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Kreis Offenbach : Hohe Kaufkraft und fast Vollbeschäftigung

Traditionsbetrieb aus dem Kreis Offenbach: Das mittelständische Unternehmen Delta Pronatura ist für seine Marke Dr. Beckmann Fleckenteufel bekannt. Bild: Helmut Fricke

Der Kreis Offenbach trägt als guter Wirtschaftsstandort zum Boom der Rhein-Main-Region bei. Vor allem der florierende Mittelstand spielt dabei eine Rolle.

          Die Region boomt, und der Kreis Offenbach hat daran seinen Anteil. Er zeigt sich laut Landrat Oliver Quilling (CDU) als starker Wirtschaftsstandort in der Metropolregion Frankfurt/Rhein-Main. Ablesen lässt sich dies an der Arbeitslosenquote, die im Jahresdurchschnitt 2018 bei 4,2 Prozent lag. Im Kreis herrschte also nahezu Vollbeschäftigung. Rund 130.000 Menschen waren dort im September sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Gegenüber dem Vorjahr bedeutete dies eine Steigerung um 4,4 Prozent. Im Fünf-Jahres-Vergleich belaufe sich das Plus sogar auf fast 18 Prozent, machte Quilling deutlich. Die Zahlen gehen aus dem aktuellen Wirtschaftsförderbericht des Kreises für 2018 hervor. Auch die Kaufkraft kann sich sehen lassen: Den Zahlen der Industrie- und Handelskammer Offenbach zufolge standen jedem Einwohner im vergangenen Jahr 26.025 Euro zur Verfügung. Das war deutlich mehr als etwa in der Stadt Offenbach, wo die Kaufkraft 21.036 Euro betrug.

          Eberhard Schwarz

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Kreis Offenbach.

          Legt man den bundesweiten Durchschnitt mit dem Indexwert 100 zugrunde, liegt die Kaufkraft im Kreis bei 111,6 Prozent, also deutlich höher. Der Kreis übertrifft auch den Indexwert von 105,1 für Hessen. Vor allem ein florierender Mittelstand sorgt für Prosperität. Knapp 29.000 Unternehmen gehörten der IHK Offenbach an; rund 4300 Handwerksbetriebe aus dem Kreis waren in der Handwerksrolle der Handwerkskammer Rhein-Main eingetragen. Als Wirtschaftsfaktor gewinnt auch der Tourismus an Bedeutung. Mehr als eine Million Übernachtungen fielen 2018 in den 112 Hotels und Pensionen im Kreis an. Schon 2017 wurde die Millionengrenze überschritten. Im Zeitraum 2012 bis 2017 verbuchte der Kreis einen Zuwachs von 21,4 Prozent. Damit gehörte er zu den Gewinnern, war der im Dezember 2018 vorgestellten Studie „Wirtschaftsfaktor Tourismus in Frankfurt/Rhein-Main“ des Deutschen Wirtschaftswissenschaftlichen Instituts für Fremdenverkehr zu entnehmen. Die Besucher hielten sich im Durchschnitt 2,1 Tage im Kreis auf.

          Eine vordere Position errang der Kreis Anfang 2018 beim Regionen-Ranking des Nachrichtenmagazins Focus: Unter 401 untersuchten Landkreises und kreisfreien Städten kam er auf einen guten Platz 35. In Hessen gehörte er zu den vorderen drei. Im vergangenen Dezember zählte ihn die Redaktion von „Focus Money“ zu den drei wirtschaftsstärksten Standorten in Hessen. Im deutschlandweiten Vergleich katapultierte sich der Kreis 62 Plätze nach vorne und belegte Rang 59. Der Wirtschaftsstandort Kreis Offenbach sei damit auf einem hervorragenden Weg, sagte Quilling.

          Optimistisch ins Jahr 2020

          Er wies aus die Zusammenarbeit mit den 13 Kreiskommunen, der IHK und der Kreishandwerkerschaft beim gemeinsamen Konzept zur Wirtschaftsförderung „Standort plus“ hin. Den gemeinsamen Internetauftritt www.standortplus.de habe man ausgebaut; alle Serviceangebote seien in rund 100 verschiedenen Sprachen und Dialekten abzurufen. Dazu biete der Kreis seit Juni vergangenen Jahres das digitale Baugenehmigungsverfahren an. Die seit 2017 bestehende Kooperation mit der Frankfurt University of Applied Sciences wurde im vergangenen Jahr ausgebaut. Unter der Überschrift „Wissenschaft stärkt Wirtschaft“ können Unternehmen im Kreisgebiet vom direkten Wissensaustausch mit der Hochschule profitieren. Ein „Cross-Innovation-Network“, dem 21 Unternehmen Ende 2018 angehörten, soll den branchenübergreifenden Austausch in der Region fördern.

          Besondere Aufmerksamkeit galt im vergangenen Jahr dem Breitbandausbau. Die Versorgungsquote mit Breitbandanschlüssen über 50 Megabit pro Sekunde liegt bei 93,8 Prozent; im bundesweiten Vergleich kommt der Kreis damit auf Platz vier. Derzeit wird daran gearbeitet, Lücken zu füllen. Für die Deutsche Glasfaser sei man beim Ausbau sogar Pilotkreis, sagte Quilling. Inzwischen gebe es einen Wettbewerb der Anbieter. Der Bedarf bei Unternehmen nach einem schnellen Internet steige.

          Im vergangenen Jahr siedelten sich 46 Firmen in den kreisangehörigen Städten und Gemeinden neu an. Darunter befanden sich neun Unternehmen, die innerhalb des Kreises umzogen. Die Wirtschaftsförderung des Kreises begleitete 21 Firmen beim Behördenkontakt und leitete 41 neue Standortanfragen an die Kommunen weiter. Hohe Gewerbesteuereinnahmen der Kommunen wirkten sich 2018 bei der an den Kreis zu zahlenden Kreisumlage aus. Die Gewerbesteuer-Zahlen des zweiten Halbjahres 2018 und des ersten Quartals 2019 stimmen Quilling für den demnächst aufzustellenden Kreishaushalt 2020 ebenfalls „ganz optimistisch“.

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