Gremien hatten das Wettbewerbskenntnis nur zur Kenntnis zu nehmen. Im Bauausschuss im März waren vor allem kritische Worte zu hören: Der Rahmen sei ein Fremdkörper im Feld, die Lesungen könnten zu Konflikten mit den Bauern bei der Arbeit führen und womöglich gefährde die Gründung die verbliebenen Wurzeln des Baums – auf letzteres soll bei der Anbringung Rücksicht genommen werden. Nicht viel freundlicher fielen Leserbriefe in der Lokalzeitung aus. In Oberursel dürfte dies die Verwirklichung des Entwurfs nicht verhindern, während in Kronberg womöglich das letzte Wort noch nicht gesprochen ist. Auf jeden Fall haben die beiden Projekte ein als Regionalpark-Idee formuliertes Ziel schon jetzt erreicht: „Sensibilität für die hiesige Umwelt und Natur“ zu entwickeln.

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