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Nach Anschlag von Hanau : Kriminologin: Behörden müssen teilweise wacher sein

  • Aktualisiert am

Gedenken: Kerzen und Plakat in Erinnerung an die Opfer des Anschlags, gesehen am Marktplatz in Hanau Bild: dpa

Vor einem Monat schockierte der rassistische Anschlag von Hanau das ganze Land. Hätten Polizei und Verfassungsschutz die Tat verhindern können? Forschungen zufolge machen bestimmte Täter vorher zumindest Andeutungen.

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          Einen Monat nach dem rassistischen Anschlag in Hanau dauert die Fassungslosigkeit über die Tat an. Es steht auch weiterhin die Frage im Raum, ob man die Gefährlichkeit des Schützen hätte bemerken können. „Man kann versuchen, diese Täter im Vorfeld zu erkennen“, sagte die Gießener Kriminologin Britta Bannenberg, die zu Amoktätern und terroristischen Einzeltätern forscht, der Deutschen Presse-Agentur. „Letztlich sind solche Einzeltäter sehr selten. Und wir wissen aus der Forschung, dass sie im Vorfeld ihrer Taten monatelang Andeutungen machen.“

          Bannenberg zufolge geht es dabei nicht um direkte Drohungen, diese bleiben eher unspezifisch. „Es wird sowas gesagt wie: „Ich werde eines Tages etwas machen, das werdet ihr nie vergessen“. Das bleibt immer so ein bisschen diffus und wirkt trotzdem bedrohlich.“

          Was terroristische Einzeltäter kennzeichnet

          Vor einem Monat hatte ein 43 Jahre alter Deutscher neun Menschen mit ausländischen Wurzeln erschossen. Weitere Personen wurden verletzt. Er soll auch seine Mutter getötet haben, bevor er sich selbst das Leben nahm. Nach bisherigen Erkenntnissen hatte der Mann eine rassistische Gesinnung und war psychisch krank.

          Fordert eine aufmerksame Gesellschaft: Kriminologin Britta Bannenberg von der Universität Gießen
          Fordert eine aufmerksame Gesellschaft: Kriminologin Britta Bannenberg von der Universität Gießen : Bild: dpa

          „Den terroristischen Einzeltäter zeichnet nicht nur eine ideologische Richtung aus, sondern auch Hass entweder gegen die ganze Gesellschaft oder gegen bestimmte Gruppen im Besonderen“, sagte Kriminalwissenschaftlerin Bannenberg weiter. Den Hanauer Schützen stufte sie im Kern als einen rechtsterroristischen Einzeltäter ein - „aber mit Elementen eines Amoktäters, noch dazu mit ganz hoher Wahrscheinlichkeit einer paranoiden Schizophrenie“. Er zeige in seinem Pamphlet ein „extremes Wahngebilde, gleichzeitig aber einen sehr realen Rechtsextremismus, der in einer schlimmen Mehrfachtötung gemündet hat“.

          „Beratungsnetzwerk Amokprävention“

          Wichtig sei es, als Gesellschaft aufmerksam zu sein, betonte Bannenberg. An ihrem Institut an der Universität Gießen gibt es das „Beratungsnetzwerk Amokprävention“, an das sich Menschen wenden können, die befürchten, dass eine Person in ihrem Umfeld zum Täter werden könnte. Nach dem Anschlag von Hanau und der Gewalttat im nordhessischen Volkmarsen, bei dem ein Mann am Rosenmontag ein Auto in eine Menschenmenge steuerte und Dutzende verletzte, verzeichnet demnach die Beratungsstelle mehr Anrufe. Wenn man Verdachtsmomente habe, dann gehe es darum, Informationen zusammenzutragen.

          Ein Appell der Kriminologin: „Ich glaube, die Polizei, die Psychiatrien und auch die Justiz müssen etwas mutiger im Handeln sein“, sagte die Professorin. „Sie müssen auch teilweise wacher sein, wenn Gefahrensignale geäußert werden. Ich weiß nicht, wie viele Menschen auch abgewimmelt werden, wenn gesagt wird: „Ich bin besorgt über jemanden“. Es muss eine spezialisierte Bedrohungsabklärung stattfinden. Das kann Polizei eigentlich sehr gut leisten.“

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