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Kliniken in der zweiten Welle : Kein Geld mehr für leere Corona-Betten

Hochleistungsmedizin: Corona-Intensivbehandlung in der Langener Asklepios-Klinik Bild: Frank Röth

Die Zahl der Patienten, die im Krankenhaus behandelt werden müssen, steigt nicht nur im Rhein-Main-Gebiet. Eine Gesetzesänderung könnte viele Kliniken in finanzielle Schieflage bringen.

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          Ende September, ausgerechnet in der Woche, in der es sich viele Krankenhäuser in Hessen nicht mehr leisten konnten, Betten für die Behandlung von Corona-Patienten frei zu halten, ist die Zahl der Neuinfektionen wieder deutlich angestiegen. Das Krankenhausentlastungsgesetz hatte zuvor dafür gesorgt, dass zwischen dem 16. März und dem 30. September den Kliniken kein wirtschaftlicher Schaden entstand, wenn diese Betten für Corona-Patienten blockierten. Diese Förderung ist nun ausgelaufen. Unbelegte Betten stehen in den Kliniken nicht mehr symbolisch für besonnenes Handeln in der Corona-Lage, sondern für Misswirtschaft. Zwar ist in einem Sonderkapitel des Hessischen Krankenhausplans eine „Vorhaltung von stationären Behandlungskapazitäten“ für Corona-Patienten festgeschrieben, „aber was nutzt so etwas, wenn ein Krankenhaus zahlungsunfähig ist“, fragt Jürgen Graf, Leiter der Uniklinik und gleichzeitig Leiter des Krisenstabs des Landes, der die medizinische Versorgung von Corona-Patienten koordiniert.

          Jochen Remmert

          Flughafenredakteur und Korrespondent Rhein-Main-Süd.

          Marie Lisa Kehler

          Stellvertretende Ressortleiterin des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          Dass das Krankenhausentlastungsgesetz ausgerechnet zum Beginn der zweiten Welle keine Gültigkeit mehr hat, kann er nicht verstehen. Er hofft, dass das Thema schnell wieder auf der politischen Agenda auftaucht. „Wir sind jetzt in einer Situation, in der die Krankenhäuser stark belastet sind. Entscheidend wird sein, ob wir genügend Personal haben“, sagt der Klinikleiter. Wirtschaftliche Sorgen, wie sie viele Träger durch den Wegfall der Ausgleichszahlungen erlebten, kämen da „zum exakt falschen Zeitpunkt“. Und auch Frankfurts Gesundheitsdezernent Stefan Majer (Die Grünen) beobachtet die Entwicklung mit Sorge. Es sei jetzt auch Aufgabe des Landes, auf den Bund zuzugehen, um schnellstmöglich gegenzusteuern. Mit dem Krankenhausentlastungsgesetz und einer ebenfalls gestoppten Regelung, die es Kliniken erlaubt hatte, mit weniger Personal als normalerweise vorgeschrieben, Patienten zu versorgen, habe man die Krise im Frühjahr gut bewältigen können. Beide Instrumente zum aktuellen Zeitpunkt zu stoppen sei „eine echte Katastrophe“.

          Derzeit werden in Hessen 110 Menschen aufgrund einer Corona-Infektion künstlich beatmet, in der Vorwoche waren es noch 67, heißt es aus dem Sozialministerium. Insgesamt müssen 567 Corona-Kranke in hessischen Kliniken behandelt werden, 399 waren es vor Wochenfrist.

          Keine weiteren Verschärfungen der Corona-Regeln in Offenbach

          Mit 129 Neuinfektionen je 100.000 Einwohnern innerhalb von sieben Tagen zählt Offenbach zu den am stärksten von der Corona-Pandemie betroffenen Kommunen in Deutschland. Dieser am Mittwoch erreichte Höchststand wird aber zunächst einmal keine weitere Verschärfung der Regeln in der Stadt mit 140.000 Einwohnern nach sich ziehen, wie Gesundheitsdezernentin Sabine Groß (Die Grünen) auf Nachfrage erläutert. Die jüngsten Verschärfungen etwa der Kontaktregeln seien erst am Wochenende eingeführt worden, nun müsse man etwas Zeit geben, damit sie überhaupt Wirkung entfalten könnten, sagt Groß. Damit folge Offenbach auch den Beschlüssen der Ministerpräsidenten der Länder und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Die Regeln werden zunächst bis zum 1. November gelten. Als Leitlinie gilt, dass maximal drei Personen eine Gruppe bilden dürfen oder die Angehörigen von maximal zwei Hausständen. Bei Feierlichkeiten in angemieteten Räumen oder zu Hause gilt eine Obergrenze von zehn Teilnehmern. Zudem ist eine umfassende Maskenpflicht angeordnet.

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          Sorge bereitet Groß das rasche Wachstum der diffusen Infektionen, deren Ursprung gar nicht mehr oder nur noch mit immer größerem Aufwand ermittelt werden kann. Halte diese Entwicklung an, müsse man weitere Schritte ins Auge fassen. Dabei müsse man aber auch immer darauf achten, dass eventuelle neue Restriktionen die wirtschaftliche und auch die soziale Lage nicht mehr als unbedingt nötig belasteten, warnt Groß.

          Auch in Frankfurt entspannt sich die Lage trotz zahlreicher Maßnahmen nicht. Mit 124,3 Neuinfektionen je 100.000 Einwohner ist die Arbeitsbelastung besonders für die Mitarbeiter des Gesundheitsamtes, die in der Kontaktnachverfolgung tätig sind, hoch. Es sei personelle Unterstützung aus dem Stellenpool des Landes angefordert worden, um die Arbeit leisten zu können, heißt es aus dem Gesundheitsdezernat.

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