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Kreis Offenbach : Abgeordnete: „Kassenärztliche Vereinigung soll Versorgung sicherstellen“

  • Aktualisiert am

Die Kassenärztliche Vereinigung Hessen (KV) will den hausärztlichen Notdienst im Kreis Offenbach zum 1. Juli neu organisieren. Nach Protesten gegen die Schließung von Notdienstzentralen hat die KV ihren Zeitplan geändert. Der hausärztliche Notdienst war am Mittwoch Thema im Kreistag. .

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          Der Offenbacher Kreistag hat die Kassenärztliche Vereinigung Hessen (KV) in seiner Sitzung am Mittwoch einstimmig aufgefordert, "dafür Sorge zu tragen, daß die gute Versorgung der Bevölkerung im Kreis Offenbach beim vertragsärztlichen Notdienst wie bisher auch zukünftig sichergestellt wird". Die Fraktionen reagierten damit auf Pläne der KV, den hausärztlichen Vertretungsdienst zum 1. Juli neu zu organisieren.

          Dabei ist in einer ersten Stufe vorgesehen, die sieben Notdienstzentralen im Kreis an den Wochenenden weiter geöffnet zu halten. Unter der Woche abends und mittwochs nachmittags sollen jedoch nur noch die Zentralen an den Krankenhäusern in Langen und Seligenstadt mit einem Arzt besetzt sein. Parallel dazu soll ein ärztlicher Hausbesuchsdienst eingerichtet werden, der zu bestimmten Zeiten nachts die Betreuung von Patienten auch allein übernimmt.

          Zweite Stufe der Reorganisation vom 1. Oktober an

          Nach einem Quartal soll die zweite Stufe der Reorganisation folgen. Die KV strebt an, eines Tages nur noch die Notdienstzentralen in Langen und Seligenstadt zu öffnen und dieses Angebot durch den Fahrdienst zu ergänzen. Die ursprünglichen Pläne, fünf Notdienstzentralen schon zum 1. Juli zu schließen, hatten in den zurückliegenden Tagen heftige Proteste von Bürgermeistern und Ärzten ausgelöst.

          Der Kreistag sprach sich dafür aus, Änderungen erst nach einem Gespräch mit allen Betroffenen - Kreis, Städte und Gemeinden und Vertreter der Ärzte - vorzunehmen, das noch vor dem 1. Juli stattfinden solle. Dort sollten die Planungen und das weitere Vorgehen dargestellt und "in einen Dialog eingetreten" werden. Der Kreistag wünscht zudem, daß neue Regelungen ständig und nach einem halben Jahr grundsätzlich überprüft werden. Der Sozialausschuß des Kreistags solle nach dem Gespräch informiert werden.

          Kreis ist an der Neuorganisation beteiligt

          Dem Beschluß zufolge soll der Kreisausschuß vor dieser Sitzung "keine abschließenden Vereinbarungen" mit der KV treffen. Der Kreis ist an der Neuorganisation mit beteiligt: Der ärztliche Hausbesuchsdienst wird künftig unter der einheitlichen Rufnummer 19292 über die zentrale Leitstelle des Kreises in Dietzenbach zu erreichen sein.

          Ein Dringlichkeitsantrag der Grünen sorgte dafür, daß das Thema auf die Tagesordnung der Kreistagssitzung gelangte. Reimund Butz, Fraktionssprecher der Grünen, sah im jüngsten Konzept der KV sowohl Verbesserungen als auch Verschlechterungen. Man könne jedoch nicht davon reden, "daß die Struktur langfristig erhalten bleibt". CDU-Fraktionsvorsitzender Oliver Quilling setzte sich dafür ein, "gemeinsam an einem Strang zu ziehen". Jede Woche gebe es "neue Wasserstandsmeldungen", was die KV vorhabe. Diese habe in ihre Pläne jetzt eine erste Stufe der Reorganisation eingebaut.

          „Wünschen den Erhalt aller Notdienstzentralen“

          Zu befürchten sei jedoch, daß fünf der sieben Notdienstzentralen nun nach einer "Schamfrist" aufgelöst werden sollten. "Wir wünschen den Erhalt aller Notdienstzentralen", sagte Quilling und bewertete es als "deutliche Versorgungsverschlechterung", wenn ein Patient anrufen und auf einen Arzt warten müsse, statt eine Notdienstzentrale in seiner Nähe aufsuchen zu können. Als Neu-Isenburger Bürgermeister hatte Quilling kürzlich gemeinsam mit mehreren Amtskollegen gegen die Schließungsabsichten protestiert.

          SPD-Fraktionsvorsitzender Werner Müller kritisierte die "völlig mißglückte Kommunikationsstrategie" der KV. Wer auf diese Art versuche, die Bevölkerung an Veränderungen zu gewöhnen, "wird Schiffbruch erleiden". Bisher habe es im Kreis eine funktionierende Versorgung gegeben. Ob dies bei den neuen Modellen gewährleistet sei, sei bisher nicht klar. Daher sei ein Gespräch nötig.

          Nach Ansicht des FDP-Fraktionsvorsitzenden Rene Rock sollte sich der Kreis mit seiner zentralen Leitstelle an der Neuorganisation nicht beteiligen, ehe er nicht wisse, was auf ihn zukomme, und dies auch als "Druckmittel" nutzen. Landrat Peter Walter (CDU) wies darauf hin, daß die sieben Notdienstzentralen zu unterschiedlichen Zeiten geöffnet seien: "So gleichmäßig war das System bisher nicht." Die einheitliche Rufnummer erlaube es dem Disponenten in der Leitstelle, zu entscheiden, ob nicht vielleicht der Rettungswagen anstelle des ärztlichen Notdienstes eingesetzt werden müsse. Schlecht sei allerdings, daß bewährte Strukturen aufgelöst und dadurch Ängste erzeugt würden.

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