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„Hopper“ im Nahverkehr : Pionier des Nahverkehrs

Niedrigschwellig: „Hopper“ im Landkreis Offenbach Bild: Kreisverkehrsgesellschaft Offenbach

Sie sind neu und ohne Vorbild im Nahverkehr: „Hopper“ genannte Busse fahren nicht nach einem starren Zeitplan. Doch sind sie auch keine Taxis.

          Nach einer zweimonatigen Testphase beginnt die Kreisverkehrsgesellschaft Offenbach jetzt mit dem regulären Pilotbetrieb von sechs Hopper-Fahrzeugen im Ostteil des Kreises. Das neue, flexible Angebot soll in Hainburg, Mainhausen und Seligenstadt den nach einem starren Fahrplan fahrenden öffentlichen Personennahverkehr ergänzen, die bisherigen Anruf-Sammel-Taxis in den drei Kommunen ersetzen und als Zubringer etwa zur Bahn dienen.

          Eberhard Schwarz

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Kreis Offenbach.

          So bringt der Hopper die Fahrgäste über Klein-Auheim auch zum Hanauer Hauptbahnhof. Der Kreis habe damit das „ganz große Rad“ der modernen „On-Demand-Dienste“ gedreht und leiste Pionierarbeit, hob die Erste Kreisbeigeordnete Claudia Jäger (CDU) hervor. Erstmals werde ein solches Busangebot auf Abruf in die Fläche eines Landkreises gebracht.

          Rund 1000 Haltestellen

          Drei Mercedes-Benz-Vito-Fahrzeuge und drei Elektroautos, bei denen es sich um moderne Nachfolger des legendären Londoner Taxis handelt, übernehmen die Touren in den drei Kommunen, in denen insgesamt etwa 45 000 Menschen leben. An sieben Tagen in der Woche jeweils von 5.30 Uhr bis 1.30 Uhr wird der Service angeboten. Fahrgäste, die den Hopper nutzen wollen, registrieren sich vorher über eine App. Anschließend können sie Abhol- und Zielort eingeben. Die App leitet die Nutzer zur nächstgelegenen Haltestelle. Es wurde ein dichtes Netz mit rund 1000 Haltepunkten für den Hopper geschaffen. Dazu gehören bestehende Bushaltestellen, aber auch Arztzentren, Rathäuser, Bürgerhäuser, Einkaufszentren, Schwimmbad, Badeseen, Kino und Sparkasse.

          Das System ermittelt die optimale Route für den Hopper und verknüpft die Fahrtwünsche verschiedener Fahrgäste miteinander. Nach einmaliger Registrierung sind auch Buchungen unter der Telefonnummer 0 60 74/69 66 90 66 möglich. Zu zahlen sind ein Grundpreis von 1,60 Euro, ein Komfortzuschlag von einem Euro und von einer bestimmten Distanz an zusätzlich ein kilometerabhängiger Aufpreis. Für Besitzer einer RMV-Zeitkarte entfällt der Grundpreis. Wer den Hopper telefonisch anfordert, kann den Fahrpreis mit Kreditkarte und EC-Karte entrichten. Die App wurde von dem Berliner Software-Unternehmen door2door entwickelt; den Fahrdienst besorgt die Firma MWM Mobility Solutions, ebenfalls aus Berlin.

          Vor allem samstags gefragt

          Mit dem neuen Angebot übernehme der Kreis wieder eine Vorreiterrolle, sagte der Geschäftsführer des Rhein-Main-Verkehrsverbunds (RMV), Knut Ringat. Das Projekt strahle in die ganze Bundesrepublik aus. Die Fahrgäste des öffentlichen Personennahverkehrs erwarteten heute, von Haustür zu Haustür befördert zu werden. Darauf müsse man sich einstellen. Ringat wies auf den starken Anstieg der Fahrgastzahlen hin. So beförderte der RMV 2018 rund 788 Millionen Menschen; das waren 34 Millionen mehr als im Jahr zuvor.

          Eine hohe Akzeptanz des Hopper-Dienstes stellte Andreas Maatz, der Geschäftsführer der Kreisverkehrsgesellschaft Offenbach, schon in den vergangenen Wochen fest. Vom Beginn der Testphase am 24. Juni bis Ende Juli buchten rund 3300 Fahrgäste die App; bei etwa 2300 Fahrten legten die Fahrzeuge in dieser Zeit rund 12.500 Kilometer zurück. Inzwischen erhöhte sich die Zahl der beförderten Fahrgäste auf rund 5000; die Fahrzeuge waren fast 19.000 Kilometer unterwegs. Vor allem samstags waren die Hopper gefragt.

          Hopper sind kein Taxi

          Sollte die Auslastung weiter steigen, könne es sein, dass man weitere Fahrzeuge anschaffen müsse, sagte Maatz. Das Projekt koste „eine Menge Arbeit und eine Menge Geld“. Der Hopper sei kein Taxi: Niemand könne sicher sein, dass er allein mitfahre; Fahrgäste stiegen auf einer Route ein und wieder aus. Noch in diesem Quartal soll es möglich werden, einen Hopper bis 90 Minuten vor Fahrtbeginn zu buchen.

          Im Sommer 2020 soll es ein solches Angebot auch in Mühlheim, Obertshausen und Heusenstamm geben. Bis 2022 möchte die Kreisverkehrsgesellschaft den Service auf das gesamte Kreisgebiet ausdehnen. Informationen sind im Internet unter www.kvgOF-Hopper.de zu finden.

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